Heimat hier, Heimat da. Heimat überall. Heimat – ein Begriff, der immer wieder auf einem Magazin-Cover oder in einem Songtext vorkommt und dessen Definition nie vollkommen und allgemeingültig zum Abschluss gebracht wird. Das erste Mal damit auseinander gesetzt, habe ich mich in der 8.Klasse im Deutschunterricht.

Heimat-Voegel

Ich höre immer noch die Stimme von meinem damaligen Lehrer im Ohr und dessen Frage: „Was ist für euch Heimat?“ Damals habe ich geantwortet Berge und Kühe. Doch diese Antwort befriedigte mich nicht und so kommt es vor, dass ich in regelmäßigen Abständen mich immer und immer wieder Frage – Was ist Heimat? Was ist meine Heimat? Wie definiere ich Heimat? Ich stelle mir die Frage so oft, weil ich auch so viele verschiedene Antworten darauf habe. Eigentlich alle paar Woche eine andere. Nach Kühen und Bergen war es irgendwann der Wohnort, bis ich keinen mehr hatte, dann meine Freunde, bis sie überall in ganz Deutschland zerstreut waren und dann ein Geräusch. Das Geräusch eines bestimmten Vogels, ich weiß gar nicht einmal welcher, denn ich immer nur zu Hause in meinem Elternhaus höre.

Jetzt sind wieder ein paar Wochen vorbei und der Titel des neuen „Spiegel“ hat mich sehr direkt darauf aufmerksam gemacht, einmal wieder nachzudenken. „Was ist Heimat? Eine Spurensuche in Deutschland“ steht neben einem Jungen mit Lederhose. Und ich finde die Antwort. Meine Antwort auf die Frage „Was ist Heimat?“. Also zumindest die Antwort, die gerade absolut zutrifft. Und ich musste sie mir nicht einmal selbst ausdenken, denn sie stand da schwarz auf weiß. „Der Globalisierungsnomade, der nicht nur reist, sondern sich niederlassen kann, muss nach zwei Jahren weiterziehen, nächster Aufbruch, nächster Job, nächste Stadt. Ein paar Beziehungen aufgebaut, dann geht es schon weiter. Zurücklassen als Lebensform. Das Kontinuum in dieser Rastlosigkeit ist das Smartphone. Zu ihm hat man ständig Kontakt, es beherbergt die Bilder der Lieben, kann von überall her die Verbindung zur Heimat herstellen und hält das Wissen, das man als Nomade braucht, jederzeit parat. (…) Wer sein Smartphone verliert, ist so hilflos wie ein Kind, das nicht nach Hause findet. Es ist transportable Heimat der globalisierten Welt. Alles andere ist Sehnsucht.“

Na also, da haben wir es. Die Antwort. Mein Smartphone ist meine Heimat. Und da sollte man nichts sparen. Deswegen hole ich mir jetzt auch endlich ein iPhone ;)

 

17 Kommentare

  1. Ich hab kein Smartphone und trotzdem eine Heimat!!!! du weißt ja, dort wo meine Katzen sind :)
    Du brauchst doch bloß ein Argument um dir mit gutem Gewissen ein iPhone zu leisten ;)

  2. Na klar hab ich mir auch schon oft Fragen zur Heimat gestellt. Das liegt daran, dass ich – wie die meisten, die studiert haben – nach 19-20 Jahren meine Kindheitshemisphäre verlassen und nie mehr dort wohnte, also eine „zweite Heimat“ aufbaute. Manche haben vieleicht auch dritte, vierte oder noch mehr. Dazu hat Edgar Reitz zwei bekannte Familien-Chroniken um seinen Alter Ego „Hermännsche“ verfilmt. So gibt’s für mich also auch zwei Heimatbegriffe: Die Heimat deiner Wurzeln, deiner Herkunft, deiner ersten Prägungen. Und die zweite Heimat, wo du aktuell zuhause bist, dich wohlfühlst und geborgen bist. Wenn man irgendwann den Punkt erreicht hat, dass man über die Hälfte seines Lebens „fern der Heimat“ lebt, relativiert sich Heimat sowieso von alleine. Bei den Heimatvertriebenen, also nicht freiwillig in die weite Welt Reisenden, soll ja die Sehnsucht nach der ersten heimat sogar noch in 2. und 3. Generration fortbestehen, also bei Menschen, die gar nicht in der „Heimat“ geboren und aufgewachsen sind, diese oft – zumindest bis 1989/90 – nie besucht haben. Auch wenn ich das etwas skurril finde, kann ich die unsichtbare Verbindung zu den eigenen Wurzeln nachvollziehen. So habe ich neben dem deutschen Stamm meiner Geburtsstadt auch Ahnen, die aus meiner jetzigen Lebensregion stammen oder aus Frankreich, dem ich mich auch immer irgendwie verbunden fühlte. Es zieht mich regelmäßig nach Paris, bis ich – ohne es zu wissen – während eines Besuchs der Friedhofs Père Lachaise (ja, der wo u.a. Jim Morrison liegt) zufällig ein Urnengrab von Urahnen eindeckte.
    Als Vielreisender bin ich im Gegensatz zum Nomaden eher ein Seemann, der zwar viele Meere und Länder sieht mit einigen Orten, die er oft und gerne wieder besucht, aber immer zu seinen Heimathafen zurückkehrt – nicht nur zum Wäschewaschen und die Mitbringsel abheften und Fotos auf die Festplatte beamen.
    Bist du denn wirklich eine Nomadin ? Nach bayerischer Kindheit, Studium in Bielefeld (gibt’s das eigentlich wirklich ?;-) und nun in Berlin geankert …
    Oder doch auch eher eine Globetrotterin, die nur ihren Koffer durch die Welt mitschleppt ?
    So eine elektronische Wollmilchsau möchte ich gar nicht, dann ist weder der Defekt noch der Verlust eine Katastrophe. Ich habe alles schön getrennt. Ein Handy zum Telefonieren, einen Kalender aus Papier (!), einen Fotoapparat, ein MP3-Player etc.
    Auch der PC bleibt zuhause. Wenn ich bloggen würde, würde ich das eh nicht mit einem Smartphone, sondern einem Netbook machen.

  3. Deine Heimat ist ein Smartphone? Das ist bitter.
    Meine Seele fühlt sich wohl im Wald.

    Jeder findet woanders seine gefühlte Heimat.
    Aber in einem technischen Gerät?

    Du solltest mal zwischendurch aufhören
    dich so hektisch-elektrisch zu bewegen!-)

    Lieb grüßt
    Gert aus Essen

  4. Das Smartphone als Speicher der Gedanken und Erlebnisse – eine sehr moderne Definition von Heimat. Ich neige dazu, ein wenig zuzustimmen. Aber mir als altem mann sind Beziehungen mit Menschen aus Fleisch und Blut, der Schweiß, der auf meine Joggingstrecken fällt, die geliebte Teetasse auf dem Couchtisch oder die Vögel im Garten doch noch mehr Heimat. Aber ich möchte andererseits auch kein extremes Nomadendasein. Ohne Elektronik würde ich mich nicht heimatlos fühlen. ;-)
    Und überhaupt – warum soll Heimat so wichtig sein?

    Beste Grüße
    Martin

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