Ich befinde mich im mittleren Südwesten Brasiliens, in einem der größten Binnenland-Feuchtgebiete der Erde. Das Naturparadies Pantanal ist ein Sumpfgebiet, das seit 2000 zum UNESCO Welterbe zählt und sowohl extrem artenreich, als auch nur wenig erschlossen ist. Das perfekte Reiseziel für Naturliebhaber und Abenteurer. Ökotourismus wird im Pantanal nicht nur auf die Marketingfahnen geschrieben, sondern tatsächlich gelebt.

Naturparadies Pantanal

Naturparadies Pantanal – Die Pioniere des Ökotourismus

Die Pioniere für nachhaltigen Urlaub in dieser Region sind Andre und Akhila von der Araras Eco Lodge in Poconé. Direkt an der Transpantaneira liegt ihre 22.000 Hektar große Farm. Hier haben sie ein wahres Paradies für Menschen und Tiere jeglicher Art. Die beiden Eigentümer sind ausgesprochen warmherzige Gastgeber und inspirierende Charaktere. Sie engagieren sich auf vielen Ebenen und berücksichtigen in ihrer Anlage alle Aspekte der Nachhaltigkeit. Die Touristen werden in das Projekt mit einbezogen und bekommen einen Einblick in die brasilianische Kultur, Tradition und Umwelt. Bei einem leckeren Mittagessen mit reichlich frischem Obst und Gemüse, bekomme ich einen ersten Einblick in ihre Arbeit und kann es kaum abwarten in den nächsten Tagen alles zu entdecken.

Naturparadies Pantanal

Aber jetzt heißt es erst mal: Siesta! Zwischen 12 und 15 Uhr ist es hier fast zu heiß zum Atmen und so tun die Menschen es den Tieren gleich und harren bis zum Nachmittag im Schatten aus. Zwar treibt mich meine Neugier zunächst auf eine kleine Entdeckungstour durch die Anlage, dann kann mich der Anblick der Hängematte vor meiner Tür aber doch von einer Pause überzeugen.

Naturparadies Pantanal

Naturparadies Pantanal – Die umweltfreundliche Eco Lodge

Pünktlich um 15 Uhr läutet die Glocke zum gemeinschaftlichen Erfrischungsdrink und dann erkunden wir erfrischt und erholt die Umgebungserkundung. Akhila erklärt, wie die Ecolodge aufgebaut ist und funktioniert. Unter anderem zeigt sie das aufwändige Wasserfiltersystem und die Mülltrennung sowie das Recycling System. Die staatliche Umweltaufsicht überwacht alles was in dieser empfindlichen Region errichtet wird. Obwohl Andre der Meinung ist, dass sich das Pantanal ganz gut alleine gegen schlechte äußere Einflüsse verteidigen kann. Durch die teils massiven Regenfälle zwischen Oktober und April werden unnachsichtige Eindringlinge auf ganz natürliche Art und Weise in die Flucht geschlagen. Dieses Fluten und Trockenlegen der Region ist auch das Geheimnis der beeindruckenden Artenvielfalt, von der ich mich nun auch selbst überzeugen kann.

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Naturparadies Pantanal – der Dschungel

Unmittelbar hinter der Lodge führt ein kleiner Holzsteg hinein in den sumpfigen Dschungel. Im April, kurz nach Ende der Regenzeit, steht das Wasser in der Region besonders hoch. Die beste Zeit, um die Region in ihrer vollen Vielfalt und Pracht zu erleben. Die Luft steigt dampfend heiß nach oben und die zahlreichen Vogelarten sorgen für den passenden Soundtrack zur Wanderung. Unser Guide Toni lebt seit 25 Jahren im Pantanal und arbeitet seit 7 Jahren als Touristenführer. Mit seiner witzigen Art erklärt er die Flora und Fauna so, dass man vor lauter Spaß überhaupt nicht bemerkt, wie viel man dabei lernt.

Naturparadies Pantanal

Am Ende des Stegs angekommen befindet sich ein 20 Meter hoher Aussichtsturm. Zunächst bin ich ein bisschen skeptisch gegenüber der Holzkonstruktion, oben angekommen hat sich die Überwindung aber allemal gelohnt. Hoch über den Baumwipfeln reicht der Blick weit über das saftig grüne Sumpfgebiet. Die langsam untergehende Sonne taucht die Natur in ein warmes, goldenes Licht. Beeindruckend große Vögel genießen in den Baumkronen um uns herum denselben majestätischen Ausblick über ihre Heimat. Die kleineren Vögel toben wild zwitschernd vor unseren Nasen, wie kleine Kinder, deren Eltern sie aufgefordert haben, nun endlich ins Bett zu gehen. Schemenhaft kann ich von hier oben die Kaymane erkennen, die langsam und mit selbstbewusster Sicherheit ihre geraden Bahnen durch die Wasserflächen ziehen. Ich kann mein Glück kaum fassen, hier in dieser überwältigenden Kulisse stehen zu dürfen, mitten in der Natur.

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Naturparadies Pantanal – Die Umwelt bedankt sich

Bevor die Sonne gänzlich hinterm Horizont verschwindet, begeben wir uns zurück zur Lodge. Mit kühlen Getränken machen wir es uns vor einem Feigenbaum gemütlich. Andre hat uns ein Naturschauspiel der Extraklasse versprochen und wir werden nicht enttäuscht.

Mit dem Einbruch der Dunkelheit versammeln sich Abend für Abend hunderte Vögel am Ufer des überschwemmten Gebietes. In Scharen steuern die Tiere den großen Feigenbaum an, den Andre hier vor 20 Jahren gepflanzt hat. Damals hat er sich nichts dabei gedacht erzählt er. Er wollte lediglich einen guten Beitrag leisten und einen Baum pflanzen. Aber das ist Ökologie, das ist die Natur und Karma. Tu etwas Gutes und du bekommst Gutes zurück. Jetzt spielt sich seit 4 Jahren jeden Abend dieses beeindruckende Naturschauspiel vor seiner Haustür ab. Die Vögel fliegen aufgeregt und mit lautem Getöse zu ihrem nächtlichen Zufluchtsort, die Kaymane ziehen stur ihre Bahnen und ich trinke zufrieden meinen Aperol Spritz. Ich fühle mich geehrt, eine solche Pracht an Tieren in freier Wildbahn sehen zu können. Das hier ist kein Zoo. Die Menschheit braucht keine Zoos.

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Sundowner mitten in der Natur

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Naturparadies Pantanal – Alles richtig gemacht

Die vielen Eindrücke und die Hitze haben mich geschafft, trotzdem könnte ich glücklicher nicht sein. In meinem Zimmer surrt der Ventilator, draußen erwachen die Tiere der Nacht. Ihr Stimmenwirrwarr begleitet mich in den Schlaf und zaubert mir ein letztes Mal an diesem Tag ein seliges Lächeln ins Gesicht. Ich träume von den Abenteuern, die mich noch in Brasilien, in dieser einzigartigen Landschaft erwarten werden. Aber davon berichte ich ein andermal.

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Der Beginn der Transpantaneira

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Entspannen fällt hier nicht schwer

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Aber auf die Kaymane sollte man doch ein wenig achten

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Das Wildlife beginnt im Vorgarten …

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… und geht direkt hinter der Lodge weiter

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Ein guter Guide ist Gold wert

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Glasklares Wasser und intakte Natur

Naturparadies PantanalWo es der Natur gut geht, kann es dem Menschen nicht schlecht gehen

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Danke an Embratur für die Einladung.


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