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Lilies Diary | 23. August 2017

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4 Kommentare

Juist – die Heimat für meine Seele

Christine

Juist, diese Insel kann man eigentlich nicht beschreiben. Man muss sie erleben. Sie ist wie ein sehr guter Freund zu mir. Sie nimmt sich Zeit für mich. Sie gibt mir Zeit. Sie zeigt mir, wie es mir geht und ist stets offen und ehrlich zu mir. Es ist wirklich verrückt. Schon sechs Mal war ich hier und der Zauber lässt kein bisschen nach. Und wir fremdeln auch nicht. Kaum wieder gesehen und wir sind ein Herz und eine Seele.

Diesmal bin ich nicht mit der Fähre gekommen, sondern auf die Insel geflogen. Fünf Minuten waren wir in der Luft, haben die Dünen, den Strand und das Meer von oben gesehen und dann begann die 20-minütige Kutschfahrt ins Dorf. Autos gibt es auf Juist nicht. Ein großer Grund, warum hier alles anders ist. Warum man hier zur Ruhe kommt und entschleunigt. Warum alles ein bisschen langsamer und bedachter ist. Ich liebe es.

Diese erste Kutschfahrt ist wie ein Gehirn-Reset. Alles, was eben auf dem Festland noch wichtig war, wird jetzt vergessen. Es ist, als würde man einen Teil des Ballasts, den man tagein tagaus mit sich rumträgt, einfach drüben lassen. Man darf ja auch nur acht Kilo Gepäck mitnehmen. Alles was drüber ist kostet extra. Auch der Seelenballast. Neben der Pferdekutsche ist das Fahrrad das wichtigste Fortbewegungsmittel und ich liebe es. Die Füße auf den Pedalen, der Fahrtwind in den Haaren und das Gefühl der absoluten Freiheit. Ich fahre durchs Dorf, an den Backsteinhäusern vorbei, an kleinen Läden mit Licht im Schaufenster und ich sehe wie Leute mit Bollerwägen Richtung Hafen laufen und weiß, dass wohl bald die Fähre anlegt und neue Gäste kommen. Es freut mich, dass nicht nur ich den Zauber dieser Insel erleben kann. Es freut mich, dass viele wie ich immer wieder kommen oder auch zum ersten Mal.

Juist ist eine Reise wert. Es beschert mir jedes Mal Momente, die mir so viel Kraft geben. Neben der ersten Tour auf dem Rad ist der Moment, wenn man zum ersten Mal über die Dünen läuft und das Meer sieht, fast noch magischer. Es ist immer schön, auch bei Regen und Sturm. Aber dieses Mal hat mir die Insel eine ganz besondere Stimmung geschenkt. Die Sonne hing schon über den Dachgiebeln und neigte sich dem Ozean zu. Der Himmel war warm. Ja, er strahle eine unglaubliche Wärme in seinen Farben aus. Ein Orange, ein Rosé und ein Hellblau vermischten sich zu einem ganz wollig-warmen Farbton. Das Dünengras tanzte im Wind hin und her und das Meer schlug Freudenwellen, als wäre es ein Hund, der von Begeisterung mit dem Schwanz schlägt und aufgeregt hin und her springt. So begrüßten mich die Wellen. Ich ging den langen, weiten Strand entlang, der bis zum Horizont ging, sah Fußspuren, Pfoten– und Hufabdrücke im Sand und da war auch schon ein Wiehern zu hören und eine Reiterin kam im Schatten der Sonne an mir vorbei geritten, mit den Dünen und dem Meeresrauschen im Hintergrund. Genau in diesem Moment blinzelte auch die Sonne ein letzten Mal über einen flachen Dünenhügel.

Es ist magisch – jedes Mal. Es treibt mir die Freudentränen ins Gesicht – jedes Mal. Es gibt mir so viel Kraft und Energie und den Glauben, dass alles gut wird – jedes Mal. Ich fühle mich an vielen Orten und recht schnell zu Hause, aber Juist ist die Heimat für meine Seele. Wegen des Lichts, wegen der Menschen und der Luft. Irgendwann, nach einer gewissen Zeit, aber noch nicht am ersten oder zweiten Tag, da wird der Blick für das Wesentliche so klar wie die Luft.

Die Luft. Der Wind so rau und doch so liebevoll. An manchen Tagen streichelt er dir die Wangen, an anderen peitscht er ins Gesicht – wie ein guter Freund. Spätestens wenn der Kluntjes im Tee knackt, dann macht es auch im Kopf jedes Besuchers klick und er begreift, wie schön so ein Moin am Nachmittag ist, die endlose Weite am Strand und das es kein schlechtes Wetter gibt, sondern nur schlechte Kleidung. Juist ist mein Auszeit-Ziel und obwohl man es eigentlich nicht beschreiben kann, gibt es so viel von dieser Insel zu erzählen.

Hier kommt ihr zu meinem wöchentlichen Vlog. Ich filme jeden Tag, was so passiert im Leben einer Reisebloggerin. Diese Woche ist ganz viel Juist dabei ;)

 

Kommentare

  1. Liebe Christine, dieses Jahr bin ich seit langer Zeit einmal nicht auf Juist sondern habe Silvester und das neue Jahr auf Mallorca verbracht. Und weisst Du was? Trotzdem vermisse ich es. Die Idee mit dem VLOG find ich super. Macht so Spaß, Dir zuzuschauen.

    Zu Deinem Wunsch, einen Sommer am Meer zu leben: ich habe den letzten Sommer mehr oder weniger komplett auf Mallorca verbracht und habe für mich entdeckt, dass der Winter am Meer – zumindest in südlichen Gefilden – viel schöner ist. Warum? Weniger Menschen. Ist natürlich Geschmacksache. In jedem Fall alles Gute und Liebe für Dich bei allem, was Du tust! :-)
    Jüstelige Lieblingsgrüße von Katharina

    • Christine

      Vielen Dank. Ja es war eine harte Entscheidung zwischen Winter oder Sommer am Meer :)

  2. Für manche ist Juist nur ein Sandstrich im Watt. Ich finde Juist ist allemal eine Reise wert. Allein schon um mal runterzukommen.

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