„Ich liebe Flughäfen. Ganz ehrlich, wer tut das nicht? Mal abgesehen von denen, die unter panischer Flugangst leiden.

Und wer kennt sie nicht, die Vorfreude beim Koffer packen, ach was, die fängt ja eigentlich schon beim Buchen des Fluges an. Man entschließt sich zu verreisen, checkt das Bankkonto, ignoriert das Bankkonto, und bucht wild drauf los. Bei mir was das Ende März zum letzten Mal der Fall, als ich vier Wochen nach Indien geflogen bin. Mit einem 11 Kilo leichten Backpacking-Rucksack checkte ich ein und freute mich riesig, endlich wieder Flughafenluft zu schnuppern.

Flughafen

Der ganze Prozess an diesem Ort, das Einchecken, das Warten, das „Einparfümieren“ im Duty-Free-Shop etc., riecht weniger nach Jil Sander oder Gucci, als nach: Freiheit. Mag abgedroschen klingen für diejenigen, die noch nie geflogen sind, aber für mich ist das so. Denn durch das Nutzen von Langstreckenflügen kann man die Vorfreude auf den Urlaub noch mehr hinauszögern:

Es fängt schon mal damit an, dass man sich beim Betreten der Maschine wie eine Königin (auf zu engem Raum, aber das blendet man aus) fühlen kann. Man bekommt Decken und Kissen, heiße Feuchttücher zum Erfrischen, eine Mediathek, die mich jedes Mal entzücken lässt und, last but not least: Vegetarier (dazu gehöre ich) bekommen immer als Erste ihr Essen. Während alle um mich herum also mit hungrigen Mägen auf mein Essen starren, kann ich fast schon ein bisschen Business-Class-Luft schnuppern. Herrlich.

Aber auch der Flughafen an sich ist so spannend. Erst kürzlich habe ich spontan beschlossen, meinen Freund am Flughafen abzuholen, weil er seinen eigentlichen Flug am Morgen verpasst hatte und somit relativ gerädert in München ankam. So stand ich da gegen halb 10 Uhr abends am Gate und beobachtete die Menschen um mich herum, wie sie sehnsüchtig auf Angehörige, Partner, Kinder oder Freunde warteten. Einige fielen sich herzergreifend in die Arme und waren aufgeregt wie beim ersten Date. Andere holten geschäftige Männer mit englischem Akzent ab, nickten sich kurz zu und verließen schnurstracks das Gebäude. Super lässig.

Ich stand mittendrin und wartete, während mein Freund an mir vorbeiraste. Klassiker. Desto schöner war dann aber die Begrüßung, als er endlich checkte, dass ich da war. Nur für ihn dort hingefahren, um ihm dieses Gefühl zu geben, was man einfach bekommt, wenn man nach einer Reise von einem bekannten Gesicht abgeholt wird. Dass da jemand steht, der sich auf dich freut, der dich in die Arme schließt und nach Hause bringt. Das ist ganz schön viel Wert, dachte ich mir. Einen Menschen zu haben, den man am Flughafen abholen kann. Und wiederum Menschen zu haben, die einen selbst abholen. Früher war das beispielsweise meine Mama mit meinem Hund, der schier ausrastete und über den glatten Boden wetzte. Unbezahlbar.

Mittlerweile habe ich nur noch ein kleines, nein, eher großes Problem mit dem Fliegen: Die Umweltbelastung. Sie ist enorm, das sollte man nicht ignorieren, schon gar nicht, wenn Fliegen zum Hobby wird. Was macht man? Bäume pflanzen. Habe ich gelernt. Auf naturefund.de kann man ausrechnen, wie viele Bäume man pro Flug pflanzen müsste, um das ausgestoßene CO2 wieder auszugleichen. Für meine Indien-Reise wären es ganze 7 Bäume. Huch. Wo soll ich die nun anpflanzen in einer Großstadt? Eher schwierig. Dann vielleicht doch lieber den Betrag der zu pflanzenden Bäume spenden und ansonsten ganz brav sein, was die Umwelt angeht.

Die Luft im Flughafengebäude bleibt dafür immer gleich. Und die zu schnuppern kostet auch nichts. Wenn mich also jemand am Flughafen herumstreunen sieht und beobachtet, wie ich fremden Menschen in die Arme falle: Ich hatte nichts Besseres zu tun.“

Danke an Anika für den schönen Gastbeitrag. Ich wünsche mir auch jedes Mal, wenn ich lande, dass mich jemand abholt. Anika erblickte vor 26 Jahren das Licht der Welt in Unterfranken, meiner Heimat, und zog aus, um Schauspielerin zu werden. Das ist sie nun auch seit 2010. Unter anidenkt.de gibt es mehr von ihren Texten.

3 Kommentare

  1. Hi Anika,
    da kann ich Christine nur nickend zustimmen: schöner Beitrag!
    Ich betrete nie einen Flughafen ohne Ticket in der Hand, da bekomm ich immer so furchtbares Fernweh (ich kann nicht mal ein Flugzeug am Himmel anschauen ohne weg zu wollen).
    Und was die Bäume angeht: ich finde da kann Deutschland man noch einiges von den Australiern lernen, da ist das bei der Flugbuchung ein kleiner Klick und schon wird die CO2-Belastung ausgeglichen. Finde ich toll!

    Liebe Grüße,
    Carina

  2. Hi Carina,

    danke dir. Das ist echt schön, wenn es vielen so geht. :)
    Und wie cool sind denn bitte die Australier!? So ne gute Idee – und SO einfach. Typisch, dass das hier nicht in Betracht gezogen wird (anscheinend…)

    LG,
    Anika

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