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Lilies Diary | 25. Juni 2017

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6 Kommentare

Südtirol – Hier ist die Welt noch in Ordnung

Anne
  • am 6. Februar 2015

„Hier ist die Welt noch in Ordnung“… „Ob die Menschen hier glücklich sind?“… „Wie kann man hier nur leben?“ – Das sind nicht nur Dinge, die die Welt bewegen, sondern auch Dinge, die das Lilies Diary Team im Auto auf dem Weg zu einer beschaulichen Hütte in den Höhen Südtirols bewegten.

Drei Tage verbrachten wir bei der wohl liebsten und offensten Familie, die ich seit langem kennengelernt habe. Zwei Menschen, die sich gesucht und gefunden haben, die aus der gleichen Gegend kommen, nur ein Dorf voneinander entfernt aufgewachsen sind und die ein Leben führen, das anders zu meinem nicht sein könnte. Ein Leben voller Behagen, Gemütlichkeit, voller Lust am Selbstmachen – ja, hier ist die Welt noch in Ordnung. Aber was bedeutet das eigentlich?

Meran Berge

Immer wenn ich nach Südtirol reise, bin ich von den Menschen, ihrer Lebenslust und ihrer Ausstrahlung fasziniert. Dann frage ich mich immer, warum wir uns eigentlich Gedanken machen. Gedanken über Nichtigkeiten. Diese ständigen Zweifel bringen uns auch nicht weiter. Im Gegenteil, sie nehmen uns kostbare Zeit weg, die wir mit etwas anderem füllen können.

Wir saßen also im Auto und redeten über die Wichtigkeiten des Lebens, bis ein Satz aufkam, der mich nachdenklich gestimmt hat: „Ob die Menschen hier glücklich sind?“ – das ist sicher nicht das erste Mal, dass ich diesen Satz höre, ich habe ihn selbst auch schon gesagt, in den verschiedensten Situationen. Aber mal ehrlich, was bedeutet er denn eigentlich?

südtirol

Menschen leben anders, aber ist das zwingend besser oder schlechter?

Ich ertappe mich selbst dabei, wie ich mich häufig frage, ob ich „hier“ oder „dort“ tatsächlich leben könnte. Gleichzeitig fühle ich mich angegriffen, wenn Bekannte oder Freunde mir eröffnen, dass Sie sich kein Leben in Berlin vorstellen könnten. Wieso nicht? Ganz einfach: Weil sie ein anderes Leben schätzen als ich. Anstatt Stunden über Stunden in Straßenbahnen zu verbringen, schätzen sie es zu Hause zu bleiben oder schnell mal mit dem Auto in das Dorf nebenan zu fahren. Sie schätzen es, wenn die Lebensmittel aus dem Stall kommen und wenn das Essen auf dem Tisch eine bunte Mischung aus den Dingen ist, die die Nachbarn selbst anbauen – und wir? Wir Stadtkinder freuen uns über die neuen 24-Stunden-Öffnungen der Supermärkte, beschweren uns, dass unsere Freunde alle 10 und nicht nur 5 U-Bahnstationen von uns entfernt wohnen und sind generell eher unglücklicher unterwegs und das obwohl, so laut der Aussage, wir alles haben und Menschen wie die Südtiroler anscheinend nichts. Das auch nur, weil sie eben nicht einer Straßenbahn hinterherhetzen, die sowieso alle 5 Minuten kommt, weil sie keine 50 Einkaufshäuser in einer Straße haben und weil sie eben einfach andere Sachen schätzen, als das typische Stadtkind. Was wir haben, ist die stetige Lust danach unser Leben als ein besseres darzustellen und warum? Vielleicht ist es der Neid nach Etwas, das wir Stadtkinder nicht haben oder die schiere Unmöglichkeit das Leben anderer zu akzeptieren. Doch, als ich unsere südtiroler Gastfamilie beobachtet habe, da wurde mir bewusst, dass die beiden alles haben, was sie brauchen und vieles, was wir vielleicht manchmal einfach nicht besitzen. Sie haben die Landluft, die saftig-grünen Wiesen, die wunderbaren Panoramen auf die umliegenden Berge, ein gewisses Gemeinschaftsgefühl und, ganz subjektiv betrachtet, das wohl beste Essen der Welt.

Keine Hektik bedeutet ein langweiliges Leben?

Fährt man den Pass nach oben Richtung Hafling und die anderen Orte, die sich oberhalb von Meran befinden, dann wird eines ganz deutlich: außer Häuser, Felder und einer atemberaubenden Aussicht auf das Tal gibt es hier wenig. Und doch an einem ganz besonderen und ganz wichtigen Etwas mangelt es nicht: an Idylle und Ruhe. Zugegebenermaßen könnte ich hier oben nicht lange leben, aber müssen dennoch vorzeitige Schlüsse gezogen werden und die Abwesenheit von großen unpersönlichen Shoppingmalls, den vollen Straßen und den vielen Menschen direkt schlecht sein?

Meran Hafling Aussicht

Aber wie findet man denn hier einen Mann?“

Mal ehrlich, haben Tinder und Co. nicht unser Verhalten gegenüber dem Daten, dem Treffen mit Männern bzw. Frauen und allem was dazu gehört zerstört? Wir checken alle 2 Minuten unser Handy, stalken auf jeglichen Kanälen und sind einfach nur krank und vor allem süchtig nach einer schnellen Antwort, einem schnellen Etwas, um dann ganz schnell, ganz tief enttäuscht zu werden. Wir sitzen immernoch im Auto und fahren die engen Gassen Richtung Hafling hoch. „Mal ehrlich, wie findet man hier denn einen Mann bzw. eine Frau?“ – wahrscheinlich genau so, wie es eigentlich gedacht war: in einem Café, im Restaurant, beim Nachbarn, im Stall, auf einem Fest oder sonst wo begegnet man sich und verliebt sich. Im Gegensatz zu uns, die da direkt losstalken und jedes einzelne Bild auf Haarfarbe des Mädchens bzw. Jungens überprüfen ist man sich hier, in den Höhen von Meran einfach sicher: entweder es passt oder eben nicht und wenn nicht, dann kommt sicher eine neue Liebe.

In diesem Sinne kann ich für mich selbst feststellen, dass hier, in Südtirol, die Welt noch in Ordnung ist. Dabei soll natürlich nicht der Eindruck erweckt werden, dass die Menschen hier hinter dem Mond leben und ach so anders sind, als wir, die „großen“ Stadtkinder. Nein – es geht mir alles in allem nur darum, dass die Menschen hier in Südtirol nicht so aufgeregt, hektisch und vielleicht auch nicht so stetig depressiv sind, wie wir. Sie hetzen nicht von A nach B, sie verbringen nicht stundenlang vor dem Computer oder vor dem Smartphone, um neue Männer, Frauen oder was auch immer zu finden. Sie leben ihr Leben einfach genau so, wie ich es mir manchmal auch in Großstädten wünschen würde.

Mein Traumpaar, das übrigens auf dem Mandlerhof im südtiroler Vöran in Italien lebt, hat dieses Leben: in der Küche riecht es nach frisch gemahlenen Körnern, die gleich zu leckerem Brot verarbeitet werden, McDonald’s haben die Beiden erst vor Kurzem kennengelernt und generell wird hier die Limonade, der Frischkäse und der Joghurt selbst gemacht – das natürlich nur mit der Milch vom Nachbarn nebenan.

Ja, Südtirol, hier ist die Welt noch in Ordnung. Ich glaub davon schneide ich mir jetzt einmal eine Scheibe ab.

Kommentare

  1. Julia

    Großartig! Unser Urlaubsziel für diesen Sommer. Gibts noch weitere Tipps für Unterkünfte/Hütten, nette Orte etc?

    • Christine

      Ja gebe doch mal in der Suche Südtirol ein!

    • Hey Julia…
      Jetzt ist dein Eintrag zwar schon etwas her aber evtl. kann ich dir ja etwas helfen!
      Falls du noch auf der Suche bist heißt es!
      Ich war im letzten Winter im Seiser Alm Skigebiet und ich kann es nur weiterentfehlern!
      Tolle Pisten und Hütten da sollte eig für jeden was dabei sein!
      Gruß Ben

  2. Ich bin ein absoluter Fan der Berge! Und der Artikel ist wirklich super, die Leute und das Land sind ein Traum und daher unterstütze ich Anne voll und ganz „Hier ist die Welt noch in Ordnung“
    Habe meinen Mann in Meran kennen gelernt und jetzt lebe ich nahe der Seiseralm und ich möcht um nix in der Welt tauschen :-)

    • Christine

      Ach wie süß!

  3. Dupi

    Ich komme auch aus Berlin und sehe es ganz genauso…aber nicht nur die Landschaft, die Natur und das gute Essen locken mich immer wieder nach Südtirol…es sind die dort lebenden Menschen. Sie sind so herzlich und offen und man fühlt sich wirklich willkommen!!!
    Bin übrigens ein Fan von Brixen und Umgebung und wer zu Weihnachten dort ist, muß unbedingt den Weihnachtsmarkt besuchen. So wie wir es vielleicht noch aus Kindheitserinnerungen kennen, ohne Rummel😜

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