Image Image Image Image Image Image Image Image Image Image

Lilies Diary | 24. Juni 2017

Scroll to top

Top

2 Kommentare

Nicht der Berg ist es, den man bezwingt, sondern das eigene Ich

Christine
Christine, was sehen wir auf deinem Foto des Tages?

Ich sitze auf dem Schlern und zu meinen Füßen liegt das wunderschöne Schlernhaus. Diese Aussicht habe ich mir auch wirklich verdient. Ich glaube, es war das erste Mal, dass ich wirklich einen Gipfel erklommen habe. Von ganz unten bis oben. Ohne Hilfsmittel wie Bus oder Bahn.

Schlern-Christine-Neder

Von unserer Ferienwohnung in Völs am Schlern sind wir früh um 8 Uhr Richtung Völser Weiher aufgebrochen und dann die Wegnummer 1 bis zum Schlernhaus hinauf gewandert. Bis ganz oben zum Gipfelkreuz hat es knappe 5 Stunden gedauert und auch wenn ich ein wirklich sehr ehrgeiziger Mensch bin, die letzte Stunde hatte ich wirklich keine Lust mehr und habe mit dem Gedanken gespielt, einfach aufzugeben und nicht bis ganz oben zu laufen. Doch irgendwie war der Wille doch größer und ich bin immer wieder überrascht, was mir die Berge beibringen und wie gut mir das Wandern tut. Mein Leben ist schnell und geballt von Eindrücken und manchmal vergesse ich, wie gut es dann tut, mal alles sacken zu lassen oder wie ich gerne sage – sich auszugehen. Das heißt so lange laufen, bis man mal an alles gedacht hat, wozu sonst keine Zeit ist. Die Wanderung zum Schlernhaus war wirklich besonders, ein Genuss für die Augen und Balsam für die Seele!

Christine-Neder-Schlern-Südtirol

Was hast du heute gelernt?

Ich merke immer wieder, dass mir manchmal ein bisschen Routine fehlt. Ich habe mich langsam damit abgefunden, dass ich es mit meinem Lebensstil und meinem Beruf nie schaffen werde, einmal die Woche eine Sportart auszuüben oder mich jeden Sonntag mit Freunden zum Tatort schauen zu verabreden. Aber eine kleine Routine habe ich im Leben gefunden. Ich fahre jedes Jahr eine Woche mit meinen Eltern in den Urlaub und zeige ihnen ein bisschen meine Welt. Letztes Jahr ging es auf meine Lieblingsinsel Juist und dieses Jahr sind wir in Südtirol. Wir waren am Völser Weiher, sind durch Bozen flaniert, haben jeden Morgen den wunderschönen Blick ins Tal genossen und ich habe ihnen meinen Lieblingsplatz gezeigt, an den ich immer und immer wieder zurückkehre: die Hotellobby des Miramonti Hotels in Hafling. Auf diesem Sofa in der Lobby zu sitzen und diese Aussicht zu haben, das vergisst man so schnell nicht.

Miramonti

Ich habe gemerkt, wie schön es ist, anderen meine Lieblingsorte zu zeigen, wie letztes Jahr meinen Freundinnen. Mit ihnen war ich auch in Meran und wir haben so tolle Sachen erlebt. Mehr dazu im Post „Meran Sehenswürdigkeiten – meine 7 Highlights in der Region“. Und gelernt habe ich, dass man sich immer in dem Rahmen, den man hat, seine Wünsche erfüllen kann, wie meine kleine feine Eltern-Urlaub-Routine.

Welche drei Sachen haben dich heute glücklich gemacht?

Ich kann mich nicht daran erinnern, dass wir früher, als ich ein Kind war, Ferien auf den Bauernhof gemacht haben. Umso mehr macht es mir jetzt Freude, das alles zu entdecken. Denn ein bisschen Kind steckt ja immer noch in jedem. Morgens weckt mich ein leichtes Wiehern vom Hauspferd Otto, fast alle Produkte zum Frühstück kommen vom Hof und man ist endlich mal wieder nah dran an der Natur und den Tieren. Es scheint mir so, dass die meisten mit „Kühen“ und „Hühnern“ nur in Kontakt treten, wenn sie auf ihren Tellern liegen. In Südtirol gibt es eine wunderbare Initiative. Sie nennt sich „Bauernhof spüren“. Der Bauernbund soll dem Besucher die Qualitätsprodukte von der Region näher bringen, das bäuerliche Handwerk und auch das Leben. Ich habe unsere Ferienwohnung, den wunderschönen Funatscherhof auf der Internetseite www.roterhahn.it gefunden.

Ich liebe es hier. Ich stehe jeden Morgen auf und habe einen Panoramablick ins Tal. Thomas und Paula geben sich so viel Mühe mit ihren Gästen und erzählen sehr viel über den Hof und das Leben mit der Landwirtschaft und – die regionalen Produkte sind der Hammer. Das kann man sich fast gar nicht mehr vorstellen. Da steht ein Produkt auf dem Frühstückstisch und das kommt nur aus 50 Metern Entfernung.

Meinen absoluten Glücksmoment hatte ich, als ich auf der Wiese über unserer Ferienwohnung gesehen habe, wie abends nach dem Melken die Tür vom Stall aufging und die Kuhherde auf die Weide gerannt ist. Glückliche Kühe. Es gibt sie noch. Leider viel zu selten. Doch wenn ich sie sehe, dann schießen mir Freudentränen in die Augen. Diese Freude, die Bocksprünge im Gras, das gegenseitige Necken. Wenn man das gesehen hat, dann kann man nicht mehr behaupten, dass Kühe kein Glück spüren können.

Nach der Wanderung zum Schlernhaus ging es nach 5 Stunden hoch natürlich auch wieder 3 Stunden runter. Kurz vor dem Ziel bin ich aus dem Wald gelaufen und über eine saftig grüne Wiese. In diesem Moment hat es leicht geregnet, aber trotzdem hat die Sonne geschienen. Es war wunderschön, den ersten Sommerregen auf der Haut zu spüren und über die Wiese zu laufen. Am liebsten hätte ich mich auf den Rücken ins Gras gelegt, um den Regen überall zu spüren. Ich hatte aber wirklich Bedenken, dass ich es nach der Wanderung dann nie wieder schaffe aufzustehen …

Noch zwei magische Momente, die ich in der Natur hatte. Wahrscheinlich haltet ihr mich gleich für eine esoterische Spinnerin, aber ich habe es wirklich gefühlt. Es gab auf dem Wanderweg eine Stelle in der Schlucht, die war so besonders. Ich stand dort für 5 Minuten, habe den Wind gespürt, den Geruch von Kiefern in der Nase gehabt und das Gefühl, dass alles immer gut wird. Ich glaube, solch einen Ort nennt man Kraftplatz. Ich hatte dort in der Schlucht mit dem Wind in den Haaren ein ganz besonderes Gefühl der Geborgenheit. Das Gefühl, das meine Batterien innerhalb von 5 Minuten aufgeladen werden und danach hatte ich schrecklich gute Laune. Ich weiß, dass hört sich irre an, aber vielleicht kennt ihr so einen Moment? Oder habt Ähnliches erlebt? Oder ich spinne wirklich?

Und auch wunderschön war der eine Abend, als wir von der Pizzeria in Völs am Schlern zu unserer Ferienwohnung zurückgelaufen sind. Es war schon stockfinstere Nacht, doch der Vollmond hat das Tal erleuchtet und unter ihm habe ich die Silhouette des Schlernrückens so klar und deutlich gesehen. Das ist so ein Moment, den ich einfach nie mit der Kamera einfangen kann. Ich möchte es euch aber trotzdem schreiben, weil vielleicht seid ihr ja auch mal in den Bergen, es ist eine sternenklare Nacht, der Vollmond scheint und dann dreht ihr euch zu den großen Riesen und seht, wie ihre Silhouetten strahlen.

Ab nächste Woche Mittwoch kommt jeden Tag ein Video aus Südtirol auf meinem YouTube-Kanal online. Wenn ihr mir noch nicht folgt, könnt ihr mich HIER KOSTENLOS AUF YOUTUBE ABONNIEREN!

Kommentare

  1. Ann-Kristin

    Liebe Christine
    Ich hatte dieses „Kraftplatz-Gefühl“ auch schon. Bei mir war das in Neuseeland in der Gegend um Wanaka.
    Ich hab mich so sicher und zuhause und angekommen gefühlt. Ich hatte es damals meine „Seelenlandschaft“
    genannt. Also wenn, dann spinnen wir beide oder es gibt eben einfach solche besonderen Kraftplätze.
    Gute Reise
    Ann-Kristin

    • Christine

      Zusammen spinnt es sich besser :D

Kommentar abgeben

Pinterest