Bloggen anfangen – heute gibt es die ganze Geschichte

„Christine, wann hast du eigentlich angefangen mit Lilies Diary und dem Bloggen?“, eine Frage, die ich sehr oft gestellt bekomme. Wie das mit dem Bloggen anfangen wirklich war, werde ich euch heute ganz ausführlich, offen und ehrlich erzählen. Auch, wenn es mir manchmal ein bisschen peinlich ist.

Bloggen-anfangen

Bloggen anfangen, ich denke, das passiert nicht von heute auf morgen, sondern man hat schon wochen- oder vielleicht jahrelang eine Leidenschaft in sich schlummern. Bisher habe ich auch die Frage immer folgendermaßen beantwortet: Ich war während meines Studiums in New York für ein Praktikum bei der Vogue. Weil ich keine Lust mehr auf Rundmails hatte, dachte ich mir, bloggen anfangen, das wäre jetzt genau der richtige Zeitpunkt. War es auch, aber das ganze hat sich schon fast 10 Jahre früher entwickelt.

Ich war 14 Jahre alt und hatte ein Idol. Ich vergötterte sie, ihr Leben, ihre Arbeit, ihre Wohnung, ihren Stil, Humor, Wortwitz und Charakter. Nur, wie so oft bei Idolen, war sie nicht real, sondern der Charakter einer TV-Sendung und wenn ich euch jetzt verrate, wen ich meine, dann wird der ein oder andere sicher ungläubig die Stirn runzeln, vielleicht auch laut loslachen, aber es wird auch viele geben, die mich sicher verstehen können. Ich war der größte Fan von Carrie Bradshaw, jener Hauptdarstellerin aus der bekannten Serie „Sex and the City.“ Jeden Dienstag habe ich mir die neuste Folge reingezogen, jede Woche wuchs der Wunsch genau so ein Leben zu führen. Nein, es müssen keine Manolo’s sein und auch nicht New York, aber mit dem Schreiben Geld verdienen, es als Lebensinhalt und seinen Beruf bezeichnen können, das war mein Traum. Auf Träume und Wünsche folgen bei mir immer Taten, denn wenn ich etwas schon mit 14 Jahren wusste – von nix, kommt nix. Ich fing an für die Jugendzeitung der Mainpost, unser Regionalblatt, zu schreiben, kaufte mir ein Tagebuch und saugte weiter jeden Dienstag die neueste Serie von Sex and the City auf. Ab der 10. Klasse wurde ich dann leider reichlich mit der Note 4 und 5 im Deutschunterricht gesegnet, so dass ich das Schreiben als Beruf abhakte. Stattdessen studierte ich Modedesign. Wie genau ich darauf gekommen bin, ist mir immer noch ein Rätsel. Es gibt keine rationale Erklärung dafür, es war eher ein Bauchgefühl. Meine Oma war Schneidermeisterin, das war sicher ein Anlass. Nähen konnte und kann ich immer noch nicht so wirklich, aber kreativ war ich und viel über die Menschen und das Leben habe ich gelernt. Ich mag auch nicht ausschließen, dass Carryies geile Klamotten einen klitzekleinen Beitrag an meiner Entscheidung hatten. Mode und Menschen interessieren mich heute noch, es war schon alles goldrichtig, aber nach zwei Jahren wurde mir immer bewusster, dass ich eigentlich schreiben möchte. Ich möchte keinen Stoff an einen Körper drapieren, sondern einen Gedanken zu einer Geschichte formen, mit Wörtern jonglieren und spielen. Nach mehreren Praktika bei Modedesignern, wechselte ich auf die Magazinseite, ging nach München und absolvierte ein Jahrespraktikum bei der deutschen Vogue. Seit ich das Modedesignstudium angefangen habe, war das mein absoluter Traum. Ich war in der Modeabteilung, durfte Shootings vorbereiten und auf Produktionen mitgehen, hatte all die wunderbaren Kleider, die ich sonst nur aus den Magazinen kannte in der Hand und trotzdem war ich nicht ganz bei der Sache, denn eigentlich wollte ich viel lieber zwei Zimmer weiter sitzen – in der Moderedaktion. Hier wurden all die tollen Texte über die neusten Kollektionen geschrieben und Interviews mit großen Designer abgetippt. Hier wurden die Gedanken zu den Geschichten verarbeitet. Nach dem Jahrespraktikum in München, ging ich anschließend für drei Wochen, während der Fashion Week, in das Korrespondenten Büro nach New York. Ich, New York und die Fashion Week. Es war grandios, abgesehen von den Bedbugs in meiner Wohnung, der kaputten Heizung und den -10 Grad draußen. Wenn ich nicht im Büro war und arbeitete, saß ich in Cafés mit meinem Laptop und schrieb, denn kurz bevor ich nach New York geflogen bin, habe ich Punkt 1 auf meiner Wunschliste in Angriff genommen. 1. Bloggen angefangen. Es war naheliegend, dass ich über die New York Fashion Week geschrieben habe, wie es ist als kleine Modedesignstudentin bei DEM Event überhaupt dabei zu sein, ein Shooting mit Doutzen Kroes zu begleiten und diese ganzen irren Partys. Aber genauso schön fand ich es, damals nur meiner Familie und meinen Freunden, zu zeigen, wo ich den tollsten Muffin gegessen habe und wie die Törtchen in der Mangnolia Bakery, in die auch Carrie immer geht, aussehen. Ja, das war meine Reise. Und eigentlich war es mehr ich, New York und die Carrie in mir, die das Schreiben endlich wieder angefangen hat. Ich gebe es zu, ich habe mich manchmal extra im Starbucks an die Fensterfront mit Blick nach draußen auf einen Hochstuhl gesetzt, um so auszusehen wie sie, als sie im Starbucks saß, weil Aiden gerade bei ihr eingezogen ist und ein Chaos in ihrer Wohnung veranstaltet hat. Dann passierte leider etwas nicht sehr Erfreuliches. Meine Oma ist gestorben. Sie wurde 104 Jahre alt. Es ging ihr schon lange nicht mehr gut und ihr Tod war, wenn man es rational betrachtet, eine Erlösung. Trotzdem war es für mich ein Schlag ins Gesicht. Warum genau jetzt, wo ich nicht da bin, fragte ich mich immer wieder. Sie war der erste nahestehende Mensch in meinem Leben, der gestorben ist und ich war ganz allein. Jeder, der mich in den Arm hätte nehmen können und annähernd das gleiche gefühlt hätte wie ich, war tausende Kilometer entfernt. Ich musste mich ziemlich schnell entscheiden, ob ich nach Hause fliege oder nicht. Ich habe mich dagegen entschieden. Ich bin in New York geblieben, stundenlang durch den Central Park gelaufen, habe geweint, nachgedacht und zum ersten Mal begriffen, was es heißt alleine zu sein und mit einem schweren Brocken auf dem Herzen allein fertig zu werden. Irgendwie habe ich das nicht hinbekommen, die Trauer für mich alleine zu verarbeiten. Ich fing an zu schreiben. Über das was ich denke und wie ich mich fühle. Und ich habe es veröffentlich. Es tat so wahnsinnig gut diese Gedanken, die sich immer und immer wieder im Kreis gedreht haben niederzuschreiben und endlich loslassen zu können. Irgendwann ließ die Trauer nach, irgendwann war auch die Zeit in New York vorbei. Doch was bis heute geblieben ist – Lilies Diary. Mit dem Bloggen anfangen war wie eine Therapie. Ich fing an über alles Mögliche aus meinem Leben zu schreiben. Mein Diplom mit dem Thema Perfektionismus, ein eigenes Modemagazin (könnt ihr HIER anschauen), begleitete ich auch auf meinem Blog. Das Diplom war so eine aufregende Zeit mit Druck und Zweifel und danach kam so eine große Veränderung im Leben. Plötzlich war ich in der Realität angekommen, die Schwimmflügel wurden mir abgenommen und ich musste selber anfangen mich über Wasser zu halten. Schreibstoff gab es genug in dieser Zeit. Danach machte ich ein weitere Praktika bei der Elle, der Sleek, dem Zeitmagazin. Diesmal in der Moderedaktion und dann startete mein Projekt „90 Nächte, 90 Betten“. Das war der Auslöser auch meine zweite Leidenschaft in Angriff zu nehmen, das Reisen. Und so entwickelte sich das eine zum anderen und wenn ich daraus irgendein Fazit ziehen kann dann, dass man nie aufhören darf seine Träume zu leben und Idole manchmal das Benzin für den Motor sind. Wo Leidenschaft ist, ist auch immer ein Weg. Vor drei Jahren hatte ich noch nie eine Videokamera in der Hand. Jetzt produziere ich eigene Videos. Damals wusste ich noch nicht, dass Bloggen anfangen mein Leben verändern wird. Damals wusste ich nur, dass ich Carrie Bradshaw eine verdammt geile Socke finde und gerne ihr Leben hätte. Der Plan ging auf. Ich kann zwar nicht wie Carrie von einer Kolumne in der Woche leben, aber dafür sehe ich die Welt. Zum Schluss meiner Geschichte über das Bloggen anfangen, möchte ich noch an ein paar Worte an meine Krankenkasse richten. Es wäre toll, wenn ihr mir den Betrag, den ihr gespart habt, dadurch dass ich jeden Tag schreibe und nicht zum Psychologen gehe, in bar als Scheck ausstellen würdet. Dann könnte ich mir auch endlich ein paar Manolo’s kaufen. ;)

35 Kommentare

  1. Hallo Lily,

    Also ich finde ja, dass Du Deinem Idol doch ganz schön nahe gekommen bist. Carry Badshaw aus Sex and the City könnte auch Modedesingerin sein. Ich finde das würde ebenso gut passen und der Lifestyle kommt auch eher von einer Weltsicht, die eben eine ganz entzückende ist. Und die hast Du ja auch, wenn man sich so mit deinen Texten beschäftigt :) Viele Grüße, Benjamin

  2. Oh wow!!! Ich hatte das mit den schlechten Noten im Deutschunterricht auch! Und jetzt schreibe ich jeden Tag und werde dafür bezahlt. Schön zu lesen, dass es jemandem ähnlich erging :)

  3. Cool, danke für den Einblick. Interessant, ehrlich und traurig. :) Erinnert mich ein wenig an meine Geschichte. Schreiben als Therapie – das kenne ich allzu gut! Und es war/ist wirklich befreiend geil!

    PS: Weiter so, Christine. Jetzt bist DU das Vorbild vieler Menschen. Finde ich gut von dir und beindruckend, dass du diesen doch sehr konkreten Traum schon so früh hattest. Alles Gute weiterhin. Rock it!

    Danke und LG

    PPS: Sag Bescheid, wenn sich KK meldet, oki? Und berichte dann ;)

    Vali

  4. Cool, ich habe mich die ganze Zeit schon gefragt, wie du zum Bloggen gekommen bist. Und ich erkenne einige Parallelen wieder, die mir jetzt doch noch etwas Hoffnung für die Zukunft geben ;)

  5. Hach, ich verfolge deinen Blog auch schon von Anfang an mit und bin jedes Mal wahnsinnig begeistert, wie du dich entwickelt hast. Hut ab, du bist mein großes Vorbild.

    LG
    Melanie

  6. Wow, ich habe ein Gänsehaut und Tränen in den Augen. Denn ich bin ganz genau SO ein Träumer…..Nur: Ich habe immer noch nicht angefangen diesen Traum zu leben – im Gegensatz zu dir! Ich verstecke mich in meinem Angsthasen-Kostüm, mache einen Job , der mich nicht glücklich macht, rede mir selbst ein es nicht zu können und bewundere/beneide Menschen wie dich!
    DU bist (mittlerweile vor Carrie) mein Idol – denn du lebst (ganz real) meinen oder unseren Traum! Nur das dein Lebenslauf bis jetzt schon echt spektakulär ist. Mach weiter so!!! Gruß Michi

  7. Liebe Christine,
    absolut beeindruckende Geschichte, die unter die Haut geht, so herzerfrischend ehrlich. Und mal wieder ganz super geschrieben! Es ist nicht nur toll, was du aus dir und deinem Leben gemacht hast, sondern auch die Qualität deiner Texte und Beiträge. Hach ja, ich glaube, ich wiederhole mich da ständig … aber nur zu gern. :)
    Ganz liebe Grüße aus deinem alten Modedesign-Bielefeld :D

  8. So hat also die kleine Christine mit dem Bloggen angefangen. Es doch wirklich immer wieder spannend warum man damals die Intention hatte und ja bei mir war das auch Teil einer Therapie, nämlich die Angst vorm Schreiben zu besiegen.

  9. Carry Badshaw ist natürlich eine Parodie – so wie ich gehört habe, gilt sie nur außerhalb von NYC als „cool“, weil man z.B. hierzulande nicht verstanden hat, dass sie eigentlich als peinlich-sympathische Möchtegern-Großstadtfrau konzipiert ist, die versucht, ein Klischee zu leben. Umso interessanter und schöner, dass sie als fiktive Person/Parodie auch Motivation sein kann, etwas ganz Eigenes zu machen, seine authentischen individuellen Leidenschaften zu entdecken und zu entwickeln. Also in dem Versuch, ein Idol zu kopieren, etwas ganz Einzigartges zu schaffen. Gut finde ich auch, dass Du Dich durch schlechte Schulnoten etc. nicht entmutigen lassen hast.
    Und ja, super Foto!
    Liebe Grüße :-) Maike

  10. Hm, ist das nicht etwas zu offen für die Öffentlichkeit? Ich finde: ja, es ist zu offen, zu intim. Teile aus dem Beitrag geht niemanden Fremden etwas an.
    [Braucht nicht freigegeben werden, ist eine »persönliche« Nachricht/Tipp an die Autorin]

    1. Doch, gebe ich gerne an. Und schalte ich auch öffentlich. Ich denke jeder zieht die Grenzen seiner Offenheit selbst und anders. Was du liest ist die Wahrheit, die verletzt mich in keiner Hinsicht oder schadet mir. Im Gegenteil, es ist so schön Mails und Feedback zu bekommen von Menschen, die mich in der Offenheit bestätigen und die ihnen irgendwie geholfen hat und dafür hat es sich gelohnt.

  11. Danke für deinen Einblick, ich mag deinen Blog!
    Ich finde es immer wieder schön, wenn Leute auch über persönliche Dinge schreiben,
    das macht so irrsinnig sympathisch :)

    Ganz liebe Grüße!

    1. Dankeschön! Ich finde es auch völlig in Ordnung über persönliches zu schreiben, finde es aber immer wieder interessant, dass man dafür „verurteilt“ wird,

  12. Vielen Dank für diesen schönen Beitrag! Ich dachte immer, ich wäre alleine – ich hab LRS und war auch im Unterricht immer schlecht, jedoch hat mich das nie abgehalten zu schreiben. Zum Glück, denn es war das Beste, was mir passieren konnte :)

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