Lieber Paul,
es fällt mir schwer, diese Zeilen zu schreiben. Und bevor ich es vergesse zu sagen, am Ende dieser Mail, möchte ich es gleich voraus schicken. Es ist der Freitagabend, der an allem Schuld ist. Ich persönlich wäre an einem Montagabend oder Dienstagabend, also alle Tage unter der Woche, niemals auf die Idee gekommen so sentimental zu werden. Bestimmt fragst du dich, was die Heulsuse denn jetzt schon wieder für ein Problem hat und ärgerst dich auch ein bisschen, denn du, du bist doch derjenige, der alles aufgibt. Du packst bald deine Klamotten, die bis jetzt wüst im Schrank rumliegen in einen Koffer um sie dann bald wüst in meinem Schlafzimmer auf dem Boden zu verteilen. Du triffst noch einmal all deine Freunde, auf ein letztes Bier, ein letztes Gespräch, ein letzter Händedruck, bevor ihr auseinandergeht und ja, so kann man es nennen, für dich ein neues Leben beginnt.

Paul

Doch ich will nicht abschweifen. Ich will dir doch erzählen, was deiner Heulsuse wieder durch den Kopf geht, an diesem schrecklichen Freitagabend. Es ist mein letztes Mal. Ich bin das letzte Mal allein in meiner Wohnung. Der Laptop steht auf dem Tisch, im Hintergrund läuft irgendeine Deprimusik, die nicht wirklich zur Verbesserung meiner Stimmung beiträgt und ich sitze da und denke nach. Drei Jahre bin ich von München nach Berlin gependelt, um dich zu sehen. Ich habe versucht mal auszurechnen, wie viele Stunden ich im Zug verbracht habe. Also ich war zweimal im Monat bei dir, das sind 288 Stunden im Jahr, das sind 12 Tage, die ich nur im Zug verbracht habe, um jemanden zu sehen, von dessen Existenz die meisten gar nichts wissen. Ich weiß, einerseits magst du es nicht, in der „Öffentlichkeit“ zu stehen und andererseits rätst du mir immer eine auf „Single“ zu machen, damit ich die notgeilen, männlichen Leser nicht vergraule. Aber mal ganz ehrlich – da scheiß ich drauf und ich glaube, und das habe ich mir gut überlegt, heute muss ich das mal ganz deutlich machen, dass es dich gibt. Es ist ja nicht so, als hätte ich dich erst letzte Woche am Tresen von irgendeiner schmuddeligen Bar kennengelernt und wir befänden uns noch in dem Beziehungsstatus „man weiß noch nicht so genau, was daraus wird.“

Seit 9 Jahren, lieber Paul, erträgst du mich und ich dich und es ist mir jeden Tag eine Freude, einen kleinen hysterischen Anfall zu bekommen und mich über die Klamotten auf dem Schlafzimmerboden aufzuregen, sie wutentbrannt in irgendeinen meiner „Bastkörbe“ zu stecken, damit sie weg sind und mich dann schon auf deine wutentbrannte Reaktion zu freuen: „Bist du wahnsinnig? Da waren gebügelte Hemden dabei. Die kannst du doch nicht in den Korb stecken, die zerkrümpfeln doch.“ Ja, dich gibt es jetzt jeden Tag in meinem Leben.

Alle meine Leser, die aufmerksam meine Bücher gelesen haben, wissen auch schon, dass es dich gibt. Ich weiß nicht, ob es dir auch so geht, aber ich finde es auch komisch, dass auf Facebook immer alle denken man sei Single nur weil man keinen Beziehungsstatus angegeben hat. Ich gebe auf meinem Blog schon sehr viel persönliches preis, was du auch ab und zu nicht verstehen kannst, aber manche Sachen behalte ich gerne für mich, wie eben meinen Beziehungsstatus. Aber jetzt wirst du bald Teil meines täglichen Lebens, was auch eigentlich der Grund ist, warum Freitag ist und ich traurig. Ach, ich bin doch wieder vom Thema abgeschweift.

Seit zwei Jahren wollte ich eigentlich zurück nach München ziehen. Wir haben ausgemacht, dass ich komme. Aber ich schaffe es einfach nicht, weil hier alles ist, was mein Leben am laufen hält: Bekannte, Jobs, Firma, Freunde… Deswegen hast du den Schritt gewagt und hast gesagt, du kommst nach Berlin, obwohl du die Stadt hasst. Ich müsste mich eigentlich freuen und im Dreieck springen, das habe ich auch die ganze Zeit gemacht und damit du es mir glaubst, habe ich ein Video davon gedreht, aber jetzt sitze ich hier in meiner Wohnung, es ist der letzte Freitag, den ich „alleine“ bin und ich bekomme etwas Panik.

„Go wild“, schreibt mir eine Freundin, als ich ihr erzähle, dass heute mein letztes Wochenende alleine zu Hause ist.

Das einzig wilde, was ich gerade tue ist im Schlafanzug eine Schachtel Ben & Jerry Eis auf ex zu essen. Das sind viele, wilde Kalorien, die ich mir anfresse. Ist das Frustfressen? Bei dir wäre es eine normale Tätigkeit, eine Schachtel Eis in dich reinschlingen ohne nur ein Gramm zuzunehmen. Nein, ich tätige kein Frustfressen. Ich beruhige lediglich meine Nerven. Was verdammt ist los mit mir?

Endlich keine sechs Stunden mehr Zug fahren, einschlafen und aufwachen, jeden Tag miteinander. Herrlich, stelle ich mir das vor. Jetzt sitze ich aber hier und habe realisiert, dass ich das letzte Mal alleine an einem Freitagabend in meiner Wohnung sitze und ich komme mir vor, wie der dusselige Charakter in Sarah Kuttners Buch „Wachstumsschmerz“. Ich weiß, dass Buch kennst du nicht und wenn, dann würdest du auch bestimmt über den Titel nicht hinaus kommen. Ich erkläre es dir kurz: Es geht um eine über 30-jährige, die sich in die Hose macht, weil sie mit ihrem Freund zusammen zieht. Ja, und das mache ich auch gerade, in meiner Wohnung an einem Freitagabend mit Eisflecken auf dem Schlafanzug.

Dabei ist es noch nicht einmal unser erstes Mal. Wir haben vor 5 Jahren schon mal zusammen gewohnt, in Bielefeld. Aber die letzten drei Jahre war ich eben alleine und ich glaube, ich bin zum ziemlich egoistischen Eigenbrötler geworden, der immer machen konnte, was er wollte und wann er wollte und ich weiß gar nicht mehr, ob ich anpassungsfähig bin.
Jetzt habe ich, so komisch und wenig theatralisch das auch klingt, Angst, dass sich daran was ändern wird. Ohne Zweifel, du bist mein Held. Du gibst in München dein Leben auf und kommst hier her, in das dreckige Berlin, in dem hinter jeder Straßenecke jemand lauert, der dich niederstechen will. Was ist, wenn es dir hier wirklich nicht gefällt? Was ist, wenn du meine Freunde nicht magst, von denen du über die Hälfte noch nie gesehen hast? Was ist, wenn der Alltag uns zerfrisst? So eine Fernbeziehung ist schon aufregend, der Moment, wenn wir uns zwei Wochen nicht gesehen haben und dann, meistens am Bahnhof, in die Arme geschlossen haben, wunderbar. Ich habe immer noch kurz vorher dieses Kribbeln im Bauch. Diesen Moment wird es jetzt nicht mehr geben.

Ich versuche meine Angst mal zu beschreiben, um sie selber zu verstehen. Aber keine Angst, ich erwarte nicht, dass du sie auch verstehst. Bis jetzt waren wir zwei Vögel und jeder hatte seinen eigenen Käfig. Du bist eher so ein Kanarienvogel und ich ein tropischer Schwalbenschwanzgraugabelpapagei, der immer mal aus dem Käfig hüpft und in der Welt herumfliegt. Jetzt sitzen wir bald beide auf der Stange, müssen uns die Hirse teilen und den Wassertrog. Wir können uns gegenseitig bei der Mauser helfen und uns mit dem Schnabel am Hinterkopf kratzen. Doch irgendwie habe ich Angst, dass ich meine Flügel nicht mehr richtig ausbreiten kann. Das ich nicht genug Platz habe und das irgendwann die Tür aus dem Käfig zu ist.

Ich versuche zu verstehen, was da gerade passiert und um es kurz zu machen, ja das weibliche kurz zieht sich schon über zwei DinA4 Seiten hin – Ich habe Angst, dass ich deine Erwartungen nicht erfüllen kann.

Ich konnte bis jetzt alles in meiner 33 Quadtratmeterwohnung so machen, wie ich wollte. So laut Musik hören, wie ich mochte, die Musik, die du gar nicht magst, aus dem Fenster rauchen, bis spät nachts weggehen, jeder Zeit telefonieren, nachts aufstehen und mich an den Laptop setzen, wenn mir eine grandiose Idee gekommen ist.

Das mache ich gerade alles gleichzeitig, während ich Eis esse und dir eine Nachricht auf Whats App schicke, um ein paar Fragen zu kläre, die mir gerade durch den Kopf gehen:

Ich: „Was ist wenn du schon schlafen willst und ich noch telefonieren mag?“

Du: „Nach 10 Uhr kannst du auf dem Klo telefonieren.“

Na toll, als würde man das nicht trotzdem hören und außerdem habe ich keinen Empfang in meinem Klo.

Ich: „Und was, wenn mir nachts eine grandiose Idee kommt und ich sie aufschreiben muss?“

Du: „Dann tippst du sie in dein Handy, unter der Bettdecke, bitte. Damit ich nicht wach werde. Was ist denn los mit dir?“

Das ist eine gute Frage!

Ich: „Es ist Freitagabend, ich bin allein zu Hause und fresse Eis, dass macht mich etwas depressiv.“

Du: „Kauf dir einen Fernseher. Ich bin gerade im Audi Dome und schau Basketball.“

Du bist emphatisch wie eh und je…

Ich: „Hast du eigentlich irgendwelche Erwartungen an mich?“

Du: „Ja, dass ich jetzt Basketball schauen darf.“

Ich „Aber ich mein doch…“

Ich gebe auf.

Wir sind unterschiedlich wie Tag und Nacht, aber wenn ich etwas in den 9 Jahren gelernt habe, dass das für mich genau das Richtige ist, denn ich brauche jemanden, der mich ab und zu von meinem Kopfkinotrip runterholt und meine Ängste im richtigen Moment gekonnt ignoriert und das richtige zu sagen weiß. 10 Minuten später hast du mir ein Bild geschickt. Ein Bild von uns beiden. Es war im Sommer, wir waren auf einer Hochzeit eingeladen. Ich habe gerade die letzte Runde Flunkyball gewonnen im Team der Braut und war sehr stolz auf meine Leistung. Ich habe meine Hände um deine Hüfte geschlagen, die ungefähr die gleiche Höhe haben und als ich das Foto anschaue, bekomme ich ganz feuchte Augen, denn wir sehen verdammt glücklich aus, weil wir ZUSAMMEN sind.

„Bald gehen wir wieder zusammen aus“, hast du noch geschrieben und das ist gut, denn dann sitze ich nicht mehr allein in meiner Wohnung und mach mir blöde Gedanken, sondern habe besseres zu tun. Mit dir zusammen zu sein.

In Liebe,

deine Christine

50 Kommentare

  1. er hat dich in den letzten jahren fliegen lassen, dann wird er es auch weiterhin tun…. das passiert alles nur in deinem kopf… alles wird gut ;-)

  2. Ich hinterlasse zum allererstenmal einen Kommentar unter so einen Artikel…und zwar weil: Er absolut super ist. Toll geschrieben, beschrieben… Supergeil! Ach so, männlich und hetero ;-)

  3. Das ist tatsächlich ganz schön nah dran an deinem Leben, wunderschön geschrieben und ich kann das zum Teil auch ganz gut nachvollziehen.
    Dit looft, er gewöhnt sich schon an das „dreckige Berlin“, ich hab es auch geschafft.

    Das Beste für euch!

  4. Und ich sitze hier an meinem Schreibtisch und denke „Hach, wie schön, kann eigentlicheine Liebeserklärung im Internet sein. Bestimmt nicht schöner, als diese hier.“. <3 <3 <3

  5. Es wird wunderbar werden. So Gedanken sind ganz normal, und so ein Schritt ist eine Umstellung, am Ende gibts du aber nicht dein altes Leben auf, du bekommst ein neues – im Mix mit deinem alten. Es wird toll! Viel Spaß euch beiden!

  6. Hallo Christine,
    toll geschrieben!
    Ach ja, und da musste du jetzt durch. Bist übrigens nicht die Einzige auf der Welt, die sich darüber, einen Kopf macht. Ist natürlich kein wirklicher Trost. Und, ich gebe zu: von München hierher ist ein großer Schritt. Ich habe ihn auch mal vor etlichen Jahren gemacht und kann deswegen mitreden. Allerdings war es bei mir nicht wegen der Liebe sondern wegen des Jobs. Aber den habe ich auch geliebt. Und ich habe trotzdem ganze zwei Jahre gebraucht, um mit dem Moloch Berlin klar zu kommen. Schließlich ist München dagegen ein Dorf.
    Ach ja, und ich habe vor vier Jahren nochmal für zwei Jahre einen Abstecher nach München gemacht – wieder der Job.
    Ich fand’s immer noch toll. Jetzt bin ich wieder hier. Ist ok so.
    Aber München ist auch toll! Da ist man hin und hergerissen. Aber hier ist ja nicht nur die Stadt, hier bist du und Ihr seid zusammen!
    So schlecht ist das ja nun auch wieder nicht……
    Ich drücke Euch Beiden auf jeden Fall die Daumen, Peter

  7. Hach, wie schön geschrieben.
    Ich wünsche euch eine spannende gemeinsame Zeit. In 3 Monaten wirst du über deine obe formulierten Bedenken lachen und dich über Sachen ärgern an die du nie im Leben gedacht hättest ;-).
    Alles Gute!

  8. herrlich.. genauso sehe ich meine Situation in 5 Jahren und ebenso habe ich (fast) mit meinem Freund in Bielefeld das letzte und einzige mal zusammen gewohnt (sofern ein ständiges hin und her, wohnthaft in der gleichen Straße, keine einzelne Nacht alleine als zusammen wohnen irgendwie sich biegen lässt).. danke für das Teilen dieser Gedanken :) und natürlich wird alles gut :)

  9. Wirklich wunderbar geschrieben. Ich kann Dich total verstehen! Auch ich war ein freiheitsliebender Vogel, immer unterwegs, aber mir hat die Nestwärme gefehlt, die mir jetzt mein Mann gibt. Klar ist es eine Umstellung, aber wie Antonia so treffend gesagt hat „Du gibtst aber nicht dein altes Leben auf, du bekommst ein neues – im Mix“…sieh es als eine Bereicherung..Jetzt verstehe ich auch Deinen Abschiedsschmerz wegen München und so….Was mich jetzt aber schon interessiert, da ich ja Deinen Blog schon seit längerem lese, aber nie so mitbekommen habe, das Du einen festen Freund seit über 9 Jahren hast: Wie hat Euere Beziehung so lange funktionieren können, wenn Du wie in Neuseeland wochenlang weg warst? Ok Toleranz und Verständnis gehört da für Paul auf jeden Fall dazu…aber bei so langen Auszeiten, die Ihr hattet…und Ihr seid ja beide noch recht jung..;.)….waren da nie andere Männer die vielleicht in dem Moment, den Du erlebt hast interssanter ? Oder wie kannst Du an so romantischen Plätzen wie in der Karibik alleine rumtigern, mit dem Wissen, der Paul is alleine in München…ich wäre da vor Sehnsucht glaub ich total durchgedreht und könnte die schönsten Plätze der Welt dann gar nicht so genießen ohne den Menschen, den ich doch so liebe??

  10. Darum mache ich mir auch viele viele Gedanken, da ich auch bald mit meinem Freund zusammen ziehe! Ich kann dich absolut verstehen und fühle mit dir, aber alles wird gut!!!
    Ein wunderbarer Artikel, den du da geschrieben hast.. so ehrlich und persönlich!

  11. Ich könnte es nicht besser ausdrücken als all meine Vorredner. Absolut toll geschrieben! So wunderbar ehrlich, und so viel Gefühl. Leben pur! Von Herzen alles Gute!! :-* Martin

  12. Wünsche euch alles Liebe! Ich finde, es ist schon ein großer Liebesbeweis, wenn jemand für jemanden in eine Stadt zieht, die er eigentlich nicht mag…also gute Voraussetzungen.
    Ich hatte damals mein Leben umgekrempelt und viele neue Dinge gestartet, Leute kennengelernt und dann kam ich mit meinem Freund zusammen. Allein das zusammenkommen hat mir schon Deine beschriebenen Ängste gemacht. Aber letztlich waren ihm die Freiheiten genauso wichtig. Kein Jahr später sind wir zusammengezogen und ich auch aus meiner Stadt weg (aber nicht so weit). Letztendlich habe ich nie was vermisst. Manches kam mir dann überflüssig vor, weshalb es kein Verzicht war und den Rest macht jeder auch heute noch (nach 6 Jahren zusammenwohnen) einfach für sich. Wenn es passt, dann klappts auch und nach so langer Zeit wird es das bei euch sicherlich auch! Jeder weiß, worauf er sich einlässt.
    In den nächsten Tagen bekommen wir ein Kind…und das ruft die gleichen Ängste direkt auch wieder hervor ;-) Aber alles machbar, wenn man will..hoff ich!
    Alles Liebe für euch, Nina

    1. Haha, als ich angefangen haben deine Nachricht zu lesen, musste ich daran denken, ob es mit Kinder bekommen genauso ist. Man stellt es sich schrecklich kompliziert vor, doch dann kommt alles anders. Ich höre gerade das Buch „Unter dem Herzen“ an. Das ist sehr, sehr schön! :)

  13. Christine, vielen Dank für diesen wundervollen Text. Er hat mich sehr berührt, weil ich gerade in einer umgekehrten Situation stecke. Ich lebe nun schon seit knapp 2 Jahren mit meinem Freund zusammen und ihn nach langem Single-Leben gefunden zu haben, ist für mich das größte Glück. Mir war es bisher immer wichtig, die Zeit, die nach Erledigung aller Pflichten und Termine noch bleibt gemeinsam zu verbringen. Doch stelle ich nun verstärkt fest, dass ich damit zu viel von mir selbst aufgebe und ihn einenge. Daher habe ich jetzt angefangen mir zu überlegen, was ich früher gerne gemacht habe und ich will es zukünftig wieder vermehrt tun, um ich selbst zu sein. Mein Freund ist so ein toller Mensch, dass er meine zu große Nähe geduldig ertragen hat und mich auch jetzt unterstützt, mich von ihm „loszumachen“. Ich kann ich sehr gut nachvollziehen, dass du aufgeregt bist wegen der bevorstehenden Veränderung. Aber wie du an anderer Stelle schreibst, ist Veränderung wichtig und deshalb nehme ich diese mit voller Kraft in Angriff. Ich wünsche euch alles Gute für die Zeit zusammen in einer Wohnung.


  14. hälst mich nie zu fest. 
    Ich kann bei Dir Ich selber sein 
    und weiss, das Du mich lässt. 
    Schick mich einfach los, die Welt entlang. 
    Mein Herz ist wie ein Boomerang. 
    Es kommt doch immer wieder bei Dir an. 

  15. Du fängst mich auf und lässt mich fliegen, 
    hälst mich nie zu fest. 
    Ich kann bei Dir Ich selber sein 
    und weiss, das Du mich lässt. 
    Schick mich einfach los, die Welt entlang. 
    Mein Herz ist wie ein Boomerang. 
    Es kommt doch immer wieder bei Dir an. 

  16. Ich stehe auch bald vor diesem Vorhaben, mit meiner Freundin zusammen zu ziehen.
    Jetzt wo ich es realisiere, hab ich schon ein bisschen Panik.
    Jedoch ist es bei mir zumind. in einer gewissen Sicht anderst.
    Ich war ca. 7Jahre lang alleine zuhause. Hatte alle meine Freunde aufgegeben.
    Ironischerweise lernte ich es sehr zu geniessen, alleine zu sein. Ich konnte im Internet von morgens bis abends surfen soviel ich wollte; lernte sogar ein bisschen English, erfuhr viel über die Aquaristik, über das Möbelbauen, über das Fotografieren, Photoshop und der gleichen. Vieles, Vieles. Auch sehr viele Solo-Ausflüge mit meinem Roller; Stundenlang fuhr ich oft in andere Städte, mit meinem Roller, um einfach meinen Alltag am Sommer zu geniessen. Ich genoss sogar selten das alleine Sonnenbaden, obwohl ich nicht der Typ dazu bin, alleine irgendwo oben ohne auf einem Badetuch zu liegen um braun zu werden.
    Ich plante meinen Alltag immer selbst, und nach all den Jahren geniesste ich es irgenwie regelrecht. Es war wirklich eine art unbezahlbare Freiheit.
    Kein Streit mehr mit Freunden, Meinungsverschiedenheiten, alles konnte ich auf Ego-Basis geniessen, von Morgens bis am Abend. usw. usf.
    Ich hatte soviel Zeit, das ich regelrecht mir Dinge beibringen konnte, die ich nie gelernt hätte, hätte ich nicht soviel Zeit für mich gehabt.

    Etwas was ich sehr genoss, war eben vorallem, das ich keine Freunde mehr hatte.
    Das klingt erstmal eigenartig. Aber wenn man viele Freunde hatte, mit dennen man immer Ausseinandersetzungen hatte, oder oft mal blöd zuschauen musste, wie sie andere in der Stadt auslachen, wärend du daneben stehst und dir denkst: „Meine Fresse, was habe ich nur für Arschlöcher als Freunde“.
    Dann geniesst man plötzlich dieses Leben ohne Freunde.
    Man kommt Nachhause am Abend oder Nachmittags, und ist nie mehr verärgert, weil man eine blöde Meinungsverschiedenheit mit einem Kollegen hatte.
    Viele Menschen wissen garnicht, wie schön das ist/sein kann, wenn einem das bewusst ist, das man auch so leben kann.
    Klar, man hat niemand mit dem man die Freuden teilen kann und zusammen lachen kann.
    Aber mal ehrlich, wenn man kreativ genug ist, findet man auch im Internet unterhaltungen und das Texte teilen mit anderen und lach Momente, die einem lachende Minuten schenken.

    Es ist und war so schön.

    Jetzt, nach 7 Jahre alleine sein merkte ich jedoch aber trotzdem, das es irgenwie (obwohl ich es irgendwie trotzdem noch weiterhin genoss alleine meinen Alltag für mich zu haben) einfach was fählt. Nach 7 Jahren genuss dieser Stille und absoluten Freiheit, merkte ich trotzdem eine art hohler Leerraum.

    Ich hatte das früher zwar auch, dieses Gefühl zwischendurch, selbst als ich noch Freunde besasss und es Tage gab wo es mir langweilig zwischendurch alleine zu hause war. Aber die Freunde sah ich dann ja bald wieder.
    Aber als ich diese 7 Jahre genoss, mit einem anderen Blickwinkel zum eigenem Leben, fühlte ich dieser hohler Leerraum garnicht mehr wirklich. Ich genoss nämlich wirklich die postiviten Seiten am Ego-Leben.

    Doch eben, nach diesen ca. 7 Jahren machte sich schleichend aber doch klar bemerktbar, das 7 Jahre alleine sein wirklich eine sehr, sehr lange Zeit war, so Einsam sein Ego zu geniessen.
    Wie der Zufall es so wollte, lernte ich genau in dieser Phase spontan eine Frau kennen und kamm dann sogar mit ihr zusammen (göttliche Vorhersehung? Keine Ahnung. War aber wirklich schreg, dieser Zufall).

    Jetzt, nach einer Zeit mit ihr, in der Beziehung, haben wir geplant nun zusammen zu ziehen. Und ich fühle wieder diese Errenung des Ego-Lebens; Dieser Genuss, der wirklich sehr schöne Seiten ansich hatte. Diese Freiheit ist einfach unbeschreiblich, auch wenn viele das nicht nachvollziehen können.
    Naja, jedenfals habe ich auch ein bisschen Angst, jetzt mit dieser neuen Frau zusammen zu ziehen. Ich merke nämlich immer wieder, wie sehr ich noch gerne lang mit meinem laptop im Bett (sie daneben, bereits am schlafen) noch rumhänge, bis ich spät erst müde werde.
    Es ist der alte Genuss des alleins sein und tun und lassen können was man will.
    Ich kann dieses Ego-Verhalten zwar immer noch genug geniessen bei ihr, wenn ich bei ihr oft schlafe jetzt, wenn ich bei ihr zu Besuch bin. Aber ich habe halt jetzt schon ein bisschen Angst, wie das denn aussieht wenn wir zusammen wohnen, offiziel.
    Jetzt kann ich noch im schlimmsten Falle sagen: „Für heute will ich nachhause, in meine 2 1/2 Zimmer wohnung. Aber wenn wir zusammen ziehen, kann ich nirgends mehr wohin.
    Deshalb haben wir ausgemacht das jeder sein Zimmer hat, zusammen mit einem Büro/Gästezimmer und einem Wohnzimmer (also eine 4 Zimmer wohnung).
    Die Idee war von mir und wir haben das auch so ausgemacht.
    Ich werde trotzdem dann fast täglich eher in ihrem Zimmer schlafen, Nachts.
    Das Zimmer/mein Zimmer ist einfach dafür gedacht, das ich all meine Ego-Sachen da drin habe (inkl. ein „Notbett“). Und es soll auch dazu dienen das ich mich mal zurück ziehen kann, und sie natürlich in ihrem Zimmer auch.

    Und trotzdem; Ich habe ein bisschen Angst.
    Was wenn mich der Lärm im Wohnzimmer stört, wärend ich in meinem Zimmer mal rumchille und meine Ego-Stunden will?
    Es ist halt nicht das gleiche, wie wenn man eine ganze Wohnung für sich Ego-Mässig hat.

    Oder was wenn Sie jemand einladen will und ich genau an diesem Tag kein Bock habe, diese Einladung schon wieder zu sehen, sie aber Geistig und Launisch Topfit sich fühlt an diesem Tag und Besuch begrüsst.

    Solche Ängste habe ich einbisschen.

    Trotzdem will ich als Fazit sagen:
    Ich bin jetzt oft bei ihr zuhause, und schlafe manchmal sogar bereits Wochen bei Ihr, jeden Tag.
    Und nach all dieser Zeit, kann ich sagen, das trotz allem, immer wieder Tage kommen, wo sie draussen ist, im Ausgang, mit zb. einer Kollegin (zb. spazieren geht), und ich wirklich mal ein paar Stunden für mich alleine bei ihr Zuhause habe.

    An alle also, die Angst vor dem zusammenwohnen haben:
    Seht auch diese Momente die kommen werden, wo sie keine Zeit hat für dich (also der Partner keine Zeit hat für dich); Zb. wenn sie mal länger arbeitet als du, oder andere Arbeitsstunden hat als du.
    Wo du früher zuhause bist als sie, oder wo sie mal mit ihrer Kollegin und ihrem Hund spazieren gehen will.
    Oder Sie mal zur Hausärztin gehen muss und du deshalb wieder zuhause alleine die paar stunden geniessen kannst.

    Ich denke, man macht sich zuviel Angst, vorm zusammenziehen.

    Trotzdem halte ich es für absolut wichtig, das jeder ein eigenes Zimmer bekommt, zusammen mit einem Wohnzimmer, eine Küche und villeicht sogar noch ein Bürozimmer oder Gästezimmer.
    Und noch besser, wenn möglich: Eine Wohnung mit zwei WC’s.
    Und das man natürlich auch ausmacht, das man nicht immer lust auf das hat was der andere tun will. Sei es nicht die selben Serien im TV gucken.
    Oder das man mal einfach ein warmes Bad nimmt und so für ca. eine halbe stunde oder 3/4 Stunden in ruhe alleine im Bad ist.

    Ich denke, wenn man das alles so sehen kann, muss man nicht wirklich Angst vor dem zusammen ziehen haben.

    Trotzdem sollte man sich im klaren sein, das zusammenziehen auch bedeutet zu teilen sein leben mit dem Partner.
    Frau läd zb. ihre Eltern mal ein, zum Essen. Usw. usf.
    Aber seht es positiv: Ihr bekommt auch was zurück.
    1.) Euch ist nie langweilig.
    2.) Ihr habt jemand den ihr küssen und kuscheln könnt (naja, und wenn ihr so wollt: Eure Geilheit auch geniessen könnt *lol*)
    3.) Ihr könnt euch mal bekochen lassen (und müsst nicht immer alleine was kochen).
    Ihr könnt als Gegenleistung dann auch mal kochen. Der Punkt ist aber: Ihr werdet auch mal bekocht. Trotz allem gilt dieser Punkt auch.

    Das alles und noch einiges mehr hat man alles nicht, wenn man alleine ist.

    Deshalb sage ich byebye an die alte Ego-Zeit. Es war wirklich eine Erfahrung für sich und unbeschreiblich auch als Genuss absolut positiv zu bewerten.
    Aber wenn an aufrichtig und ehrlich zu sich selbst ist, hat auch das Jemand haben, seine positiven Seiten. Man darf einfach nicht vergessen, das es nicht nur ein verziechtendes Leben ist, das man eingeht, sondern auch ein etwas erhalten-Leben ist.
    (sofern man auch schaut dass das Ego-Leben nicht ganz dabei untergeht).
    Also seit erfinderisch und logisch und das zusammen Leben mit seinem eigenen Ego und das teilen seines Egos mit jemanden anderem kann sicherlich sehr gut funktionieren und das Leben vielleicht schlussendlich Erfüllter machen.

    In diesem Sinne
    Viel Glück in euren Beziehungen und mit dem Zusammenwohnen.

    PS. Wer glaubt immer im recht zu sein und glaubt schwach zu sein und mal unrecht zu haben sei eine Schwäche, dem stehen Probleme schon bevor.
    Was über sich selbst zu lernen und was zuzugeben ist eine Stärke und eine Eigenentwicklung der eigenen Intelligenz zur Eigenerkenntnis und Wahrheit ansich.
    Dies nur als kleiner Tipp (ANMERKUNG: Klar, dazu muss der Gegenüber auch diese Einstellung verfolgen, sonst wird es schwer *smile*). Trotzdem liegt es auch an dir.

    1. Vielen, lieben Dank für deine vielen Worte. Wirklich sehr, sehr interessant! Ich verstehe dich sehr, sehr gut. Aber wir wohnen jetzt sich schon fast zwei Jahre zusammen und es wird immer schöner :)

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