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Lilies Diary | 08. November 2017

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Was ist schon perfekt? – Von einer Hochzeit in Kalifornien

Marlene Mohn

„Das werdet ihr nie vergessen!“, „Davon könnt ihr euren Enkeln noch erzählen!“, schreiben uns Freunde und Familie, denen wir per WhatsApp Fotos aus den Flitterwochen zukommen lassen und sie meinen es auch. Ich kann es ihnen nicht verübeln. Natürlich schaffen es nur die besten Bilder von Hochzeit und Reise in die WhatsApp-Gruppe. Doch mir ehrlicher Seele kitzelt die ganze Zeit das „Ja, aber“ in den Fingerspitzen. So schön war das in echt doch gar nicht. Von unserem Streit gerade, meiner verstopften Nase oder der sonnenverbrannten Lippe meines Ehemanns hab ich gerade kein Bild parat. Na ja, von Letzterem schon, aber will jemand eine dick mit Creme eingeschmierte Oberlippe sehen?

Facebook, Instagram, Pinterest … ach und wie sie alle heißen – allesamt haben sie uns verdorben. Alles muss perfekt sein. Glauben wir zumindest. Die Geburtstagsparty, der Sonntagsausflug, sogar das verdammte Frühstück. Dass das Ganze oft nur inszenierte Perfektion ist, vergessen wir dabei ganz gern. Fast schon unterbewusst wird vor dem „Share“ hier noch was am Bildrand abgeschnitten und da noch ein bisschen an der Farbtemperatur geschraubt, damit man wenigstens auf diesem Schnappschuss nicht auf alle Ewigkeit frösteln muss.

Zumindest die Hochzeit in Kalifornien muss doch aber perfekt sein

Während den meisten der Perfektionismus in der Müslischüssel reichlich egal ist, ist er, wenn es um die eigene Hochzeit geht, umso stärker ausgeprägt. Zumindest hier sollte doch bitte alles perfekt laufen. Man heiratet doch (bestenfalls) nur einmal im Leben. Nur so lässt sich erklären, dass die angesagten Hochzeits-Locations schon zwei Jahre im Voraus ausgebucht sind und Bräute, die eigentlich nur erstmal gucken wollen, das Brautmodengeschäft mit einem ausgereizten Kreditrahmen verlassen, weil dieses eine, ganz besonders seltene Kleid doch auf Anhieb gefallen hat … und überhaupt: nur noch zehn Monate bis zur Hochzeit? Ganz schön knappes Zeitfenster.

Um dem ganzen Stress und Druck zu entgehen, entschieden wir kurz nach der Verlobung unsere, bis dahin gedanklich schon sehr kleine, Hochzeit noch kleiner zu machen und unserem geplanten Flitter-Roadtrip an der Westküste der USA eine Trauung am Strand voranzustellen. Eine Hochzeit nur zu zweit am Strand von Malibu. Das klingt ja traumhaft romantisch. Aber Moment, schießen wir uns mit unseren Erwartungen daran nicht gerade selbst ins Knie? Hohe Erwartungen können gar nicht anders als enttäuscht zu werden. Und dann? Dann ist alles plötzlich ganz schrecklich. Da kann man eigentlich nur wahlweise streiten oder ein Tränchen verdrücken und anschließend grummelig abwarten bis es vorbei ist oder vielleicht doch noch ein bisschen besser wird. Oder einfach das Beste daraus machen, so abgedroschen es klingen mag. Unsere Trauung und die anschließende Reise haben uns einiges gelehrt. Perfekt gibt es nicht. Zumindest nicht unter seiner eigentlichen Definition: „frei von Mängeln“. Klar kann man Perfektion inszenieren und das haben wir auch ab und zu getan. Ganz ehrlich: So manchen Sonnenuntergang habe ich größtenteils über das Display meines iPhones betrachtet und dabei ganz vergessen den Moment zu genießen. Was fiel dem Abendhimmel aber auch ein, von Minute zu Minute immer schöner auszusehen? Das musste dann einfach festgehalten werden. Sonst ist es ja nicht passiert, oder?

Es gibt diese perfekten Standbilder. Ausschnitte der Realität, bearbeitet, Filter drauf – so werden sie gesharet und dürfen gern vielfach geliket werden (ob online oder auch ganz analog mit einem „Oh, wie schön“ beim Durchblättern des Fotobuches). Doch wäre alles auf unserer Reise so perfekt gewesen wie ein Instagram-Feed, hätte jetzt auch eine Slideshow gereicht … es gäbe keine Anekdoten zu erzählen. So wie diese:

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Es ist ein heißer Sommertag Ende Juli 2015 und wir starten unsere 14-tägige Reise, mit Brautkleid und Anzug im Gepäck, von Berlin Tegel über München nach New York mit Anschlussflug nach Los Angeles. In 20 Stunden nach Hollywood. Bereits in Tegel wird uns mitgeteilt, unser Flug in die USA sei ausgebucht und somit die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass wir – erwartungsvolle Pause – upgegradet werden. Aber hallo, so und nicht anders sollte eine Hochzeitsreise beginnen. Voller Vorfreude setzen wir uns in den ersten Flieger nach München und plauschen mit der allein reisenden Mittfünfzigerin, die unsere Dreierreihe komplettiert. In München angekommen, eilen wir, wie angewiesen, direkt zum Schalter. Auch hier wird uns der Umstand des überfüllten Flugzeuges erläutert und die daraus resultierende Tatsache, dass wir deswegen  – erneute nicht mehr so ganz erwartungsvolle Pause, wir wissen ja bereits von unserem Glü … – nicht zusammen sitzen können. Lange Gesichter. 9 ½ Stunden nicht zusammen sitzen?

Glücklicherweise geht es anderen Passagieren ähnlich. Die Frau von vorhin sitzt schon wieder neben mir und tauscht gerne, aber nur wenn sie am Gang sitzen könne. Die Tochter der Familie eine Reihe vor uns sitzt ganz allein zwischen Fremden und einer allein reisenden Norwegerin ist scheinbar alles egal. Dank ihr als Joker ist die kleine Denkaufgabe schnell gelöst und bis zum Abflug sitzen alle auf den richtigen Plätzen.

In New York angekommen steht die „Einreise“ an, also der Part, an dem man sein ESTA (oder anderes)-Visum vorweist. Was für ein Massenandrang. Die schläfrig gesessenen Beine stehen wir uns hier eine ganze Weile in den Bauch. Einige Minuten und nur wenige Meter Fortschritt später, beschleicht uns die Vermutung, dass es für unseren Anschlussflug nach LAX knapp werden könnte. „Bless you“, sagt mein Verlobter zu dem jungen Mann hinter uns, der offensichtlich gerade geniest hat. Dieser bedankt sich höflich und will direkt wissen, woher wir kommen. Als wir ihm erzählen, dass wir zwei Deutsche sind, die wohl gleich ihren Flug nach Los Angeles verpassen, rät er uns, uns mit diesem Problem an einen der umstehenden Security-Leute zu wenden. Wir schauen uns um. An diese grimmig dreinblickende Frau da zum Beispiel? Mein Verlobter traut sich, lässt mich vorsichtshalber in der Warteschlange stehen und erkundigt sich. Mit einem energischen Fingerzeig auf einen anderen, offensichtlich leereren Schalter, beantwortet die resolute Security-Frau seine Anfrage. Mein Verlobter fasst ihre Geste in Worte: „Just cut the line and go over there?“ Sie nickt. Als er ausholt, er müsse zuvor aber noch seine Verlobte und das Handgepäck aus der Wartschlange holen, unterbricht sie seine Ausführungen mit erhobener Augenbraue: „You’re wastin‘ time, Sir“. Wenige Minuten später knallt der Einreisestempel in unsere Reisepässe und wir schaffen es gerade noch pünktlich zum Boarding der nächsten Maschine. Wir hätten den Flug definitiv verpasst. Danke für den Tipp, niesender Mann.

Hochzeit in Kalifornien: Und wie geht das jetzt mit dem heiraten?

Im Februar hatten uns erste Recherchen auf die Webseiten kalifornischer Hochzeitsagenturen und ihren Wedding-Package-Beschreibungen geführt. Diese reichten von „Treffpunkt ist das McDonalds hier-und-da, von dort aus fahren wir direkt zu ihrer Trau-Location“ bis „die Sektgläser dürfen Sie als Andenken behalten“.  Also setzten wir uns lieber direkt und ohne Umweg über eine Agentur mit einem ergoogelten officiant, dem amerikanischen Äquivalent eines Standesbeamten, in Verbindung. Der graumelierte Chris Robinson wirkte auf den Fotos sehr sympathisch und vermählt für 200 Dollar Gage nicht nur Hugh Hefner, sondern laut Auflistung auf seiner Webseite auch am Flughafen, im Hinterhof, am Krankenbett, als Überraschung oder auch am Strand. Da Chris an unserem Wunschtag noch einen Termin frei hatte, sagte er nach einem kurzen Mail-Austausch zu, auch uns zu trauen.

Jetlag geplagt und mit einem überteuerten Donut-Frühstück im Bauch, machen wir uns direkt am Tag nach der Ankunft auf den Weg ins Courthouse von Beverly Hills, um unsere Heiratsurkunde zu besorgen. Chris hatte uns freundlicherweise angeboten, sich um die wohl recht zeitaufwendige Beschaffung der „marriage license“ zu kümmern. Für einen Obolus in Höhe von weiteren $200, versteht sich. Ein nett gemeinter Rundumservice, den wir uns aus finanziellen Gründen sparen. Außerdem wollen wir gern selbst ein bisschen amerikanische Bürokratie schnuppern.

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Hochzeit in Kalifornien: Das Courthouse von Beverly Hills

Mit Chris‘ Warnung im Hinterkopf, betreten wir das imposante Gebäude und machen uns auf eine lange Warteschlange gefasst. Nach einer Sicherheitskontrolle und einer netten Plauderei mit einer Dame im Fahrstuhl landen wir in der zweiten Etage. Unsere Schritte hallen durch den Flur. Sind wir hier richtig? Wir entdecken zwei einsame Computer-Terminals. Ein Schild an der Wand weist sie als „Marriage license kiosks“ aus. Ein Blick auf den Bildschirm bestätigt das. Hier kann man seine license selbst ausfüllen. Um aber nichts, also wirklich gar nichts falsch zu machen, trauen wir uns ein paar Schritte weiter und fragen bei der Frau hinter dem Sicherheitsglas vorsichtshalber nochmal nach. „Just fill out the forms and then come back to me.“, schickt uns die Frau hispanischer Herkunft freundlich zurück. Na gut. Dann füllen wir mal aus. Name, Adresse, Geburtstag, Name der Eltern … Plötzlich schaut mich mein Verlobter fragend an. „Wie wird noch gleich der selten benutzte und doch vorhandene zweite Vorname meines Vaters geschrieben?“ Um nicht die Annullierung unserer Ehe aufgrund eines blöden Tippfehlers in der Eheurkunde zu riskieren – man weiß ja nie – wird schnell Muttern in Deutschland angerufen, die uns, 9 Stunden voraus, die richtige Schreibweise bestätigt. Wir lesen das ausgefüllte Formular noch circa zehn Mal zur Kontrolle gegen. Zum Glück schaut uns niemand ungeduldig wartend über die Schulter.

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Mit dem druckfrischen Formular in der Hand gehen wir zurück zum Schalter. Alle Daten werden mit unseren Reisepässen – im Übrigen der einzige Nachweis, den man für die Einholung der license vorlegen muss – abgeglichen und wir dazu aufgefordert unsere rechte Hand zu heben. Wir halten das kurz für einen Scherz, merken aber doch schnell, dass wir auf die Richtigkeit der Angaben tatsächlich schwören müssen. Fünfzehn Minuten und 85 Dollar später sitzen wir wieder in unserem Mietwagen. Das war leicht. Vielleicht hatten wir auch nur Glück, aber in diesem Moment sind wir doppelt froh, dass wir nicht Chris geschickt hatten.

Den wichtigsten Part des heutigen Tages erfolgreich erledigt, gehen wir nun zum zweitwichtigsten über.

An dem kleinen Häuschen von „Fat Sal‘s Deli“ in Westwood, fühlt man sich bei der Bestellung seines Mittags-Snacks wie ein Vielfraß. Einmal Pommes, Cheeseburger, Hot Dog und Jalapeños bestellt, bekommt man wenige Minuten später ein riesiges Sandwich über die Theke gereicht, belegt mit all dem oben genannten – in kleingehackter Form. Eine wahre Kalorienbombe.

Hochzeit in Kalifornien: … wo alles begann

Nach diesem Mittagsmahl rollen wir förmlich über den nahegelegenen Campus der UCLA (University of California, Los Angeles) und schwelgen in Erinnerungen. Hier haben wir uns zwei Jahre zuvor während eines Sommerstudiums kennengelernt. Die Summer Session können wir nebenbei bemerkt nur wärmstens empfehlen. Nicht nur deshalb, weil man nie weiß, wen man dort kennenlernt. Der Campus ist wirklich wunderschön, mutet mit seinen satten Wiesen und Springbrunnen eher einer Parkanlage mit italienischem Einschlag an und kann auch ganz ohne schöne Erinnerungen bestaunt werden.

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Die Janss Steps hinauf zum Dickson Plaza, wo sich die beiden ersten Gebäude des Campus gegenüber stehen. Die Royce Hall und die Powell Library (beide 1929 fertig gestellt).

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Blick aus den Bögen der Royce Hall auf die Powell Library

In unserem weißen Mustang Cabrio fahren wir über den Hollywood Drive zum Walk of Fame. Es ist heiß, doch der Fahrtwind macht die Hitze so angenehm, dass ich kaum merke, dass mir die Sonne die Umrisse meines Tops auf die Schultern brennt. Und dabei hatte ich viele Wochen zuvor beim Vorbräunen auf dem Balkon kleinlichst darauf geachtet, für mein schulterfreies Brautkleid eben keine Abdrücke zu bekommen. Mission failed.

Als es langsam dunkel wird, fahren wir für den nächtlichen Ausblick über die Skyline von Los Angeles hoch zum Griffiths Observatory. Da auch sehr viele andere Leute diese Idee haben, müssen wir eine ganze Weile laufen bis wir vom Parkplatz am Fahrbahnrand der serpentinenartigen Straßen oben am Aussichtspunkt angekommen sind. Es wird langsam richtig frisch, doch die Aussicht entschädigt für alles.

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Am nächsten Tag habe ich nicht nur einen Sonnenbrand, sondern auch Halskratzen. Wir checken aus unserer Airbnb-Unterkunft, einem kleinen Apartment nahe des Farmers Market aus und suchen schnurstracks einen CVS Drugstore auf, wo ich mich mit einer Auswahl an Erkältungsmittelchen eindecke. Mit offenem Verdeck, aber diesmal mit einem zum Schal umfunktionierten Shirt um den Hals und Sonnencreme auf der geröteten Haut, fahren wir die Route 1 entlang zum circa 30 km entfernten Topanga Canyon. Hier befindet sich unsere „Hochzeitssuite“ – eine Airbnb-Unterkunft mit dem verheißungsvollen Namen „Pirates of the Caribbean Getaway“. Bevor wir in den Canyon fahren, kontaktieren wir unseren nächsten Host Darrell. Er erklärt uns rudimentär den Weg zu seinem Grundstück. Vielmehr als geradeaus zu fahren, beziehungsweise strikt den Serpentinen zu folgen, können wir ohnehin nicht. Die Tatsache, dass man im Canyon kaum Empfang hat, weder zum Telefonieren, noch zum Navigieren, lässt die Wegbeschreibung im Nachhinein sehr sinnvoll erscheinen. Einmal zu weit gefahren, könne das mit dem Wenden auf den schmalen Straßen eine ganze Weile dauern. Nach circa dreißig Minuten erreichen wir eine bambusverkleidete Einfahrt.

Welcome to Paradise: Hochzeit in Kalifornien

Inmitten eines urwaldähnlich anmutenden Areals hat sich Darrell im Laufe der letzten 30 Jahre einen Traum erfüllt. Er lebt im Paradies und vermietet es in Form von kleinen Häusern – zum einen dauerhaft an überglückliche Mieter oder temporär an beeindruckte Urlauber wie uns. Über eine kleine Holzbrücke geht es vorbei an künstlichen Wasserfällen und den Hütten, die baumhausartig in den Canyon gebaut sind. Grün, grün, grün soweit das Auge reicht. Darrell ist sehr freundlich und trägt sogar meinen schweren Koffer die unwegsamen Steinpfade hoch, bevor er uns eine kleine Führung über unser idyllisches Grundstück gibt.

Unsere Hütte ist winzig, aber so effizient und modern eingerichtet, wie nur irgend möglich. Von der Küchenzeile über die elektrisch ausziehbare Couch bis zur TV- und HiFi-Anlage ist alles vorhanden. Es ist uns kaum möglich, die Vielseitigkeit und Schönheit des Grundstückes fotografisch einzufangen. Für seine Airbnb-Anzeige hat Darrell sein Lebenswerk aber besser in Szene setzen lassen, als es uns je möglich gewesen wäre.

Ich kann euch nur ans Herz legen, bei der nächsten USA-Rundreise hier einen kleinen Zwischenstopp einzulegen. Denn auch wenn unsere Reise nicht ganz perfekt war, diese Unterkunft war es.

Der Garten rund ums Häuschen ist nicht nur unheimlich liebevoll dekoriert, sondern bietet auch Platz zum Relaxen ohne Ende. Ganz besonders haben wir die Riesenhängematte lieben gelernt, der beste Ort für ein kleines Nickerchen. In jeder Ecke entdecken wir etwas Neues. Eine Tiki-Statue hier, einen Dinosaurier-Schädel da. Oft stammen die Dekorationen, wie uns Darrell beim Rundgang erklärt, aus dem Fundus bekannter Filme. Das Interieur des Tipi-Zeltes entstammt teilweise dem Film „Der mit dem Wolf tanzt“ und die verzierten Statuen sind wohl irgendwo im Szenenbild der „Indiana Jones“-Filme zu finden.  Wir vermuten, dass Darrell im früheren Leben Ausstatter in Hollywood war, haben ihn aber nicht danach gefragt. Sein Einfallsreichtum ist jedenfalls unnachahmlich. Heute betreibt Darrell neben seinen Unterkünften einen Secondhandladen in Topanga.

Hochzeit in Kalifornien: Wollen wir wirklich hier heiraten?

Als wir all das Gepäck in unser Häuschen gebracht haben, fahren wir endlich zum Ort unserer morgigen Trauung. Bei unserem letzten USA-Aufenthalt vor zwei Jahren hatten wir den Strand noch gar nicht gekannt, dementsprechend auch nicht besucht und uns nur aufgrund von Empfehlungen und der anschließenden Google-Bildersuche für den El Matador State Beach entschieden.

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Der Steilküstenstrand besticht vor allem durch seine Felsformationen und ist gerade deshalb eine sehr beliebte Location für Film- und Fotoaufnahmen. Der erste Eindruck ist aus diesem Grund ein wenig getrübt, räkeln sich doch an jedem zweiten Felsen gertenschlanke Models oder Frauen mit Babybäuchen vor der Fotografenlinse.

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Unsere Idee, mit Musik aus portablen Lautsprechern unsere Trauung zu untermalen, wird vom lauten Wellenschlag weggeschwemmt. Außerdem ist es windig und irgendwie ein bisschen kalt. Wollen wir wirklich hier heiraten? Oder anders: Fällt uns spontan was Besseres ein? Das Zahnrad in unseren Köpfen ist aktiviert und rattert vor sich hin, als wir keuchend die steile Holztreppe zurück zum Parkplatz hinauf steigen. Ein kleines Flugzeug am wolkenfreien Himmel macht auf sich aufmerksam und wir bleiben kurz stehen. „Will you marry me?“ lesen wir auf dem Schriftbanner, den es hinter sich her zieht. Eine Frau mit Blümchen in der Hand dreht sich unvermittelt zu mir um. „My daughter is getting engaged!“, sagt sie und zeigt freudestrahlend auf das küssende Paar unten am Strand. Wir schauen die Klippe hinunter. Die Wellen preschen gegen die Felsen, spülen Algen auf den Strand. Der Wind weht mir die Haare so wild ins Gesicht, dass ich sie kaum gebändigt bekomme.

Klar, auf den Fotos im Internet war der Wind nicht zu sehen, da roch es auch nicht fischig und die vielen Menschen im Hintergrund wurden wegretuschiert. Kein Ort ist perfekt, aber die beiden da unten interessiert das gerade überhaupt nicht. Und genauso wird es uns morgen auch gehen.

Wir sind überzeugt.

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Bei Ralphs kaufen wir unsere Verpflegung für die nächsten drei Tage und – ganz spontan – meinen Brautstrauß. In der Blumenecke sind kleine Sträußchen mit weißen Rosen im Angebot. Eigentlich sah der Plan vor, am nächsten Tag bei einem nahegelegenen Floristen einen Mini-Strauß zusammenstellen zu lassen, doch der hier tut es auch und landet zusammen mit Champagner, Obst und allerlei Zutaten für Tapas und Salate im Einkaufswagen.

Am nächsten Tag, dem Tag unserer Hochzeit, wache ich im fiebrigen Zustand mit verstopfter Nase und Halsschmerzen auf. Erst gegen Mittag schaffe ich es aus dem Bett zu krabbeln. Meine Möchtegern-Arzneien vom CVS, in die ich all meine Hoffnungen gesetzt hatte, haben meinen Gesundheitszustand verschwindend gering beeinflusst. Unsere Trauung ist in sechs Stunden und ich fühle mich wie die zerknüllten und vollgerotzten Taschentücher, die ich im Laufe der Nacht neben meinem Bett angehäuft habe. Jetzt sind wir extra hier her geflogen, um unsere Idee von einer Traumhochzeit wahr zu machen und ich bin krank und kann kaum atmen. Und Sonnenbrand hab ich auch. Alles scheiße, kann man schon so sagen. Im aufgeregten Treiben in der WhatsApp-Gruppe lass ich mir nichts anmerken, bedanke mich für vorfreudige Glückwünsche mit dem rotbäckigen Kuss-Emoji. Tatsächlich aber lässt der Gedanke unsere Hochzeit zu verschieben nicht lange auf sich warten.

Hochzeit in Kalifornien: Der Tag der Hochzeit

Krank im Paradies. Mehr noch: An meinem Hochzeitstag. Während sich der Mann, den ich heute eigentlich ganz gerne noch heiraten wollte, erneut auf den Weg nach vermeintlich besseren Arzneien macht, inhaliere ich, aus Ermangelung an allem mit heißem Wasser, um meine Nase zumindest wieder ein bisschen frei zu bekommen. Von den neuen Tabletten, die kurz darauf eintreffen, werfe ich direkt ein paar ein und hoffe das Beste. Und tatsächlich. Eine halbe Stunde später fühle ich mich schon bedeutend besser und wir beschließen die Trauung durchzuziehen. Sollte es mir nachher doch wieder schlecht gehen, canceln wir notfalls das Abendessen.

Noch fünf Stunden bis zur Trauung. Eine davon verbringen wir im eigenen Jacuzzi, umgeben von Steinkristallen und Dinosaurierfossilien, vermutlich aus „Jurassic Park“. Ein bedeutender Vorteil eines sogenannten „elopements“, also der Eheschließung weit weg und ganz allein, ist der Chill-Faktor. Kein akribisch einzuhaltender Zeitplan. Keine hektisch umherlaufenden Verwandten (gerade in Anbetracht der geradeso abgewendeten Voll-Katastrophe einer abgesagten Trauung). Kein Stylist, der morgens um 7 vor der Tür steht und die noch verquollenen Augen schminken will.

Ja. Kein Stylist. Dafür bin ich selbst verantwortlich. Im doppelten Sinne. Als wir begannen unsere Hochzeit im Ausland zu planen, stand ein Stylist – oder zumindest ein Friseur – noch ganz oben auf meiner Liste. Doch je mehr die Planung voran schritt, desto genügsamer wurde ich. Mein sowieso nur schlichtes Make-up bekomme ich auch alleine hin und die Haare sollten auch kein großes Problem darstellen. Letztendlich sollte sich sowieso der Wind am Strand am meisten für meine Frisur verantwortlich zeigen.

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Mit dem Reggae-Radiosender im Hintergrund – andere Musik ist an diesem Ort kaum vorstellbar – machen wir uns fertig. Nachdem ich Make-up und Haare erstaunlich gut und direkt beim ersten Versuch hinbekommen habe, folgt der schwierigere Part. Das Kleid alleine anziehen ist die eine Sache, darin nicht gesehen werden, die andere. Ein bisschen Tradition muss sein. Mit einer Strickjacke obenrum und einem Bademantel untenrum, manövriere ich mich die selbstgebaute Steintreppe hinunter und dann vorsichtig in unsere weiße Kutsche (mit 200 Pferdestärken wohl bemerkt). „Pachelbels Canon in D“ in Dauerschleife bringt uns auf der 30-minütigen Fahrt zum Strand in feierliche Stimmung. Mir ist ganz schön warm und ich weiß nicht so recht, ob langsam das Fieber wiederkehrt oder einfach nur die Sonne, eine dicke Strickjacke und ein Bademantel schuld an meiner erhöhten Temperatur sind. Ich vermute Letzteres. 

Hochzeit in Kalifornien: Bei einer Hochzeit zu zweit darf der Fotograf nicht fehlen

Auf dem Parkplatz wartet das dreiköpfige Film- und Foto-Team auf uns. Am Vortag hatten wir uns im Foto-Studio kennengelernt und unsere Vorstellungen und das Timing der Zeremonie besprochen. Wenn wir schon ganz allein und weit weg von unseren Familien heirateten, so wollten wir dies zumindest fotografisch und filmisch festhalten. Armen Sarvar ist UCLA-Absolvent und mittlerweile als Fotograf und Filmemacher in Los Angeles tätig. Durch unseren Uni-Aufenthalt 2013 hatten wir Kontakte knüpfen können, die uns bei der internationalen Fotografensuche unterstützen und uns Armen empfehlen konnten. Armen liebt Deutschland und war von unserer Geschichte total begeistert. Er willigte ein, unsere Trauung zu filmen und anschließend noch ein paar Bilder am Strand zu machen. Unbezahlt. Da er sonst vor allem Hochzeiten mit 200 Gästen Minimum fotografiert, sei eine Hochzeit mit nur zwei Personen eine wahre Wohltat. Zu diesem Angebot sagten wir nicht nein, hatten im Hinterkopf aber ein großzügiges Trinkgeld eingeplant. Wir bestanden darauf, dass Armen uns nur die Rohdaten gibt und wir uns im Nachhinein selbst um die Bearbeitung kümmern. Als wir besprachen, welchen Part wir gern gefilmt und welchen nur fotografiert haben wollten, gerieten wir ein wenig ins Straucheln. Irgendwie wollten wir ja schon gern auch Fotos von der Zeremonie haben, doch unser Plan, die Standbilder aus dem Bewegtbild zu entnehmen, kratzte an Armens Fotografen-Ehre. Aber er hatte eine Idee. Er holte einen Kollegen ins Boot und ermöglichte uns beides. Den Einsatz seines Kollegen honorierten wir letztendlich mit 200 Dollar. Trinkgeld für sich selbst wollte Armen partout nicht annehmen.

Jetzt stehen sie nun sogar zu dritt – die beiden haben noch einen Assistenten mitgebracht – auf dem Parkplatz und begrüßen uns herzlich. Während mein Verlobter noch für alle Parkscheine zieht, gesellt sich ein Mann zu uns, der mir irgendwie bekannt vorkommt. Ach ja, unser Officiant-Guy. (So lautet im Übrigen tatsächlich seine URL.) Ich wundere mich kurz, dass er mich direkt erkannt hat, realisiere dann aber, dass ich wohl momentan die einzige Braut hier auf dem Parkplatz bin. Für den „ersten Blick“ auf die Braut (ich habe den Bademantel im Auto gelassen, aber noch die lange Strickjacke drüber) suchen wir zusammen mit dem Fotografen-Team ein schönes Plätzchen an der Klippe. Nach einem Probedurchgang, damit jeder weiß, wer sich wie dreht und sich Kameramann und Fotograf nicht gegenseitig ins Bild laufen, geht es los. Langsam schreite ich auf meinen Bräutigam zu, der noch mit dem Rücken zu mir steht und in die Ferne blickt. „Turn around!“ sage ich, damit auch die Leute mit der Kamera ihren Einsatz nicht verpassen. Langsam dreht er sich um und strahlt mich an.

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Der Weg runter zum Strand ist steinig und steil. In meinen dreckigen Turnschuhen, dem Kleid bis in die Kniekehlen angehoben und mit der helfenden Hand meines Verlobten im Rücken, kraxeln wir hinunter zum Strand. Es ist Freitagabend.

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Kleine Mädchen in hübschen Kleidern werden fotografiert, Studenten drehen einen Film, ein paar junge Kerle spielen Frisbee und sogar das wird gefilmt. Wir gehen eine Weile, in der Hoffnung, dass sich der Strand weiter hinten etwas leert. Als sich diese Hoffnung nicht erfüllt, entscheiden wir uns für die Stelle zwischen der Filmcrew (an deren Set ein blutig geschminkter Mann in zerrissener Kleidung immer und immer wieder schreiend aus dem Wasser watet) und den Frisbee-Spielern.

Dass mein Verlobter mir nach dem „Dress Reveal“ noch das Häkchen hinten am Kleid zu machen sollte, habe ich glatt vergessen. Dass ich noch mein Haargummi ums Handgelenk habe, bemerke ich auch erst später. Unser Officiant Chris ist hingegen vorbereitet. Schon vor dem Abstieg hat er sich die Hose hochgekrempelt und die Anzugschuhe durch Flip Flops getauscht. Er kennt das Prozedere. Das ist nicht seine erste Strandhochzeit. Vielmehr wohl seine fünfhundertste. Als wir ihn fragen, was seine verrückteste Eheschließung war, antwortet er prompt: „I married a naked couple in a hot tub … Twice.“ Und betont, dass er die Einladung anschließend mit zu baden höflichst ablehnte.

Hochzeit in Kalifornien: Let’s get married

In einem feierlichen Tonfall beginnt Chris die Rede zu rezitieren, die ich einige Monate zuvor geschrieben und ihm zugesendet hatte. Seine Homepage bietet ein großes Repertoire an vorgefertigten Reden, aus denen man sich eine auswählen oder zusammenstellen kann. Da ich als freie Autorin arbeite, lag es auf der Hand, dass ich unsere Rede selbst schreiben würde. Circa sieben Minuten beschreibt uns Chris unser Kennenlernen vor zwei Jahren, die Höhen und Tiefen unserer bisherigen Beziehung und natürlich auch den Heiratsantrag, der uns letztendlich hier her brachte.

Während wir da so stehen, unserer Geschichte lauschen, uns Ringe anstecken und uns damit gegenseitig alles Mögliche für die Zukunft versprechen, laufen Strandbesucher und Touristen neugierig an uns vorbei. Zumindest zeigt das das Video, welches wir erst ein paar Tage später anschauen. Während unserer Trauung haben wir nichts, aber auch rein gar nichts von den anderen Menschen am Strand mitbekommen. Ich befürchtete sogar, der Fotograf habe kaum Fotos gemacht, weil ich ihn die ganze Zeit überhaupt nicht wahrgenommen hatte.

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Mit „You may now kiss your beautiful bride“, vollendet unser Officiant sein Werk und verlässt routiniert den Bildausschnitt für unseren ersten Kuss als Mann und Frau. Auch wenn man ohne Angehörige heiratet, kann man sich an einem so gut besuchten Strand einem tosenden Beifall sicher sein.

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Nach dem umjubelten Kuss, wird es kurz bürokratisch am Strand. Chris erklärt, wie es nun mit unseren Papieren weiter geht. Er würde nun die sogenannte „Certified Copy“ einholen, unsere Hochzeitsurkunde also zertifizieren lassen und sich anschließend auch um die Apostille (die Beglaubigung für internationale Urkunden) kümmern. Da die Fertigstellung dieser beiden Formulare bis zu sechs Wochen dauern kann und wir nur noch zehn Tage in den USA urlauben, sind wir diesmal sehr froh, dass Chris diesen Service anbietet. Um eines vorweg zu nehmen: Für seinen Aufwand werden wir Chris Ende September, ihr ahnt es schon, $200 Honorar, weitere $46 für die Apostille und $62.23 für das Shipping der Unterlagen zu uns nach Deutschland überweisen. Weitere zwei Wochen später halten wir die beglaubigte Übersetzung beider Dokumente (105 EUR) in Händen und erst Mitte November können wir unsere Ehe in Deutschland nachbeurkunden lassen. Damit ist auch endlich meine Namensänderung möglich.

Wieder zurück an den Strand von Malibu: Mit seinen $200 Dollar Gage – der Standardbetrag für scheinbar alles – für die Durchführung der Zeremonie bar auf die Hand, verabschiedet sich Chris und wir starten unser Fotoshooting. Ich hatte eigentlich nicht unbedingt vorgehabt mein Kleid nass zu machen. Da ich aber bereits während der Trauung schon ein paar Wellenschläge abbekommen habe, ist nun auch das egal. Wir waten bis zu den Knien ins Wasser, stellen uns auf die Felsen, tanzen am Strand entlang und posen, so lange das Sonnenlicht es zulässt. Meine Erkältung hält sich dankenswerterweise sehr im Hintergrund.

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Hochzeit in Kalifornien-Brautpaar

Hochzeit in Kalifornien: Dinner for two

Mit Sand bis zu den Kniekehlen und einem nassen Kleid setze ich mich ins Auto. Zum Glück liegt hier noch der Bademantel mit dem ich mir notdürftig den Sand von den Füßen putze, um wieder in die Brautschuhe schlüpfen zu können. Mir geht es noch immer erstaunlich gut, vielleicht ist ein bisschen hochzeitliches Adrenalin nicht ganz unschuldig an meinem Zustand. Wir bedanken uns bei Armen und seinen Kollegen, verabreden uns zum Datenaustausch für den übernächsten Tag und fahren zu unserem Hochzeits-Dinner. Nach langer Internet-Recherche haben wir uns für das „Geoffrey’s Malibu“ entschieden und einige Tage zuvor auch einen Tisch reserviert. Heute Vormittag hat uns unser Airbnb-Host Darrell jedoch vom „Paradise Cove“ vorgeschwärmt, sodass wir uns spontan umentschließen. Beide Restaurants liegen direkt am Strand und sind vom El Matador Beach innerhalb von zehn Minuten zu erreichen. Die Frage, ob wir so unangemeldet noch einen Tisch bekämen, beantwortet sich, als uns die Empfangsdame ganz verzückt ansieht. „Wow, did you just get married?“ Aufgeregt ruft sie nach John, der uns zum – seiner Aussage nach – besten Tisch des ganzen Restaurants begleitet. Das „Paradise Cove“ hat neben einem Innenbereich auch eine Art Terrasse, die direkt am Strand liegt. Es ist kein schicki-micki Laden, wir sitzen auf einfachen Gartenstühlen, aber ich freue mich, dass ich meine hohen Schuhe direkt wieder ausziehen und meine Zehen in den noch angenehm warmen Sand stecken kann.

Wenige Minuten später wird uns von unserem persönlichen Kellner ein Glas Sekt aufs Haus serviert. Mit besten Grüßen von John, sagt der Kellner und zeigt auf den jungen Herrn auf der Speisekarte. Seines Zeichens wohl Sohn des Geschäftsführers. Wir studieren die Speisekarte und schicken parallel erste Schnappschüsse in die Hochzeits-WhatsApp-Gruppe, auf die die noch schlaftrunkenen Daheimgebliebenen mit Glückwünschen und den eingangs erwähnten Kommentaren reagieren.

Jetzt wird der ältere Herr am Nachbartisch, der scheinbar mit seinen beiden Frauen diniert (so ganz haben wir dieses Beziehung-Dreieck nicht verstanden), auf uns aufmerksam. Er gratuliert uns zur Hochzeit und besteht darauf unser Essen zu bezahlen. Wir können unser Glück erst kaum fassen, aber bescheiden wie man ist, kann man so ein Angebot natürlich nicht annehmen. Bis unser Essen kommt, plaudern wir ein wenig. Er bestellt uns letztendlich noch jeweils ein zweites Glas Rotwein. Ich möchte ja nicht undankbar erscheinen, aber mir wäre ehrlich gesagt ein Dessert lieber gewesen. Bereits der erste Wein korrespondierte nicht ganz so gut mit den zuvor eingeschmissenen Tabletten und ich werde recht schnell recht angetrunken.   

Zurück in unserem Paradies schmeißen wir uns in die Hängematte und lassen die ausgeklügelte Licht- und Laserinstallation auf uns wirken. Zwischen den Bäumen hat Darrell drei Laser versteckt, die nachts – auf Knopfdruck – flirrende, grüne Punkte, sogenannte bliss lights, in die Baumkronen projizieren. Hier nochmal der Link zu Darrels AirBnB-Anzeige, auf dem er auch dieses Phänomen auf Bild gebannt hat.

Der nächste Tag gehört ganz uns. Wir entspannen im Jacuzzi und tanken Energie für die ereignisreichen Tage, die uns erwarten. Next Stop: Las Vegas.

20

Mittlerweile hat auch mein frisch Angetrauter einen Schnupfen und die Kleenex-Box im Fußraum wird zum ständigen Begleiter auf unserem Roadtrip. In den nächsten zehn Tagen fahren wir durch atemberaubende Vegetationen und diskutieren darüber, wie man den Selfie-Stick richtig hält, werden in Las Vegas von David Copperfield zurechtgewiesen, erleben ein Gewitter inmitten der Redwood Trees, fühlen uns im Death Valley wie auf einem anderen Stern und schütteln am Ende on national televison James Corden die Hand.

Zweittausendsiebenhundertundsiebzig Bilder haben wir von unserer Hochzeitsreise mitgebracht. Viele davon werden es niemals von der Festplatte schaffen, andere hingegen werden immer wieder gerne gezeigt. Doch während das Fotobuch langsam im Regal anstaubt, bleiben uns vor allem die Anekdoten, wegen derer ein gemütlicher Abend mit Freunden nicht enden mag, die Erlebnisse, wegen derer man mit Fremden ins Gespräch kommt und die Erinnerungen, an das Leben, das hinter den inszenierten Bildern stattfand, im Gedächtnis. Solange uns die Bilder Gedankenstützen für die Geschichten dahinter sind, so werden wir unser Abenteuer „Hochzeit in den USA“ tatsächlich nicht vergessen. Und vielleicht hören wir dann irgendwann auch mal den Satz: „Oma, Opa, erzählt nochmal die Geschichte von dem Flugzeug am Strand!“

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