tote Fische auf dem Markt

Die hören nichts mehr…

Die ersten 25 Jahre meines Lebens, bin ich so oft Taxi gefahren, dass ich es an zwei Händen abzählen kann. Taxi fahren war für mich ein Symbol für Luxus. Aber auch irgendwie eine Art Geld aus dem Fenster zu schmeißen. Warum sollte ich 30 Euro zahlen, wenn ich auch einfach nachts eine Stunde warten kann, um dann den Bus für 2,30 Euro zu nehmen? Ich bevorzugte es also lieber sparsam anstatt bequem zu sein. Dann bin ich nach Berlin gezogen, und Taxi fahren wurde zu meinem täglichen Begleiter. Mal schnell eine Kurzstrecke zur nächsten Bar, zu viele Koffer, die ich die Treppen der S- und U-Bahn nicht hochschleppen kann oder auch einfach nachts die Angst, noch alleine durch die Gegend zu laufen. Man hat da ja von so ein paar Vorfällen in letzter Zeit gehört, bei denen Menschen in Berliner U-Bahnen angegriffen wurden…

Das Taxi fahren wurde also langsam zur Gewohnheit. Zum Bahnhof, nachts nach Hause, mit Freunden zum nächsten Club. Zu den unterschiedlichsten Gelegenheiten bin ich gefahren und habe mir dabei Gedanken über die Rolle des Taxifahrers gemacht. Der Taxifahrer, ist nicht nur ein Mann, der uns von Ort A nach Ort B bringt, der Taxifahrer vereint viel mehr Berufbilder in sich: Seelsorger, Mülleimer, Psychologe, Pfarrer. Es ist ein unbegreifliches Phänomen aber ich habe es am eigenem Leib erlebt. Kaum sitzt man in einem Taxi, redet man über alles und ohne Hemmungen. Da wird dem Fahrer der Liebeskummer erzählt, mit der Freundin über die Menstruationsbeschwerde geredet oder über Scheißschwämme diskutiert. Ich erinnere mich an eine Situation, in der vier junge Menschen sich auf dem Weg zu einem Geburtstag im Taxi darüber unterhalten haben, wie sie die Toilette putzen. Der Erste erschreckenderweise gar nicht, der Zweite mit Einwegtüchern, der Dritte mit einem Schwamm, den er zum desinfizieren in die Mikrowelle legt. Die Diskussion geht weiter, der Fahrer schaut desinteressiert und teilnahmslos auf die Straße. Kurz vor dem Ziel, haben ihm die Insassen ein Stück vom Geburtstagskuchen angeboten – Schmerzengeld für die widerlichen Gespräche im Auto. Er sagt darauf nur: „Hat den Kuchen diejenige gebacken, die ihren Scheißschwamm in die Mikrowelle legt? Wenn ja, dann verzichte ich gerne.“ Da war es, der Beweis dafür, dass Taxifahrer nicht nur stupide auf die Straße schauen und uns von Ort A zu Ort B fahren. Sie hören mit, sie nehmen auf was wie reden und machen sich ihr eigenes Bild. Man kann also bei all seinen Gesprächen über Körperleiden, Sexleben und sonstige Probleme nur hoffen, dass der Taxifahrer einer Schweigepflicht unterlegen ist. Alles was im Taxi besprochen wird, bleibt im Taxi. Ansonsten könnte es für den einen oder anderer peinlich werden. Auch für mich…

11 Kommentare

  1. mir ist einmal ein Taxifahrer mit meinen sämtlichen gerade inegekauften Weihnachtsgeschenken davon gefahren! mit Absicht! ich bin ihm damals ca. 1 km hinterhergerannt und hab an die Scheibe geklopft und der Idiot ist einfach abgehauen… nachdem ich dann endlich über die Zentrale raus hatte, wer er war wollte er auch ncoh 40 Euro dafür haben mir meine Sachen zurückzubringen… seit dem rede ich kein Wort mehr mit Taxifahrern. Die sind Böse ;) und in den Kofferraum lasse ich mir auch nichts mehr legen.

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