Es war neulich in Berlin. Ich saß mit ein paar Freunden auf einer Wiese im Park, nicht weit entfernt von der Spree. Es war einer der ersten lauen Sommerabende und es roch nach einer Mischung aus frisch gemähtem Gras und dem Grillfleisch der Nachbarn. Plötzlich kam eine völlig absurde Frage in der Runde auf: Wenn du die Wahl hättest, würdest du lieber taub oder lieber blind sein? Von „lieber“ kann hier wohl nicht die Rede sein. Ich finde beides schrecklich, doch muss ich mich fragen, warum fragt nie einer, was ich schlimmer finden würde: Taub sein oder nichts mehr riechen zu können? Nie mehr den Geruch von gebackenem Kuchen, den Maiglöckchen auf dem Küchentisch oder der Geruch frisch gewaschener Bettwäsche. Oder den Duft von meinem Freund, wenn ich meine Nase in seinen Nacken stecke. Könnte ich überhaupt lieben und jemanden so anziehend finden, wenn ich nicht mehr riechen könnte? Angeblich geht die Liebe ja durch die Nase. Sie entscheidet mit, wen wir sympathisch finden, wen wir lieben und mit wem wir Sex haben möchten. Und ganz besondere Düfte vergessen wir nie. Beispielsweise, wenn ein Mann hinter mir sitzt, der das gleiche Rasierwasser hat, wie meine erste Liebe, muss ich sofort an ihn denken. Oder der Geruch von Sauerbraten, den es nur zu Hause bei meiner Mama in der Küche gibt.

Ich habe erst heute morgen eine frische Packung Kaffee aufgemacht, die ich aus Dominica mitgebracht habe. Ich lasse die leere Verpackung immer noch drei Tage im Raum stehen, damit sich der Geruch ausbreiten kann. In meinen Schränken hängen kleine Lavendelsäckchen und Boris mein Hund hat auch seinen ganz besonderen Geruch, obwohl ich den manchmal gerne übersprühen würde. ;)

Sonnencream

Jetzt muss ich euch etwas erzählen, wofür ihr mich bestimmt für völlig irre erklären werdet, aber jedes Mal, wenn ich von einer wunderschönen Fernreise nach Hause komme und meine Posts für euch schreibe, stelle ich mir eine Flasche Sonnencreme neben den Laptop, um dieses entspannte Gefühl von Urlaub und Freiheit zu fühlen und es direkt wieder in meine Texte zu übertragen. Du fühlst, was du riechst. Stimmt. Gerüche beeinflussen uns und ich bin schon so gespannt, wann es den ersten Geruchs-Kinofilm geben wird.

Olfaktorisches Übernachten gibt es schon. Das Hotel Indigo in Düsseldorf versetzt mit Düften seine Besucher in den Geist einer vergangenen Modeepoche. Der Düsseldorfer Parfümeur Frank Ritter hat die „Scent of the Decade Collection“ eigens für das Hotel entwickelt. Der Clou: Jeder der sechs Düfte entspricht einem Modejahrzehnt von den glamourösen 1950er- bis zu den androgynen 2000er-Jahren. Die Einrichtungen des Hotels entsprechen dem gleichen Prinzip. Jede Etage des sechsstöckigen Gebäudes ist an ein Modejahrzehnt angelehnt – beginnend mit den 1950er-Jahren. Wer also einmal wie in den 1960er-Jahren schlafen möchte, ist im Indigo Hotel Düsseldorf an der richtigen Stelle. Wer ab 16. Juni eincheckt, erhält einen der drei weiblichen oder männlichen Düfte aus der limitierten Edition. Und wenn ihr euch bei Lilies Diary eincheckt, bekommt ihr gleich alle sechs Düfte in einer schönen Schachtel für zu Hause. Was ihr dafür machen müsst? Verratet mir hier bis zum 20. Juni 2014 in welches Jahrzehnt ihr gerne einmal reisen möchtet und warum? Ich bin gespannt und würde die 50er nehmen, wegen der tollen Röcke und Kleider.

Hotel-Indigo-Düfte

Ja und wie riechen jetzt die ganzen Jahrzehnte? Und was war da modisch los? Endlich kann ich alte Diplom-Modedesignerin euch ein bisschen die Modejahrzehnte näher bringen. Hier ein kleiner Mode-Crashkurs:

Scent of Decade 1950

Eleganz und Glamour liegt in der Luft. Als Inspiration dient Filmikone Audrey Hepburn und Marilyn Monroe, aber auch modische Trends wie Pfennigabsätze und figurbetonte Blusen. Eine Mischung aus italienischer Zitrone, Birne und Maiglöckchen.

50er

Scent of Decade 1960

Die 60er waren wild. So ist auch der Duft. The Beatles und die Rolling Stones waren an der Spitze der Hitparade, weite Ärmel und taillierte Gürtel prägten die Modewelt. Diese Gegensätzlichkeit riecht man auch – Nelken treffen auf Jasmin, Rose und Sandelholz.

60er

Scent of Decade 1970

Ein Duft, der nach Hippie-, Flower-Power und Peace-Attitude riecht. Strickmode, Schlaghose und Batikshirt waren angesagt. ABBA und die Bee Gees eroberten die Charts. Es riecht nach Bergamotte, Rhabarber, Edelhölzer und Moschus.

70er

Scent of Decade 1980

Wild, aber doch elegant: So lässt sich der süß-markante Herrenduft am besten beschreiben. Die 1980er-Jahre prägten Individualisten wie Michael Jackson, Boy George und Falco. Die Trends waren breit gefächert – von der Ray Ban-Brille bis zur Bundfaltenhose war alles dabei. Die Kopfnote ist unter anderem Mandarine, die Herznote Jasmin und als Basicnote Patchouli und Tonkabohne.

80er

Scent of Decade 1990

Kurze Röcke, knappe Tops und Plateausohlen begegnen dem modischen Understatement von Helmut Lang und Jil Sander. Titanic lief über die Kinoleinwand und Nirvana sang aus dem Radio. Das sind die 90er. Ein Girlie-Jahrzehnt, das besser riecht als die Mainstream-Mode aussah.

Scent of Decade 2000

Es war alles dabei: Von Knallbuntem und Verrücktem bis hin zu einem nüchtern-minimalistischen Stil. Das androgyne Jahrzehnt prägt den Duft nach Tannenharz, Rosmarin und Eichenmoos.

2000

Und jetzt verratet mir welches euer Lieblingsjahrzehnt ist und vor allem warum und gewinnt alle sechs Düfte auf einen Streich.

Indigo-Hotel

Dieser Beitrag ist in Kooperation mit dem Hotel INDIGO entstanden. Dank ihnen konnte ich mich einen Vormittag hinsetzen, an meiner Sonnenmilch schnuppern und mir Gedanken über Düfte machen.

Vielen Dank.

17 Kommentare

  1. Hey,
    die Eingangsfrage ist gar nicht so absurd. Ich lebe in Marburg eine Stadt die unter Blinden als eine Art Hauptstadt gilt ( Forschung, Bildung…) und ich selbst bin halb taub. Die Frage was schlimmer ist kam schon öfters mal auf. Ist wohl eine persönliche Frage, aber ein Satz eines Blinden fand ich dann doch interessant: „Die Augen sind der Schlüssel zur Welt, aber (zu)hören können der Schlüssel zum Herzen der Menschen“. Der Junge hatte schon ein paar Glas Rotwein intus.
    Ich glaube Gerüche wiederum werden einfach unterschätz, vielleicht weil sie immer da sind? Und weil das fehlen des Geruchssinnes den Alltag nicht so sehr behindert? Aber wenn ich daran denke nicht mehr mein essen schmecken zu können? brr… Das Parfum ist ja ein sehr schönes Buch.

    Also ich würde gerne das Ende der 1960 Jahre erleben, die Zeit der Jungend meiner Eltern. Sie haben mir soviel erzählt, Politischer Umbruch, Musikgeschichte, Rebellion… aber ansonsten finde ich die jetzige Zeit auch nicht schlecht. Ich glaube wir leben in einer recht interessanten Zeit, auch wenn ich mit Dubstep nichts anfangen kann.

  2. Wow, was für tolle Fotos bzw. Zimmer. Da würde ich wahrscheinlich gar nicht zum Schlafen kommen, weil ich mir jede Ecke fünfmal angucken müsste.

    Ich würde mir die 60er aussuchen. Seitdem MadMen mir dieses Jahrzehnt nahe gebracht hat, bin ich ganz begeistert davon. Das Schönheitsideal der Frau, Männer in Anzügen und mit Hüten, hach <3

  3. Ich bin etwas verwirrt, ist dieser Beitrag jetzt wirklich von Michael? Das liest sich doch alles eher nach Christine und mit dem Foto ist die Verwirrung komplett :-)
    Ich wäre gern in den 60ern dabei gewesen und hätte dann sicher ein Teil von Woodstock miterlebt, das wäre toll…

  4. Das Hotel macht einen wundervollen Eindruck, nur schade, dass ich so nah an Düsseldorf wohne. Da lohnt ein Hotelaufenthalt meist nicht, aber ich behalte es mal im Hinterkopf für den Abend vor der nächsten Flugreise, wenn es von dort kürzer zum Flughafen ist. Auch wenn ich den 80ern geboren bin liebe ich die 60er Jahre mit ihrem Swing und Rock’n Roll, dem Petty Coat usw. Gerne würde ich dies tanzen können und Gelegenheit haben einen Abend ganz in diesem Stil zu verbringen. Vielleicht kann ich mit den Düften ja ein bisschen was von dem Flair der Zeit erleben. Bin gespannt…

  5. Ich liebe die Mode der späten 60er, die Musik und die Hoffnung in der Zeit. Damals wussten die Menschen noch nichts von Klimawandel und Co und die Jugend glaubte an Frieden. In der Zeit hätte ich gerne gelebt. Aber mal abgesehen von den Jahrzehnten, die im Artikel genannt wurden, wäre ich auch mal gerne in den Goldenen 20ern unterwegs. Aber in der Zeit möchte ich nicht Leben, denn wie man weiß, war die Zeit vor und nach den 20ern gar nicht toll. Also da würde ich nur gerne mal einen zwei-Wochen-Urlaub hin machen. Die 60er dagegen würden mich auch für länger reizen. Und ich würde auf Beatles-Konzert gehen. Und auf ein Love-Konzert.

    Und zum Thema Düfte:
    Ich habe eine sehr sensible Nase und liebe es! All meine Erinnerungen sind an Gerüche geknüpft und ich liebe Situationen, wenn ich etwas nach langer Zeit mal wieder rieche. Etwa das Haus meiner Eltern oder die Creme, die meine Oma immer benutzt hat.

  6. Nach dem zweiten Satz habe ich aufgehört zu lesen. Ich liebe den Geruch von frisch gemähtem Gras und muss mir jetzt erstmal ne Wiese suchen, die gemäht wurde.

    Natürlich sind mir beim Scrollen die Bilder nicht entgangen. Das aus den 70ern sieht ganz gut aus.

  7. Für mich wären es ebenfalls die 60er!

    „Oh, I wish I was a punk rocker with flowers in my hair
    In ’77 and ’69, revolution was in the air
    I was born too late to a world that doesn’t care
    Oh, I wish I was a punk rocker with flowers in my hair

    When the head of state didn’t play guitar
    Not everybody drove a car
    When music really mattered and when radio was king
    When accountants didn’t have control
    And the media couldn’t buy your soul
    And computers were still scary and we didn’t know everything
    […]
    When pop stars still remained a myth
    And ignorance could still be bliss
    And when God Save the Queen she turned a whiter shade of pale
    When my mom and dad were in their teens
    And anarchy was still a dream
    And the only way to stay in touch was a letter in the mail
    […]
    When record shops were still on top
    And vinyl was all that they stocked
    And the super info-highway was still drifting out in space
    Kids were wearing hand-me-downs
    And playing games meant kick arounds
    And footballers still had long hair and dirt across their face
    […]“ – Sandi Thom.

    Ich würde gerne in einem Jahrzehnt leben, in dem die Welt sich verändert, etwas in der Luft liegt, Blumen im Haar statt Hipster-Bärten in sind.

  8. Ich würde in die Zeit zurück um mit meinem gleichaltrigen Vater ein Bier trinken zu gehen Das wäre dann so Ende der 70iger Anfang der 80iger :)

  9. Ich würde mich für die 60er Jahre entscheiden, weil es durch und durch mein Jahrzehnt ist.
    Es ist für mich auch eine Zeit, in der alles was wir heute kennen und leben, sei es Musik, Mode oder Lifestyle, noch neu war bzw. gerade erst entdeckt wurde.
    Ich bin der Meinung, alles war noch so „echt“. Rockmusik war noch revolutionär, Models waren nicht klapperdünn und sie haben auf Bildern gelacht.
    Ich würde gerne zu dem damals noch „verpöhnten“ Rock´n´Roll tanzen, der kratzig verrucht aus einem Plattenspieler tönt, in einem Jahrzehnt Leben das immer noch unseren heutigen Lifestyle prägt und prägen wird. Gleichzeitig war es eine gemütliche Zeit in der nicht jeder Berufswunsch „Leiter eines Unternehmens“ war. Gleichzeitig haben junge Menschen Ende der 60er Jahre, anders als in den Jahrzehnten zuvor, angefangen Regeln zu brechen. Es war einfach eine Zeit, in der nicht jeder nur sich selbst verwirklichen wollte, sondern jeder einen Beitrag zur Welt leisten wollte, mit einem Joint in der Hand.

  10. Ich würde gerne ende der 80er anfang der 90er allso um genau gesagt 1988 Reisen um einen Menschen kennen zu lernen den ich nie kennen lernen konnte oder mann mir verschwigen hat. Oder besser gesagt in anfang de 2000 er um einen großen Fehle wieder rückgängig zu machen.

  11. Spannende und gleichzeitig schwierige Frage… Die 60er sind modisch und musikalisch sehr cool, die 70er auch wieder mit der Hippie-Phase, aber ich glaube, ich fände die 50er auch sehr spannend. Ich muss an Heimatfilme denken und Heinz Erhardt, schöne Autos, vielleicht ein Käfer, vielleicht mit dem VW-Bus runter nach Italien, die ersten Spaghetti essen, wahre Gentlemen, tolle Kleider, ständig singen alle ;) und die ganze tolle Wirtschaftswunderzeit waren bestimmt aufregende Jahre. Der absolute Super-Kitsch! Yeah :)

  12. Hallo,
    wow – geniale Zimmer :)
    Ich würde mich auch für die 60er entscheiden. Ich mein, ich war natürlich nicht dabei und vl. wär es auch gar nicht soo toll gewesen, aber mich faszinieren Lifestyle, politischer Umbruch, Musik, Mode, … dieser Zeit – herrlich!
    Liebe Grüße
    Bettina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*