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Lilies Diary | 29. November 2017

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7 Kommentare

Warum scheitern glücklich machen kann

Christine

Ich hatte letzte Woche einen derjenigen Abende, an denen ich am liebsten schon um 18 Uhr ins Bett gegangen wäre. Müde, Bauchweh, dezent schlechte Laune und kein Internet, weil wir ja eigentlich umziehen wollten und schon alles gekündigt haben… Was macht man also ohne Internet und Fernsehen in einer 33 Quadratmeterwohnung? Sich auf den Sack gehen ODER einen Film schauen. Mein Freund, Paul, hat aus irgendeiner Ecke eine DVD gezaubert. „Tom Meets Zizou“. Wird bestimmt keiner von euch kennen. Ich habe auch erst skeptisch geschaut, als ich gesehen habe, dass es um Fußball geht. 10 Jahre lang hat ein Filmteam den Fußballer Thomas Broich begleitet. Von seinem Karrierestart in Burghausen bis hin zu seinem jetztigen Wohnort – Australien. Thomas Broich wurde vor 10 Jahren zusammen mit Lahm und Schweinsteiger als die Hoffnungsträger des deutschen Fussballs gesehen. Wahrscheinlich war er so gar besser als sie, hat es jedoch nicht in die Weltspitze geschafft. Wieso? Das hatte viele Gründe und es sind Gründe, die auch uns, die eigentlich gar nichts mit Fussball am Hut haben, begegnen. Falsche Erwartungen, falsches Umfeld, falsches Verhalten.

Weisheiten Paris

Ich mache etwas was ich liebe – ich schreibe und hoffe, dass ich mit dem ein oder anderen Text Emotionen wecke, zum Nachdenken anrege und Gesprächsstoff liefere. Ich bin jemand der immer nach mehr strebt, der an die Grenzen des Möglichen gehen will, ja, sie sogar anfassen möchte. Ich brauche das um zu begreifen, was möglich ist. Und für mich. Denn das schlimmste, was ich mir vorstellen könnte, wäre irgendwann etwas zu bereuen, weil ich es nicht getan habe. Mit 16 hat mich mal jemand gefragt, was ich sagen möchte, wenn ich später alt bin und auf mein Leben zurück schaue. Ich war erst 16 Jahre alt, aber die Frage hat mich sehr beschäftigt und meine Antwort weiß ich heute noch. Ich möchte auf meine Leben zurück schauen und sagen können: Ich habe mein Leben gelebt. Aber nicht irgendwie, sondern so, wie es mir gut tut. Das ist jedoch vielleicht nicht immer, wie ich es mir erträumt und gewünscht habe. Ganz einfach weil Träume eben Träume sind und die Realität dann doch ganz oft anders aussieht. Oft habe ich so viel Leidenschaft, doch kaum kommt der Druck und die Erwartungshaltung von anderen dazu, fühle ich mich gelähmt.
Oder ich habe diese Situationen in denen ich etwas wunderbares erreicht habe aber einfach nichts fühlte und es einfach nicht verstand. Warum ist man nicht der glücklichste Mensch der Welt? Vielleicht, weil man doch wieder nur eine Erwartung von jemand anderes erfüllt hat. Fremdbestimmt getan hat, was alle erwarten, was man eben so macht ohne sich selbst zu fragen, ob man es will. Das ist so oft der Fehler – einem Ideal und einem Traum hinterherrennen ohne sich Pausen und Ruhe zu gönnen um einmal drüber nachzudenken. Ob man das selber will, noch will oder es sich einfach nur gut anhört. Denn wenn was sicher ist, dann dass irren menschlich ist und das sich Wünsche und Bedürfnisse ändern.

Auf was kommt es denn jetzt an?

Man sollte im Leben jedem mit Respekt und Würde begegnen. Jedem. Und keine Angst haben. In jeglicher Hinsicht. Keine Angst haben, dass einem etwas genommen wird. Dadurch entsteht nur Neid und Missgunst. Keine Angst haben zu scheitern, denn auch scheitern hat einen Sinn und kann einen glücklicher machen, als der Erfolg.

Was auch immer schwer ist in unserer Gesellschaft, leider, anders sein. Genau das ist nämlich Thomas Broich passiert. Er ist gescheitert, weil er anders war. Weil er die Macht der Medien unterschätzt, einen besonderen Standpunkt eingenommen hat und sich nicht ändern wollte. Es ist ein wunderbarer Film von einem Mann, der seinen Traum nahe kam, doch einfach nicht in eine Struktur gepasst hat und deshalb gescheitert ist. Der Film zeigt aber auch, dass er sich selbst treu geblieben ist und seinen Weg gefunden hat. Er wohnt jetzt in Australien, spielt dort Fußball und ich erlaube mir zu vermuten, dass er dort sogar glücklicher ist als vielleicht Schweinsteiger jetzt als Weltmeister.

Im Leben geht es oft darum, sich zu entscheiden, wie viel man von sich, seiner Meinung und Persönlichkeit aufgibt um etwas zu erreichen oder jemanden zu gefallen. Viel zu oft. Ich habe schon vor drei Jahren die Entscheidung für mich getroffen. Ich will nichts aufgeben von mir. Null. Mir ist auch klar, dass ich nicht in die Struktur Arbeitswelt passe. Ich habe keine Lust in Ärsche zu kriechen, mich einer Hierachie zu unterwerfen und dabei zuzusehen, dass die, die blöd quatschen weiter kommen als die, die was drauf haben. Ich würde zu oft anecken, zu ehrlich antworten und dann doch zu wenig erreichen.
Das weiß ich aber nur, weil ich mir den Kopf frei halte und immer wieder reflektiere was ich mache und wie es mit dabei geht. Das kann ich immer besser seit ich mich davon losgelöst habe fanatisch Träumen hinterherzurennen, die mich dann doch nur halbherzig glücklich machen.

Ja, das war also einer der Abende, die man schon aufgeben wollte und dann? Dann kam ein Film um die Ecke den man für völlig dämlich gehalten hat, obwohl er einem mal wieder alles gezeigt hat, was wichtig ist im Leben.

Kommentare

  1. Vielen Dank für diesen wunderschönen, Mut machenden, mir aus Seele sprechenden Post :)

  2. Laura, ich kann es nicht schöner zusammenfassen und schreiben. Deshalb einfach nur Danke an dich, liebe Christine! :-) Bin gerade auch beruflich an einem Wendepunkt und sehe so klar vor mir, dass ich das so auch alles nicht mehr will.. Langweilt und unterfordert mich schlicht. Und mich macht es so wütend, dass einfach nur Dummschwätzer so weit nach oben gelangen bei uns in der Firma… Hach, du sprichst mir aus dem Herzen und der Seele.. <3

  3. Ein sehr schln geschriebener Artikel. Ich glaube viele von uns reflektieren im Alltag viel zu wenig. Jedes Mal wenn ich mich bewusst mit meiner Situation beschäftige treffe ich, so meine ich, die richtige Entscheidung.

  4. Hallo Christine,

    vielen Dank für diesen Beitrag. Der ist wirklich toll geworden (wie so oft)!

    Ich denke, es ist eine Mischung aus starkem Herdentrieb und fehlender Achtsamkeit sich selbst gegenüber.

    Der starke Herdentrieb sorgt schnell dafür das Träume (der Klassiker: hohe Position im Job,fettes Auto, tolle Hütte) in uns eingepflanzt werden.

    Die fehlende Achtsamkeit uns selbstgegenüber führt dann dazu, dass wir nicht merken, dass es nicht unsere eigenen Träume sind denen wir nachjagen und deshalb niemals das Potential haben uns langfristig glücklich zu machen.

    Außerdem lieben wir den bequemen Weg! Und der ist eben die Anpassung an die Masse. Auch wenn das eigentlich ein Kampf gegen uns selbst ist.

    Ich selbst habe in meinem Leben größtenteils immer den einfachen Weg genommen. Aber seit etwa einem Jahr möchte ich mich damit nicht mehr abfinden und es findet ein Umdenken statt.

    Wünsche dir einen schönen Tag und viele Grüße
    Kim

    • Christine

      Danke! Hast du super zusammengefasst!

  5. Sehr, sehr schön geschrieben- ich kann dir nur zustimmen!

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