Ich hätte nicht so viel Lambrusco gestern Abend trinken sollen, dachte ich mir, als ich in der Umkleide des Fitnessstudios der Ferrari Driver Academy in Maranello, in Italien stand. Dort trainiert die Ferrari Driver Academy. Die Ferrari Driver Academy liegt in Maranello und ist nur wenige Kilometer von der Stadt Modena, in der Emilia Romagna entfernt. Mein Magen rumorte vor sich hin, während ich meine neue Trainingsbekleidung anzog, die ich gerade eben erst von dem Formel 3 Fahrer Antonio Fuoco überreicht bekommen habe. Wem der Name Antonio Fuoco nichts sagt: Antonio ist einer der Nachwuchstalente der Ferrari Driver Academy und startete 2014 für das Prema Powerteam in der europäischen Formel 3 Meisterschaft und belegte den fünften Platz.

Was aber habe ich damit zu tun? Keine Sorge! Ich plane keine Karriere als Motorsportprofi. Nein, vielmehr habe ich die einmalige Gelegenheit bekommen, Antonio Fuoco während seiner Vorbereitung für sein letztes Rennen in dieser Saison am Hockenheimring zu begleiten. Und natürlich gehört zur Vorbereitung eines Profi- Motorsportlers ein ausgedehntes und anstrengendes Fitnessprogramm, welches mich ordentlich zum Schwitzen brachte. Motorsport bedeutet eben doch vielmehr als bloß ein paar Runden auf einer Rennstrecke zu fahren, wie ich anfangs naiv dachte. Motorsport ist ein eigener Kosmos, eine große Familie, die aus vielen einzelnen Akteuren und Mitgliedern besteht: Ingenieure, Fitnesstrainer, Mechaniker, Psychologen. Und im Mittelpunkt der Fahrer, der das Bindeglied zwischen allen Mitgliedern, also der Familie ist. Mittlerweile hat sich mein Magen beruhigt. Glücklicherweise, denn jetzt gibt es erst mal Essen in der Mensa von Ferrari, bevor der Formel 1 Rennsimulator auf dem Programm steht. Fotos sind dort absolut tabu. Sorry! Ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Und wir sind schon mittendrin im Geschehen. Antonio dreht gelassen im Simulator seine Runden, als wäre es das Normalste der Welt mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 250 km/h über eine Rennstrecke zu fahren. Bereits beim Zuschauen wird mir schwindlig. Mein Magen signalisiert, dass er eigentlich nicht bereit ist für eine ausgedehnte Rennfahrt im Simulator. „Jetzt bist Du dran. Manchen Leuten wird beim Fahren sehr schnell schlecht.“, sagt Francesco Pon, der zuständige Ingenieur gelassen zu mir. Ohne großes Nachdenken, habe ich schon im Simulator, also in einem Formel 1 Wagen, der auf einer Plattform montiert ist, Platz genommen. Auf der riesigen Leinwand, die mit Hilfe von drei Beamern bestrahlt wird, erscheint in gelben Buchstaben auf blauem Hintergrund das Wort „Hockenheimring“. Wenige Sekunden später befinde ich mich schon auf der Rennstrecke und drehe mehr schlecht als recht meine Runden. Einmal habe ich zu spät gebremst und bin über die Strecke hinausgeschossen. Gott sei Dank nur eine Simulation, sonst wäre jetzt wahrscheinlich das Auto ein Totalschaden und ich im besten Fall im Himmel. Anstelle dessen hat es mich ordentlich im Simulator geschüttelt. Nach zehn Runden ist Schluss für mich. Ich habe keine Kraft mehr in den Händen und beende an dieser Stelle meine Rennfahrerkarriere. Antonio dreht noch Mal entspannt seine zwanzig Runden, bevor es weiter zum entspannten Teil des Tages geht: Das Ferrari Museum in Maranello. Bereits auf dem Weg dorthin, rasen mehrere Ferraris an mir vorbei. Himmlischer Lärm und betörender Klang von sechs bis ich weiß nicht wie viel Zylindern. Wahnsinn! Auch für einen eigentlichen Motorsport Muffel wie mich ist das ein beeindruckendes Erlebnis. Testfahrten kann man jederzeit machen. Das mache ich das nächste Mal. Im Museum dreht es sich vor allem um die ruhmreichen 1960er Jahren Ferraris in den USA. Und ich habe mich verliebt. Zum Beispiel in den berühmt, berüchtigten Ferrari, den Regisseur Steve McQueen in seinem Film „Le Mans“ in Szene setzte. Die Zeit vergeht genauso schnell wie auf der Rennstrecke und ein Tag ist vergangen. Auf dem Gelände der Ferrari Driver Academy befindet sich ein sogenannter „Mind room“, der dazu dient die Konzentrationsleistung der Fahrer zu optimieren. Die Session dauert etwa eineinhalb Stunden und beinhaltet mehrere Übungen. Meine Lieblingsübung war folgende: Man sitzt etwa 2 Meter von einem Fernseher entfernt, trägt eine 3D Brille und muss vier von zehn hin und herfliegenden Bällen folgen, die durchnummeriert sind. Ähnlich wie beim Hütchenspiel werden die Bälle durcheinander gemischt. Gar nicht so leicht, vor allem, weil die Geschwindigkeit der Bälle – zumindest für meine Augen – meistens zu schnell waren. Ich war stolz, wenn ich drei Bälle richtig hatte. Antonio ärgerte sich bereits, wenn er von zwanzig Versuchen einmal daneben lag. So langsam bekam ich Kopfschmerzen von den ganzen Konzentrationsübungen und war froh, dass es jetzt weiter in das Museum von Enzo Ferrari in Modena ging. Dort gibt es auf 5000 Quadratmeter noch mehr schnelle und charmante Autos. Unter anderem auch einige Modelle von Maserati, die bekanntlich auch aus der Emilia Romagna (Bologna) kommen. Und das originalgetreue Arbeitszimmer von Enzo Ferrari.

„Bitte schnallen Sie sich an, wir befinden uns bereits im Landeanflug auf Frankfurt am Main“, tönt es durch die Lautsprecher im Flugzeug. Nach einem angenehmen eineinhalb Stunden Flug von Bologna nach Frankfurt bin ich jetzt im Zug auf dem Weg nach Hockenheim, wo es sich das Wochenende nur um Motorsport drehen wird: Formel 3 Championship, das letzte Rennen. Und ich dicht an der Seite von Antonio Fuoco. Während man im Fernsehen meistens nur schnelle Autos vorbeirauschen sehen kann, hin und wieder einen Einblick in die Box und im Nachhinein eine ausführliche Berichterstattung geliefert bekommt, ist natürlich das Live Erlebnis komplett anders. Die Ingenieure sitzen an ihren Laptops, um den Formel 3 Wagen mit der Strecke abzustimmen. Die Mechaniker schrauben und schrauben und schrauben. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht wirklich, was die Mechaniker alles an dem Auto vor dem Rennen konfigurieren. Aber es wirkt so, als würden sie das Auto komplett neu „aufbauen“. Wenn dann alles fertig ist, geht es auf die Rennstrecke. Die Mechaniker und Ingenieure sind mit Headsets und Kopfhörern ausgerüstet, um mit Antonio und allen anderen Mitgliedern des Teams zu kommunizieren. Die Kopfhörer haben außerdem den positiven Nebeneffekt, dass die Motorengeräusche der Autos nicht so laut sind. Denn ein fahrendes Formel 3 Auto hört sich ungefähr so an, wie wenn ein mittelgroßes Passagierflugzeug neben deinem Ohr startet. Doch nach einigen Stunden gewöhnt man sich an den „Lärm“ und freut sich darüber, wenn die Rennautos an einem vorbeirasen.

Vor allem aber habe ich eines in den letzten Tagen immer wieder gedacht und von Antonio gelernt: Motorsport ist alles andere, als sich in ein Auto sitzen und ein paar Runden drehen. Und alles andere als ein doofer Sport, wie ich das oft dachte. Antonio hat mir vorgelebt, dass es sehr viel Disziplin bedarf, um in diesem Sport erfolgreich zu sein: Nahezu jeden Tag ein straffes Fitnessprogramm, Streckenpläne auswendig lernen, früh schlafen gehen, Konzentrationsübungen, Stresstests, keine Angst haben und absolute Selbstkontrolle. Und ständig dem Druck ausgesetzt zu sein, gewinnen zu müssen. Schließlich ist Antonio Nachwuchstalent für die Ferrari Driver Academy. Und Autogrammkarten schreibt man nebenbei. Profisport ist eben kein Zuckerschlecken. Im gleichen Augenblick rast Antonio in seinem Formel 3 Wagen über die Ziellinie und reißt mich aus meinen Gedanken. Beim Anblick wird mir schon wieder ein wenig mulmig im Magen. Ich weiß schon, wieso ich kein Rennfahrer geworden bin.

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Meine letzte Runde im Simulator. Steht mir doch eigentlich ganz gut?

Mindroom 1

Im Mindroom – Konzentration ist angesagt!

Mindroom 2

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Hall of Victory im Ferrari Museum in Maranello

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Ich liebe dieses Auto!

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Maserati!

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Das hauseigene Restaurant im Enzo Ferrari Museum

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Handgemachte Pasta – ich kann davon nicht genug bekommen

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Das Büro von Enzo Ferrari in seinem Geburtshaus in Modena

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Startposition 7 für Antonio

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Kurz vor dem Start: Antonio Fuoco bekommt letzte Anweisungen gesagt

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Safety Car! Das nächste Mal würde ich gerne mitfahren…

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Auch wenn es so aussieht: Ich stand nicht auf der Rennstrecke.

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Das Team hinter dem Prema Racing Team

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Antonio Fuocos Formel 3 Wagen

Ferrari Driver Academy 30In der Boxengasse des Hockenheimrings

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 Vielen Dank für die Unterstützung an iambassador und Emilia Romagna Turismo.

2 Kommentare

  1. Formel 3 ist nicht laut ;) Formel 1 und DTM, DAS ist Lärm.(dito ein neben dir startender/landender Helikopter) Aber alles live sehr spannend, da geb ich dir recht.

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