Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich diesen Post schreiben soll. Ich habe keine Ahnung, ob ihr das versteht, was ihr in den nächsten Zeilen lesen werdet. Aber es liegt mir schwer im Magen und ich denke es würde mir helfen, es einmal loszuwerden und vielleicht hat der ein oder andere auch einen Tipp für mich, wie ich das in den Griff bekomme. Ich habe Angst.

Namaqualand National Park-Südafrika-Christine-Neder

Ich habe viel darüber nachgedacht, was da vor sich geht und wieso und weshalb und warum und wenn ich es auf einen Nenner bringen soll, dann ist es die Angst. Die Angst macht das alles mit mir. Ich sitze hier in meiner wunderschönen Wohnung und vor mir steht ein Koffer den ich packen darf. Es geht drei Wochen nach Australien. Das ist der absoluter Hammer! Vom Northern Territory bis zum Ayers Rock und dann rüber nach Queensland. Drei Wochen die Welt entdecken, absolute Freiheit und jeden Tag etwas Neues erleben. Das ist eine Reise, von der so viele Träumen, die so viel machen wollen würden und ich sitze hier und mir laufen die Tränen meinen Wangen runter. Aber nicht vor Freude.

Meine Augen brennen, meine Nase ist verstopft. Ich spüre diesen ekelhaften Druck in meinem Kopf, der immer kommt, wenn ich weine. Was da meine Wangen runterläuft sind leider keine Freudentränen. Doch irgendwie freue ich mich total aber da ist diese Schnur, die sich um meine Lunge legt und immer enger und enger wird. Ich kann nicht sagen, was es ist. Eine Mischung aus Panik und Angst und mit einher geht ein Gefühl, dass ich das alles nicht will. Ich will nicht wegfahren. Ich will meine Koffer nicht packen. Ich will nicht ans Ende der Welt. Ich will einfach hier bleiben, meine Nase in den Bauchnabel von Paul stecken und meine Hand in Boris weiches Fell stecken.

Wenn mich jemand in diesem Zustand sehen würde, der würde mich für verrückt erklären. Ich darf nach Australien reisen und heule. Das ist doch absurd. Wahrscheinlich würde mir der ein oder andere gerne eine Ohrfeige geben, damit ich wieder zu mir komme und mich freue.

Es hat einen Grund, warum ich weine. Ich habe Angst. Vor so vielen Dingen. Immer denken alle ich wäre so stark und könnte alles alleine und alles würde mir auch so leicht von der Hand gehen, aber das ist nicht so. Man sieht mir meine Angst nur nicht an, weil ich sie verstecke und jeden Tag ganz heimlich gegen sie kämpfe. „Wenn du gegen deine Ängste nicht antrittst, dann beherrschen sie dich irgendwann.“, hat mir mal jemand gesagt und irgendwie hat sich dieser Satz in mein Gehirn gebrannt. Also stelle ich mich jeden Tag und bei jeder Reise mit geballten Fäusten ihr gegenüber.

Doch was macht mir so Angst beim Reisen? Es ist nicht die Angst, dass ich Überfallen werden könnte oder mir was zustößt. Ich habe Angst, dass den Menschen, von denen ich mich verabschiede etwas passiert und ich nicht da bin. Dass ich am Ende der Welt bin, wenn ich gebraucht werde. Als ich vor fast 10 Jahren in New York war, ist meine Oma gestorben. Es war schrecklich. Es war schrecklich nicht dagewesen zu sein und noch viel schrecklicher war es mit der Trauer allein zu sein. Keine Schulter zu haben, an der man sich ausheulen konnte. Nur einen Laptop und ein Skypeaccount. Ich musste so stark sein und dachte jeden Tag ich packe es nicht.

Jedes Mal, wenn ich verreise, kommt diese Angst auf, dass irgendwas passiert. Dass ich mit irgendjemanden zum letzte Mal telefoniere. Dass ich mich von jemanden verabschiede und ich nicht weiß, ob es das letzte Mal ist. Und diese Angst hemmt mich. Sie lähmt meine Vorfreude. Wie komisch sich das alles anhört, aber für mich ist es mich auf eine Reise zu begeben immer noch der größte Schritt raus aus meiner Komfortzone, weil ich weiß, dass ich jedes Mal gegen die Angst ankämpfen muss. Tage manchmal auch Wochen vor der Reise.

Doch jedes Mal, wenn ich im Flugzeug sitze, fällt alles wieder ab. Wenn ich das Klicken von meinem Sicherheitsgurt höre, ist alles weg. Und wenn ich erst einmal lande, bin ich der glücklichste Mensch der Welt und weiß, dass ich das richtige getan habe.

Wegen der Angst zu Hause bleiben, würde mir eine der größten Freuden im Leben nehmen. Doch egal wie oft ich in die Welt aufbreche. Jedes Mal habe ich diese Bedenken und Ängste. Damals als meine Oma gestorben bin, als ich in New York war, habe ich mich ständig gefragt warum. Warum genau jetzt? Es ging ihr schon jahrelang nicht mehr gut, doch genau in diesem einen Monat, wo ich mich nicht von ihr verabschieden konnte, ist sie gegangen. Auch in solchen Situationen versuche ich einen Sinn darin zu sehen und vielleicht war der Sinn, dass so schwer diese Zeit auch war, sie mich für das Leben stark gemacht hat.

Und genauso stark macht es mich auch jedes Mal in diese Welt aufzubrechen. Es schenkt mir all diese schönen Momente und Erlebnisse, von denen ich mein Leben lang noch zehren werde. Was ich euch mit diesem Post einfach nur einmal sagen wollte – ich bin der größte Schisser. Ich kämpfe ständig gegen meine Ängste. Mir fällt nichts einfach. Aber wie sagt meine Blogger Freundin Svenja immer so schön: Wenn ich das schaffe, schaffst du das auch. Und ich sage mir immer – wo ein Wille auch ein Weg. Doch, dass man auf diesem Weg mal vor einem Geröllhaufen steht und jeden Stein einzeln wegtragen muss, kann auch passieren. Nicht nur einmal.

40 Kommentare

  1. Liebe Christine,
    vielen Dank, dass du dieses Gefühl so wunderschön beschreibst und teilst. Ich weiß genau wie das ist, weit weg von den Lieben zu sein und quasi nichts machen zu können. Aber eigentlich bist du gar kein Schisser, sondern ungemein tapfer, weil du dich trotz deiner Angst jedes Mal in ein neues Abenteuer stürzt!
    Viel Spaß in Downunder! Du wirst es genießen, spätestens wenn du da bist! ;)

  2. Liebe Christine,
    Angst zu haben zeigt doch nur, dass du lebst, liebst und ein Mensch mit Herz bist. Wenn du keine Angst, keine Schmerzen, kein Vermissen mehr spürst, dann bist du zumindest emotional nicht mehr in dieser Welt. Und letztlich ist es doch egal ob du in Australien bist, oder gerade einfach aus anderen Gründen nicht da. Ob deinem Paul oder dem Boris etwas passiert wenn du am Ayers Rock hockst oder gerade im Supermarkt einkaufen bist. Bei schlimmen Dingen ist selbst der Supermarkt um die Ecke zu weit weg. Die Angst um die, die wir lieben begleitet uns wohl solange wir leben. Und wenn ich meine Eltern oder Schwiegereltern anschaue wird diese Angst im Laufe des Lebens immer größer. Deshalb habe ich nur einen guten Rat von Herzen für dich: Lebe jeden Moment mit deinen Liebsten so intensiv, dass es der letzte sein dürfte. Dazu gehört für mich immer das Gefühl sich alles gesagt zu haben was in einem Moment wichtig war. Eine Umarmung, ein „ich liebe dich“, ein „ich vermisse dich“, ein „pass auf dich auf“. Es gibt für mich kaum ein schlimmeres Gefühl als der Gedanke „Hätte ich einmal gesagt, dass ….“

    Freu dich auf Australien! Es ist dein Abenteuer, dein Leben, dein Moment. Genieße ihn jeden Tag, grüß mir das wunderschöne Brisbane, die magische Fraser Island und die Gold Coast. Hüpf mit den Kängurus um die Wette, lass dich einfach verzaubern von dem wunderschönen Australien! Eine gute Reise wünscht dir,

    Anke

    1. Liebe Anke, vielen, vielen lieben Dank für deinen Ratschlag. Du hast so recht und doch vergisst man vieles manchmal. Bei meiner Mama war es früher auch immer so, dass wir nie im Streit ins Bett gehen durfte. Es musste vorher immer alles wieder gut sein :)

  3. Liebe Christine,
    vielen Dank für diesen tollen und sehr offenen Artikel. Ich finde es toll, dass du den Mut hattest so ehrlich darüber zu schreiben. Vor allem auf einer öffentlichen Plattform.

    Da ich auch solche Ängste kenne, würde ich mich gerne mal per Mail mit dir austauschen, wenn du magst.

    LG Alex

  4. Hallo Christine,
    ich kann Deine Angst komplett verstehen. Ich muss zugeben am Anfang von Deinem Post habe ich gedacht „Wovor hat DIE denn Angst?“ Ich hab schon viele Posts von Dir gelesen und konnte mir da nicht vorstellen, dass Dir irgendwas vor einer dreiwöchigen Australienreise Angst machen könnte. Aber diese Angst verstehe ich komplett. Ich selbst habe diese Angst auch wenn ich mich für längere Zeit verabschieden muss, zum Beispiel zum Auslandssemester auf Bali. Da hab ich mir auch gedacht, dass in sechs Monaten so viel passieren kann, meiner Oma geht es ohnehin schon lange nicht sehr gut. Damals war meine größte Angst auch, dass jemandem etwas passieren könnte wenn ich weg bin … Ist zum Glück nicht passiert. Und ich hoffe, dass es das auch nie wird!!!

  5. Hallo Christine,

    Ganz interessant, die gleiche Angst hattr ich auch, aber nur vor Australien. Irgendwie wurde ich vor meiner Reise noch krank, Expedia strich mir meinen Flug grundlos… und irgendetwas sagte mir in meinem Kopf, dass ich nicht fliegen sollte und dass ich nir wieder zurück komme, aber dem war nicht so ( ausser das ich beim Hinflug ein Riesen Gewitter von weitem sah…
    Aber du wirst ne gute Zeit haben, versprochen ;)

  6. WOW, erst einmal großen Respekt, dass du dir das alles in deinem Blog von der Seele schreibst.
    Ich muss sagen, dass ich selber häufiger darüber nachenke wie es wäre, wenn ich nicht zu Hause bin und Menschen die mir nah stehen etwas zustößt. Bei mir kommt ja noch hinzu dass ich grade 4-5 Tage auf dem offenen Meer sein könnte und keine einzige Chance hätte nach Hause zu gelangen.
    Als ich damals in Neuseeland war ist ein Bekannter von mir und mein Patenonkel im selben Monat gestorben. Aber ich hatte liebe Menschen um mich rum die mich in den Arm nahmen.
    Ich weiß auch, dass meine 92 Jahre alte Oma irgendwann einmal nicht mehr sein wird, wenn ich wieder komme. Das wird mir auch weh tun, aber ich verabschiede mich jedes Mal aufs neue von ihr, wenn ich aufbreche.
    Was mir die Angst letztendlich nimmt? Das Wissen, dass alle, die mir nahe stehen hinter mir, meinen Reisen, meiner Arbeit und meinen Träumen stehen und glücklich für mich sind.

    Liebe Grüße
    Mel

  7. Angst vor Veränderung hat wohl jeder. Es ist klar, dass sie im Zusammenhang mit dem Tod Deiner Oma um so größer ist. Aber diese Verknüpfung denkst Du Dir selbst; wie viele Urlaube, Ausflüge hat es schon gegeben ohne dass jemand gestorben ist? Du gehst nur für drei Wochen- Du wirst wiederkommen! Dann brauchst Du nicht verärgert oder traurig zu sein, weil Du Dir das Abenteuer Australien nicht gegönnt hast. Ich wünsche Dir viel, viel Spass!
    Bärbel.

  8. Fast jeder Mensch hat diese Ängste und diesen `Kontrollwahn´. Das Reisen kramt diese ungesunde Eigenschaft hervor und zeigt dir sehr deutlich was andre Menschen sehr unbewusst erleben. Wir bauen uns unsere Comfortzone auf und meinen damit alles beeinflussen und kontrollieren zu können. An dieser Stelle fehlt es uns an Vertrauen und Liebe. Die Veränderung an sich ist intelligenter und größer als diese kleine subjektive Welt in der dein Kopf sich Sorgen um eine ungewisse Zukunft macht.

    Ich möchte dir noch eine Geschichte mit auf deinen Weg geben:
    `Eine Reisegruppe in einem fremden Land heuerte eingeborene Fährtenleser an. Irgendwann fuhren sie zusammen mit einem Zug weiter und als sie ausstiegen verweigerten die Eingeborenen weiter zu reisen. Ihre Begründung hieß; Wir sind nun so schnell vorangekommen, wir müssen warten bis unsere Seele hinterher kommt.´

    Gute Nacht.

  9. Liebe Christine,
    ich kann das so gut nachvollziehen. Und ich bin ehrlich gesagt froh, dass es dir auch so geht. Das ist irgendwie beruhigend :) Und schön, dass du gegen deine Angst angehst – denn am Ende zahlt es sich ja immer aus! Ich wünsche dir ganz viel Spaß auf deine Reise!

  10. Liebe Christine,
    ich kenn die Frage nach dem warum, besonders wenn geliebte Menschen gehen. Ihnen ist man auch nah, wenn Du auf der anderen Seite der Welt stehst. Das Gefühl dort dann alleine zu sein ist wahrlich nicht schön, ich stelle mir dann vor, ein Teil ihrer Seele sitz bei mir auf der Schulter.
    Was deine Angst angeht, durch gegenankämpfen gibts du ihr Größe und Aufmerksamkeit. Nimm sie an als Teil von dir, der dir Wachsamkeit und Demut zeigt. Die Angst gehört zum Leben, sie gibt der Mut Kraft zum Handeln.
    LG Eric

  11. Ich schreib sonst sehr, sehr selten Kommentare… Ich bin auf deinen Artikel auf Facebook gestoßen. Ich wurde zu Tränen gerürhrt. Jetzt verstehe ich meine eigene Angst besser. Du bist damit nicht allein. Als ich auch vor etwa 15 Jahren im Cluburlaub mit meiner Mutter war, hat meine Oma damals ihren Hund eingeschläfert. Dieser Hund war mein liebstes Familienmitglied, weil meine Familie etwas grausam ist/war, aber der Hund mir immer beigestanden ist. Derzeit hat sie einen anderen Hund, aber der ist schon fast 15 Jahre alt und schon taub und leicht blind. Dieser Hund war in meiner Teenagerzeit meine einzige „Bezugsperson“, der mich nicht verurteilt, beleidigt, erniedrigt hat und immer für mich da war. Anfang Juli stand bei mir auch eine dreiwöchige Reise bevor, ein Roadtrip in den USA mit Zielen wie Seattle, Yellowstone, Denver, Utah, San Francisco. Und ich hatte kaum Vorfreude, wollte es aber niemandem sagen, da ich auch der Meinung war, sie würden mich alle für verrückt halten, weil jeder von so einer Reise träumt! Jetzt verstehe ich erst, wieso ich solche Angst hatte. Danke für diesen Beitrag!

    1. Gerne. An den Verlust meines ersten Hundes muss ich auch noch so oft denken. Es war auch so eine große Bezugs“person“ die mich ab meinem 8. Lebensjahr 14 Jahre begleitet hat…

  12. Was für ein ehrlicher Beitrag. Sehr schön zu lesen dass wir doch alle nur Menschen sind, die auch Ängste und Sorgen in sich tragen – egal wie gut es uns objektiv betrachtet.

    Ängste und Sorgen muss man nicht immer klein reden oder niederringen um mit Ihnen Leben zu können. Du kannst sie auch einfach mal akzeptieren, sie dulden. Manche Dinge kannst man nicht beeinflussen, du kannst dich drehen und wenden wie du möchtest, du kannst dir unzählige Gedanken machen und Szenarien ausmalen… Aber! Am Ende kommt muss man es sowieso nehmen wie es kommt. Falls jener Fall dann doch eintreten sollte, dann muss man eh spontane individuelle Entscheidungen treffen. Aber die Gedanken die machen sich im Falle des Falles machen muss, die kann man sich auch erst machen wenn es tatsächlich soweit gekommen ist… Alles andere davor, ist der Drang auf alles und jede Situation vorbereitet zu sein. Vielleicht gibt es einem auch das Gefühl von Kontrolle. Aber das ist nur eine Illusion.

  13. du scheinst mir recht interressant zu sein; kennst fast die ganze welt;
    also jemand der in israel wohnt, wuerde dich wahrscheinlich schon interssieren, um deine reiche wissenschaft zu erweitern
    herzliche gruesse
    jonny

  14. Danke für diesen ehrlichen Artikel! Ich denke so gefühlvolle Texte können wirklich die meisten verstehen. Man erkennt sich selbst darin wieder. Akzeptiere deine Angst, lass sie da sein, kämpf nicht dagegen an. Das macht es sonst noch schwerer. Jeder hat so mit seinen eigenen Ängsten zu kämpfen, es geht letztendlich nur darum wie man damit umgeht. Du schaffst das! Vertrau darauf, dass alles zu deinem Besten geschieht :)

    Ich wünsche dir eine wundervolle Zeit in Australien!

    Hugs,
    Linda

  15. Liebe Christine,

    Solche Ängste sind ganz normal und sehr menschlich, vor allem wenn man so etwas erlebt hat wie Du. Auch wenn Außenstehende das nicht nachvollziehen können, wenn sie es nicht aus eigener Erfahrung kennen. Ich z.B. hatte jahrelang massive Prüfungsangst, die nach etlichen Seminaren und Workshops dazu zwar ertragbarer aber eben nicht weg war. Die Anderen kamen mit der gleichen Situation scheinbar locker klar, die mir den Schlaf raubte. War die Prüfung erst mal da: kein Problem. Aber die Wochen vorher!!
    Das ist genauso „unlogisch“ wie Angst vor einer Reise und Angst, dass hier etwas passiert, während man weit, weit weg ist.

    Inzwischen habe ich die Prüfungsangst gelöst –viel leichter als ich dachte– mit der wingwave-Methode. Hätte ich das mal früher gewusst (deshalb schreibe ich das hier auch)! Entdeckt wurde diese Methode zunächst für die Trauma-Behandlung. Sie beruht auf dem einfachen Zusammenhang, dass sich während der nächtlichen REM-Phasen die Augen schnell von links nach rechts bewegen („Rapid Eye Movement“). In diesen Traumphasen werden unsere Tageserlebnisse verarbeitet und im Großhirn abgelegt: bildlich gesprochen werden unsere Erlebnisse zu kleinen Paketen verschnürt und ins Großhirn geschickt. Dort angekommen werden sie zu neutralen Erinnerungen. Wenn alles glatt läuft…

    Wenn Erlebnisse aber so groß und „sperrig“ sind, dass sie nicht verarbeitet werden können, bleiben sie im limbischen System hängen und blockieren uns. So lange, bis wir sie eines Tages doch im Schlaf verarbeiten und ins Großhirn transportieren. Die These der Psychologen: Wenn man die Augenbewegung künstlich erzeugen und sie mit unverarbeiteten Informationen koppeln würde, müsste es möglich sein, nicht Verarbeitetes nachträglich zu „verpacken“ und auch wach und bei vollem Bewusstsein ins Großhirn abzuschicken. Inzwischen zählt das sogenannte EMDR zu den bewährtesten Methoden in der Traumatherapie.

    In den letzten Jahren wurde die Methode um einen myostatischen („kinesiologischen“) Test erweitert, mit dem man auch verkapselten Erinnerungen auf die Spur kommt. Mit dieser wissenschaftlich umfangreich beforschten wingwave-Methode, arbeite ich sehr erfolgreich bei Flugangst, Prüfungsangst, Angst vorm Autofahren (u.ä. „isolierten“ Ängsten) und Themen, auf die Menschen aus eigener Sicht irgendwie „übertrieben“ oder „unlogisch“ reagieren – privat oder auch beruflich. Je nach Thema dauert das ca. 3–5 Stunden und führt zu tollen, langfristigen Ergebnissen (weitere Infos unter wingwave.com, dort gibt es auch eine Suche nach Kollegen in der Nähe).

    Hätte ich wingwave während meines Studiums schon gekannt, wären mir viele schlaflose Nächte erspart geblieben… deshalb schreibe ich das hier auch, für Dich und die Anderen, aus deren Kommentaren ähnliches klingt: Das Leben bringt viel Schönes, aber eben auch immer wieder Dinge, die traurig, schockierend, belastend sind und vor denen uns keiner 100%ig schützen kann. Ganz ehrlich: Deine Reiseangst ist kein Grund für eine Therapie – Du bist ja nicht krank im Sinn einer Krankenkasse. Aber es quält Dich unendlich und kann alles andere Schöne blockieren. Es gibt inzwischen richtig gute Möglichkeiten, solche Blockaden zu lösen: auch ohne jahrelange Therapie. Nehmt es nicht als gegeben hin, wenn Euch etwas Angst macht, mit dem Andere scheinbar locker klar kommen! Manchmal sind es so kleine Erlebnisse, die sich verhaken und Euch zu schaffen machen. Vieles kann man schnell und leicht lösen!

    Dir, liebe Christine, wünsche ich eine wunderbare Reise und eine tolle Zeit in Australien! Was Du aktuell machen kannst, wenn Du innerlich „kippst“, habe ich Dir gerade als PN geschickt – sozusagen für Deine „Reiseapotheke“ :-)

    Alles Gute und ich freue mich schon sehr auf Deine Berichte, wenn die Reisefreude wieder die Oberhand hat!
    Liebe Grüße von Juli

    1. Liebe Juli, das hört sich ja mega interessant an! Vielen, lieben Dank für die ganzen Informationen und toll, dass du alles in den Griff bekommen hast!

  16. Liebe Christine – ich glaube Du bist auch ein Mensch wie ich, der immer auf der Überholspur lebt. Du mit Deinen Reisen, ich mit vielen vielen Ausflügen und ständig neuen Ideen. Perfekt – um um seine Ängste drunrumzuleben..
    Aber vielleicht ist es auch mal sinnvoll innenzuhalten und auf sein Bauchgefühl zu hören und sich den Ängsten zu stellen! Haha, super Vorschlag und ich bin das beste Beispiel, dass das nicht immer klappt. Trotz oder vielleicht wegen zwei schwerer Erkrankungen fordere ich das Leben immer wieder heraus. Nicht immer zu verstehen für das Umfeld ;)

  17. Liebe Christiane,
    danke für Deine Zeilen :o) Mein Ziel war New York vor dreißig, vom Freund getrennt, gebucht und los. NY, Boston, Quebeck, Dann wurde mein Vater schwer krank und ich hockte auf der anderen Seite der Welt. Nach vier Tagen war mein Urlaub beendet, Montreal zurück nach NY, da ist der Flieger ausgefallen und ich hockte stundenlang auf dem Flughafen rum, die Uhr bewegte sich nicht vorwärts. Warten, warten, warten. Und immer diese Angst. Nach fünf Tagen war ich wieder in der Heimat. Mein Vater geht es mittlerweile auch wieder gut.
    Dieses Gefühl, was Du beschreibst, ist mir so bekannt. Sachenpacken und aufbrechen ist eine Qual, sobald die Motoren vom Flieger rauschen, entspanne ich :o) Leider können wir im Leben nicht alles im Griff haben, ich weiß, wir hätten es gerne ;o)
    Danke!!!
    Alles Liebe für Australien und gute Reise!
    Ilki

  18. Liebe Christine, Hut ab vor so einer großen Offenheit. Du hast das Herz einfach am rechten Fleck und hast so große Liebe in dir. Und die wird immer über die Angst siegen. Nach meiner Erfahrung setzt sie sich durch. Immer. Man muss dich einfach lieb haben, Christine. 1001 tolle Erlebnisse in Australien. Bin so gespannt auf deine Berichte. Liebe Grüße, der Bielefeld-Martin :)

  19. Wow, toll, danke. Gut dass es auch anderen so geht. Deine Bedenken aufgrund deiner Erfahrung mit deiner Oma kann ich voll verstehen.
    Ich fliege in ein paar Wochen nach Indonesien und Thailand und habe auch schon voll Schiss, aber weniger aus emotionalen Gründen sondern eher dem immigration office, wahrscheinlich aus irrationalen Gründen, oder weil ich schon einmal in der Vergangenheit einen falschen Weiterflug gebucht habe… Ich bewundere, wie du dir deiner Ängste bewusst bist und es dennoch durchziehst. Es ist nämlich so: Mutig und stark sind nicht die, die keine Angst haben, sondern die, die Angst haben und sich von ihr nicht beirren lassen :)

    Alles Liebe

  20. Hey Christine.
    Ein Verlust ist nie einfach, aber sei dir gewiss das deine Oma zu 100% glücklich ist weil sie weiß das du dein leben so lebst wie du es willst. Sie wird es dir nicht böse genommen haben das du nicht da warst.
    Mir ist immer sehr wichtig bevor ich auf eine Reise gehe das es zu dem Zeitpunkt der Abreise kein Streit zwischen mir und einer Person gibt die mir nahe steht.
    So weist du wenn jemandem was passieren sollte (Gott behüte) das er bezüglich dir in frieden von dir geht.
    Und all die Menschen denen du wichtig bist wissen das du dein Leben lebst wie du es willst und glaube mir diese menschen gönnen es dir und denken mit Freude an dich !
    Du bist ein toller Mensch und sowas hier das ist ein wahres Zeichen von stärke!
    GO WILD !

    1. Liebe Kevin, ja das mit der Abreise und dem Streit sehe ich auch schon. Das sollte aber eigentlich schon jeden Abend sein, wenn man ins Bett geht ;)

      1. Ja selbstverständlich.
        Wollte damit jetzt nicht andeuten dass ist sonst immer in Streit lebe :D
        Ich bin glaube ich bin so sehr freundlichste Mensch auf Erden :)
        Sollte mich mal mit jemandem eine Auseinandersetzung haben, versuche ich alles damit um diese wieder aus der Welt zu schaffen.
        Das wollte ich jetzt nur noch schnell los werden :P
        Schönes Wochenende :)

  21. Liebe Christine,
    beim Bloggen bist Du, obwohl über 20 Jahre jünger, mein großes Vorbild. ich mag Deine Offenheit, ich mag Deine Ehrlichkeit, ich mag Dein „Menschsein“. Und das sag ich jetzt nicht wegen meiner „10 Dinge“ (Du weißt schon…), das sag ich, weil mir dieser Artikel sehr nah geht…wie viele andere auch… :-)

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