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Lilies Diary | 23. Juli 2017

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1 Kommentar

Ich und der Feind

Christine









Es hat genau 4 Monate und 5 Tage gedauert bis ich mich wieder bereit gefühlt habe. In der Zeit ist viel passiert. Wir hatten genug Abstand um uns zu erholen, neue Kräfte zu sammeln, die Vergangenheit zu verarbeiten und zu vergessen um noch einmal einen Neuanfang zu wagen.

So bin ich also am Samstagnachmittag, nach einem Stück Bananen-Schoko-Torte auf den dunklen, gruseligen Dachboden gegangen, um den Karton mit der Aufschrift PFAFF zu suchen. Und ich habe ihn auch gefunden. Im letzten Eck. Ich habe ihn also auf meinen Arm genommen, in mein Zimmer getragen und den Inhalt auf meinem Schreibtisch gestellt.

Da stand er nun also.

Mein persönlicher Alptraum.

Vereint alle schrecklichen Erinnerungen an meine Vergangenheit.

Die Nähmaschine!

Als sie so plötzlich in real wieder vor mir stand, musste ich mir eingestehen, dass noch nicht alle schmerzlichen Erinnerungen verblasst und noch nicht alle Wunden geheilt sind. Ich bekomm noch leichte Bauchkrämpfe, wenn ich an unsere letzte, intensive Zeit, dem Diplom denke. So oft hast du mich in den Wahnsinn getrieben. So oft hätte ich dich am liebsten gepackt und aus dem Fenster geschmissen. So oft habe ich dich in übelster Weise beschimpft und angeschrien weil du den Faden nicht angenommen, den Transporter einfach ausgeschalten oder meinen Stoff gefressen und mit Löchern versehen hast. Doch du hast das alles einfach immer wortlos hingenommen und nichts gesagt und getan. Das hat mich noch wütender gemacht. Doch am schlimmsten war der Tag, an dem du ein Stück Fleisch mit deiner Spitzen Nadel aus meinem Finger gerissen hast. Eine Kuppe ist heute noch leicht taub.

Aber zum Glück bin ich nicht sehr nachtragend. Und gut im verzeihen und im vergessen. Außerdem würde ich es wirklich noch einmal sehr gerne mit dir versuchen. Du fehlst mir nämlich. Ab und zu.

Denn schließlich habe ich auch wunderschöne Sachen mit dir genäht.

Also habe ich mich dieses Wochenende getraut und dich wieder ausgepackt. Und siehe da. Es hat wirklich ganz gut mit uns funktioniert. Wir sind richtig easy und locker miteinander umgegangen ohne Stress und Druck und das Resultat lässt sich echt sehen. Habe versucht das Kleid nach zu nähen, dass ich bei Pool in München gesehen habe und mir für 160 Euro momentan nicht leisten kann. Ich bin sehr zufrieden und freue mich, dass die Nähmaschine und ich uns wieder öfters daten werden. Ich denke wir werden nie wieder so eine tiefe, innige Beziehung haben wie damals aber… man soll niemals nie sagen.

Und die Lesenweisheit aus dieser Geschichte?

Mit mir und der Nähmaschine ist es nicht anders wie mit Menschen mit denen man eine Beziehung oder eine Freundschaft hat. Manchmal hat man einen Punkt erreicht, wo man sich einfach satt hat, zu viel Mist zusammen erlebt hat und nicht mehr versteht. Weil man denkt, man braucht jetzt erstmal eine Zeit ohne den anderen, weil die ganzen schmerzhaften Ereignisse erst einmal verkraften werden müssen, die einem der andere angetan hat. Doch dann kommt vielleicht doch wieder der Punkt, an dem man merkt, dass man den anderen doch vermisst, dass alles gar nicht so schlimm war, vieles falsch gelaufen ist und sich vielleicht damals falsch entschlossen hat als man „die Nähmaschine eingepackt und auf den Dachboden gestellt hat“.

Es ist nie zu spät für einen neuen Versuch.

Traut euch es noch einmal mit einem Menschen zu versuchen, auf welcher Ebene auch immer. Aber nur wenn ihr es wirklich vom Herzen wollt!

Kommentare

  1. Judita

    oh, ja, das kommt mir nur zu bekannt vor

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