Bestimmt musstet ihr eurer Mutti schon einmal berichten, dass ihr eine 6 in der Schule hattet und vielleicht auch, dass ihr durchfallt? Oder das  ihr das Rauchen angefangen habt? Oder das ihr schwanger seid?

Christine Neder

Eine 6 hatte ich schon. Öfters. Man drohte mir mit Reitverbot. Ein blauer Brief kam auch nach Hause aber ich habe gerade noch die Kurve bekommen. Dass ich ab und zu eine rauche, habe ich meiner Mutti im Alter vom 24 gebeichtet, auf einem Rasthof zwischen Freiburg und Karlsruhe, als wir gerade durch das Drehkreuz der Sanifair-Anlage gelaufen sind. Schwanger bin ich nicht und habe ich auch nicht vor. Trotzdem kann man ja einmal rumspinnen, wie man es Mutti sagen würde. Es war ja auch erste Weihnachten, das Fest der Liebe und der Schwangerschaftsverkündungen, an dem ganz viele Familien gesagt bekommen haben, dass es Zuwachs gibt. Dabei lassen sich die werdenden Eltern allerhand einfallen. Ganz schön fande ich die Geschichte einer Freundin. An Weihnachten, zur Bescherung, hat jeder einen weißen Umschlag bekommen. Nein, es war KEIN Ultraschallbild drin, sondern eine Karte, auf der der jeweilige neue Namen stand. Opa, Oma, Tante ect. Erst hat keiner etwas gecheckt, doch dann war die Freunde groß. Das ganze wurde heimlich mit der Kamera aufgenommen, so dass man es sich noch 10 Jahre später anschauen kann, wie man auf dem Schlauch stand. Ihr fragt euch sicher, warum ich mir über solche komischen Sachen Gedanken mache, wo ich doch noch einmal versichern möchte, dass ich NICHT schwanger bin oder werde. Ich hatte ein traumatisches Erlebnis. Letzte Woche, am Ringcenter. Ich stand unter einem Vordach des Einkaufscenters und habe gewartet, bis der Platzregen etwas nachließ, um nach Hause zu laufen, als ich zufällig das Gespräch zweier Menschen belauscht habe. Eine ca. 45-jährige Frau, korpulent mit Dauerwelle, stand mit ihrer Tochter, ca. 16 und mit viel „Schmuck“ im Gesicht, pechschwarzem Haar und einen ebenfalls gebärfreudigem Becken neben mir.

Mutter: Ein scheiß Wetter, wa?

Tochter: Ja, scheiße wie alles.

Mutter: Wasn los?

Tochter: Hab ne 6 in Mathe bekommen.

Mutter: Und jetzt?

Tochter: Bin ich durchgefallen.

Mutter: Na sauber. Da darf ich dich ja noch ein Jahr durchfüttern. Auf den Schock muss ich erst einmal eine rauchen. Hast du Kippen?

Tochter: Neee

Mutter: Wa? Du hast doch immer welche dabei. Muss ich auch noch meine eigenen nehmen. (kramt ihre Schachtel raus) Willst du auch eine? Verdient hast du es ja eigentlich nicht.

Tochter: Ne danke. Ich darf nicht rauchen. Schwanger bin ich auch.

Mutter: Oh ne, dann muss ich ja noch jemanden durchfüttern.

Der Regen ließ nach und ich bin davon gegangen. Das war mit zu viel scripted reality im echtem Leben. Zum Glück bin ich nicht mehr in der Schule und höre auch das Rauchen auf. Da kann ich diesen Weg, meiner Mutti zu sagen, dass ich schwanger bin schon einmal ausschließen.

15 Kommentare

  1. Haha, köstlich! Aber auch irgendwie krass die Unterhaltung zwischen Mutter und Tochter. Wenigstens hat sie die Zigarette abgelehnt.

  2. ich finde die szene und den dialog der beiden rührend, egal wie „rotzig“ das alles klingt, mama schimpft nicht, schreit nicht, sagt ok, das bekommen wir auch noch. irgendwo hinter all dem an beschriebener clicheefassade und dem sozialdrama das die meisten hier primär zu sehen scheint, ist da eine ganze menge zuneigung

    danke c fürs aufschreiber des dialoges, ich mochte ihn.

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