Ich habe mich schon immer gefragt, warum Menschen freiwillig in einer Hütte aus Eis und Schnee schlafen und Geld für eine Iglu Übernachtung ausgeben. Jetzt weiß ich warum: weil es so mit das Kitschigste und Romantischste ist, was man überhaupt machen kann.

Iglo-Übernachtung

Eine Iglu Übernachtung auf einem Gletscher von knappen 3000 Metern im fetten Schneesturm ohne jegliche Aussicht auf eine baldige Abholung zu haben, ist am Anfang nicht ganz so super. Umso besser macht es dann entweder die Aussen-Sauna, die man durch den drei Meter hohen Schnee locker erreichen kann oder ein Warmwasserpool.

Das große Ziel des Tages war die ‚Bella Vista‘ oder ‚Schöne Aussicht‘, eine Schutzhütte, die auf 2845 Meter zwischen 3000 Meter hohen Gletschern wie eine Oase im Nichts auftaucht. Hier gibt es auf drei Etagen verschiedene Zimmer: vom schnuckeligen Doppelzimmer, über Mehrbettzimmer bis hin zum großen Bettenlager für die harten Wanderer. Das Team ‚Schöne Aussicht‘ versorgt alle Gäste immer mit ordentlich Tiroler Spezialitäten, bevor es dann raus in die Kälte zur Sauna geht.

Die Sauna wurde frisch aus Lappland eingeflogen und steht inmitten von Schneebergen direkt vor der Hütte. Das Abkühlen ist hier unglaublich einfach: Tür auf, stolpern, rein in den Schnee. Neben der Sauna steht dann noch ein schöner runder Warmwasserpool und die zwei Iglus, die gemietet werden können.

Ich war noch nie so wirklich ein Winterfan und ziehe das Meer und den Strand locker Bergen, Schnee und vor allem Sturm vor. Von einer Iglu Übernachtung war ich immer weit entfern. Das hat sich allerdings an meinem Wochenende im Ötztal ein wenig geändert.

Für vier Tage ging es für mich also in das Meraner Land wo ich nicht nur auf den Spuren von Ötzi durch den Schnee marschierte, sondern auch erste Snowboardversuche machte. Das Highlight war jedoch eine Schneeschuhwanderung, die mich an meine eigenen Grenzen brachte. Vier Stunden auf und ab durch den Schneesturm und in 3000 Meter Höhe ist sicher nicht einfach. Bedeutend schwieriger wird es dann noch, wenn man einfach nichts sieht und noch nicht einmal weiß, ob es bergauf oder bergab geht. Danke, lieber Schneesturm! Da half nur noch eine Iglu Übernachtung als Belohnung.

Schutzhütte

Nach der vierstündigen Winterwanderung durch die Gipfel des Meraner Lands und völlig vereist und mit eingefrorenen Augenbrauen ging’s dann endlich auf die ‚Bella Vista’, der ‚Schönen Aussicht’. Eine Knödelladung und eine heiße Schoki später ging es dann in die Sauna neben der Hütte. An dieser Stelle muss ich zugeben: Schnee tut weh. Locker mit Schlappen von der Hütte in die Sauna rennen sieht einfacher aus, als es ist und schmerzt. Genauso läuft es auf dem Weg von der Sauna in den Pool ab, auf dem man dann gerne mal bis über der Schmerzgrenze des eigenen Körpers im Schnee steckt. Auch wenn es unglaublich toll ist, zumindest in Gedanken, ist es nicht angenehm im Bikini und mit lockeren Flip Flops durch mindestens 1,5 Meter hohem Schnee zu rennen, um einen Pool zu finden, der a) mit einer Schneedecke bedenkt ist, und b) kein Wasser enthält. Man, war das enttäuschend. Und kalt. Umso weniger ansprechend war dann der Gedanke daran eine Iglu Übernachtung zu haben.

Man stelle sich einen Schneeberg im Nirgendwo vor. Dieser besitzt eine kleine Holztür, die freigeschaufelt werden muss da der Schneefall so stark war, dass alles in unmittelbarer Nähe unter einer weißen Decke verschwunden ist. Einmal drin kommt man aus dem Staunen nicht mehr raus.

Auf einem Eisbett liegen zwei Matratzen mit Schafsfell, damit es auch richtig warm bleibt bei der Iglu Übernachtung. Rechts in der Eiswand wurde ein Loch geschnitzt, in dem jetzt eine Kerze umrundet von rosa Rosenblättern thront. Das war allerdings noch lange nicht alles. Direkt am Kopfende des Betts wurde der ‚Nachttisch’ mit flackernder Lichterkette in Szene gesetzt und damit es auch richtig romantisch wird, durfte die Flasche Sekt im Korb auf dem Tischchen nicht fehlen. Im charmanten orientalischen Duft konnte ich dann mein Glas Sekt im Partnerschlafsack auf Schafsfell genießen und dachte mir ich bin im falschen Film. Ich übernachtete tatsächlich in einem Iglu; einer Schneehöhle, die von innen an einen marokkanischen Palast erinnerte, den ich eine Woche vorher noch bei 20 Grad in Marrakesch gesehen habe.

Während ich noch im Staunen war und mich wunderte, warum mir einfach nicht kalt wurde, obwohl ja wirklich nur Eis um mich herum war, kam das größte Problem: wie und wo gehe ich denn jetzt auf die Toilette? Dabei muss man bedenken, dass draußen immernoch der größte Schneesturm herrschte, wir -15 Grad hatten und der Weg zur Hütte durch 3 Meter hohem Schnee führte. Mein kurzer Gedanke an die leere Proseccoflasche wurde schnell verworfen und so schmiss ich mich in die Snowboardsachen und stapfte zurück durch den Schnee in die Hütte. Definitiv das größte Gegenargument zu einer Iglu Übernachtung.

Nichtsdestotrotz kann ich jetzt mit Sicherheit sagen, dass eine Nacht im Iglu alles andere als kalt oder unangenehm ist (wenn man den Toilettengang weglässt). Der morgendliche Weckruf mit Tee macht die Sache dann noch einmal um Längen besser, auch wenn man wiederum ausgeschaufelt werden muss, um überhaupt die Nachtbleibe verlassen zu können.

Fazit zur Iglu Übernachtung: Wer Kitsch mag, wird es lieben und wer nach einer spannenden Unterkunft für die Nacht sucht, sollte vor dem Igluschlaf ein Klo aufsuchen. Für die Paare ist das sicher eine tolle Angelegenheit sich romantisch auf Fell unterm Eisdach zu kuscheln und eisgekühlten Prosecco zu genießen. Ein Iglu ist allerdings kein super komfortables, flauschiges Bett. Alles in allem also ein eher kitschiges Erlebnis auf harter Kuschelwiese mit dezentem Romantikfaktor.

Anne-Iglu

Völlig vereist vorm Eingang des Iglus

Sekt-Iglu

Prosecco im Tannenbett – darf nicht fehlen bei einer Iglu Übernachtung

Iglu Übernachtung

Schafsfell, Wollmütze, Eismatratze… alles andere als ein typisches Bett.

Blick-aus-der-Hütte

Der Blick aus der Hütte auf die Iglus, ein dezenter Meter Neuschnee bedeckt die Landschaft

Iglu-Tür

Die gruselige Tür vom Iglu ins Schneechaos, völlig eingeschneit und nicht toilettenfreundlich

Iglu-von-innen

Links die Lichterkette, rechts die Kerze und drum herum rosa Rosenblätter – schön!

Iglu

Potpourri für Orientfeeling und Prosecco zum romantisch-Trinken

romantisches-Iglu

Das Schlafgemach bei der Iglu Übernachtung, definitiv bequemer als gedacht!

Danke an die Marketinggesellschaft Meran und CrossPR für die Iglu Übernachtung im Meraner Schneeparadies.

4 Kommentare

  1. Die Iglu-Übernachtung fehlt mir noch. Aber wenn du beim nächsten Mal weniger Kitsch und mehr Adventure suchst, dann empfehle ich dir eine Übernachtung im Zelt (ebenfalls im Schnee) :)

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