Life in plastic, it’s fantastic? Diesen Satz hat, außer beim Mitsingen des Songs „Barbie Girl“ von Aqua, in den letzten zehn Jahren wohl niemand mehr in den Mund genommen. Dass Plastik ein enormes Umweltproblem darstellt, ist nämlich schon lange kein Geheimnis mehr. Mikroplastik im Speziellen ist der neue Feind und deswegen möchten wir euch heute erklären: Was ist eigentlich Mikroplastik? Und wie könnt ihr Mikroplastik vermeiden? Ganz viele Informationen bekommt ihr schon im Video:

Was ist eigentlich Mikroplastik?

Als Mikroplastik werden Plastikstückchen bezeichnet, deren Durchmesser kleiner als 5 mm ist und die nicht biologisch abbaubar sind. Diese winzig kleinen Plastikteilchen befinden sich in unseren Weltmeeren, am Strand und überall und gelangen so auch in die Körper der Lebewesen, die dort leben. Nicht nur Fische sind betroffen, auch 90 % aller Seevögel haben Plastik in ihren Bäuchen, die nicht selten auch zu ihrem Tod führen, wie eine Studie von australischen Forschern herausgefunden hat. (Quelle: WirtschaftsWoche)

Plastik im Meer – wie entsteht Mikroplastik?

Mikroplastik wird in zwei unterschiedliche Arten kategorisiert – primäres und sekundäres Mikroplastik.

Primäres Mikroplastik in Kosmetik, Kleidung & Co

Primäres Mikroplastik befindet sich hauptsächlich in kosmetischen Produkten z.B. als Bindemittel oder Füllstoff in Cremes, als Schleifmittel in Zahnpasta aber auch als Peeling in vielen Duschgels.

Was viele nicht wissen, auch in unserer Kleidung findet sich Mikroplastik, vor allem wenn mit synthetischen Fasern wie Polyester oder Elastan gearbeitet wurde. Diese werden aus Erdöl, Kohle oder Erdgas hergestellt. Wusstet ihr das? Durch verschiedene Prozesse wird das Erdöl für Polyester zu einer fadenziehenden Masse umgewandelt, die dann durch feine Düsen gepresst wird. Die daraus entstandenen Fäden werden dann zur Textilherstellung weiterverarbeitet.

Daran bedenklich ist, dass sich beim Waschen der Kleidung Teile der Fasern lösen. Dieser werden somit als Mikroplastik über das Abwasser der Waschmaschine in die Kanalisation und somit in unsere Meere transportiert. Leider hilft auch die Zwischenstation „Kläranlage“ nicht wirklich. Kläranlagen sind mit Mikroplastik im Abwasser überfordert und können die Teilchen meist nicht zufriedenstellend herausfiltern. (Quelle: Spiegel) Somit sind das geklärte Wasser sowie der Klärschlamm weiterhin plastikbelastet und werden trotzdem weiterverarbeitet. Das Wasser fließt als gereinigtes Produkt wieder aus dem Hahn, der Klärschlamm wird als Düngemittel in der Landwirtschaft verwendet. Auch hier wird er von Kühen und anderen Tieren wieder in den Kreislauf der Nahrungskette aufgenommen. Ein endloser Kreislauf.

Sekundäres Mikroplastik – Müll im Meer

Als sekundäres Mikroplastik werden die Teile bezeichnet, die erst im Laufe des Zerfallsprozess entstehen. Ein gutes Beispiel ist die weggeworfene Plastikflasche, die als Müll im Meer landet. Durch die Sonneneinstrahlung, Wellengang und die Witterung zersetzt sich diese mit der Zeit. Leider bedeutet das nicht, dass sie wirklich verschwindet. Sie zerteilt sich nur in viele mikroskopisch kleine Plastikteilchen. 450 Jahre dauert es, bis eine PET-Flasche sich zersetzt hat. (Quelle: ZEIT) Verschwinden tut das Plastik aber eben nicht, es verteilt sich nur in unserer Umwelt und wird so fürs menschliche und tierische Auge unsichtbar.

mikroplastik vermeiden

Woher kommt eigentlich das Mikroplastik in den Meeren? Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland hat das untersucht und folgende Zahlen herausgefunden:

  • 6 % Körperpflegeprodukte
  • 7 % Straßenmarkierungen
  • 24 % Stadtstaub
  • 28 % Reifenabrieb
  • 35 % (synthetische) Textilien
Mikroplastik vermeiden – Warum ist Mikroplastik so gefährlich?

Plastik befindet sich inzwischen überall in unseren Meeren. Je nach Größe und Gewicht schwimmt es weiter oben oder unten auf dem Meeresgrund. So gelangt es „ganz natürlich“ in die Nahrungskette der dort beheimateten Lebewesen. Ein klassischer Kreislauf wäre beispielsweise: ein Teilchen Mikroplastik befindet sich auf Plankton, dieser wird vom Fisch gegessen, der Fisch vom Meeressäuger, der Fisch vielleicht vom Vogel oder von uns … und so landet das Mikroplastik in unserem Magen.

Aber warum ist das Mikroplastik in unseren Mägen so gefährlich? Mikroplastik ist sozusagen ein Gifttransporter. Durch die Oberflächenstruktur zieht das Mikroplastik giftige Stoffe an, die fettlöslich sind. Mikroplastik kann sich also, mit den giftigen Stoffen wie z.B. Weichmachern (die wie Hormone wirken, wunderbar im Fettgewebe eines Fischs oder Vogels absetzen. Und diese Tiere essen wir dann und nehmen die Stoffe wiederum in unseren Körper auf.

wdc mikroplastik im meer
Quelle: WDC (Whale and Dolphin Conservation)

Krass. Wieso lernen wir sowas eigentlich nicht in der Schule? Und was können wir dagegen tun? Hier kommen sieben Tipps, um Mikroplastik zu vermeiden:

1. Mikroplastik vermeiden = Plastik vermeiden

Jutebeutel, Brotbox und eine auffüllbare Wasserflaschen sollten fester Bestandteil eurer Handtasche werden, um Plastiktüten und PET-Flaschen zu umgehen. Auch beim Einkauf könnt ihr statt einem plastikverpackten Joghurt den im Glasbehälter wählen oder direkt in Unverpackt Läden einkaufen gehen, um komplett auf Plastikmüll zu verzichten.

Mikroplastik vermeiden – 2. Kleidung ohne synthetische Fasern kaufen

Am besten ist es natürlich, Second Hand oder ökologisch produzierte Kleidung zu kaufen. Wenn das nicht möglich ist, dann achtet darauf, aus welchen Fasern eure Kleidung hergestellt wird. Natürliche Fasern wie Baumwolle, Wolle oder Hanf sind beispielsweise super. Wenn ihr Sportkleidung kauft, die meist aus synthetischen Fasern besteht, dann wascht diese besonders selten und wenn, dann in einem speziellen Waschbeutel, der das Mikroplastik vom Abwasser fernhält. Super auch, um nach dem Waschgang mal zu sehen, wie viele Plastikteilchen sonst unbemerkt ins Abwasser gelangen. Hier z.B. GUPPYFRIEND – Washing Bag | STOP! Micro Waste

Aber Achtung! Den Beutel und auch das Sieb von Waschmaschine und Trockner niemals in den Abfluss leeren! Sonst war der Aufwand umsonst.

Mikroplastik vermeiden – 3. Kosmetik ohne Plastik kaufen

Auch wenn es sich erst mal nach einer großen Aufgabe anhört, Mikroplastik vermeiden ist inzwischen gar nicht mehr so schwer. Es gibt so viel Kosmetik ohne Plastik zu kaufen und ein paar Marken möchten wir euch heute vorstellen.

Tipps für Kosmetik ohne Plastik:

  • lavera Naturkosmetik: Peeling ohne Plastik gibt es z.B. von lavera Naturkosmetik. lavera verzichtet komplett auf synthetische Zusätze, Tierversuche oder künstliche Düfte und verwendet stattdessen ausschließlich natürliche Stoffe. Im Peeling ohne Mikroplastik wird beispielsweise mit Kieselsäure- und Jojoba-Peelingkörpern statt Mikroplastik gearbeitet.
  • Weleda Naturkosmetik: Viele Produkte wie Duschgel ohne Mikroplastik gibt es von Weleda Naturkosmetik. Weleda fährt außerdem seit vielen Jahren ein ganzheitlich nachhaltiges Konzept. So stammen 83 Prozent der pflanzlichen Ressourcen, die sie verwenden, aus kontrolliert biologischem oder biologisch-dynamischem Anbau. Ihre Gärten sind natürliche Biotope, frei von synthetischen Substanzen und auch nicht pflanzliche Rohstoffe werden aus nachhaltigen Quellen bezogen.
    Das Motto von Weleda: Die Vielfalt der Natur nachhaltig nutzen und erhalten.
    Besonders toll von Weleda ist auch die Zahnpasta ohne Mikroplastik. Die Zahncremes sind außerdem auch frei von Rohstoffen auf Mineralölbasis und enthalten keine Weichmacher in Verpackungen. Schaut hier: Zahnpasta ohne Mikroplastik von Weleda
  • alverde Naturkosmetik (dm): Besonders die Produkte der Naturkosmetik-Linie von dm sind sehr beliebt, da sie recht preisgünstig sind. Das ist deshalb möglich, da dm auf teure Werbemaßnahmen verzichtet. alverde Naturkosmetik wurde mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis und GREEN BRAND Germany 2012/2013 und 2014/2015 ausgezeichnet.
  • Dr. Bronner’s: Die Firma aus den Vereinigten Staaten stellt natürliche Seifen mit Bio-Rezeptur her. 90 % der Rohstoffe werden im Bio-Landbau produziert. Die wichtigsten Rohstoffe stammen aus Fair-Trade-Handel
  • benecos Naturkosmetik: Hier gibt es eine große Auswahl an dekorativer Kosmetik ohne Mikroplastik.
  • i+m Berlin: Gesichtspflege, Haarepflege und Körperpflege ohne Mikroplastik
  • NONIQUE: Vegane Naturkosmetik (Haarpflege, Cremes und Peelings)
  • SANTE: Haar-, Gesichts-, Zahn- und Körperpflege sowie Make-Up

kosmetik ohne mikroplastik

Wenn ihr euch im Laden einmal nicht sicher seid, ob Mikroplastik in einem Produkt enthalten ist, dann achtet bei den Inhaltsstoffen auf folgende Begriffe:

  • Polyethylen (PE)
  • Polypropylen (PP)
  • Polyacrylat (PA)
  • Polyethylenterephtalat (PET)
  • Nylon-12
  • Nylon-6
  • Polyurethan (PUR)
  • Acrylates Copolymer (AC)
  • Acrylates Crosspolymer (ACS)
  • Polymethylmethacrylat (PMMA)
  • Polystyren (PS)
  • Polyquaternium (PQ)

Noch einfacher geht es mit der App „CodeCheck“. Mit dieser könnt ihr die Kosmetikprodukte checken, in dem ihr die Codes einscannt oder den Namen eintippt. Dort seht ihr auf den ersten Blick, welche Produkte Mikroplastik enthalten. → CodeCheck für Android und iOS kostenlos runterladen.

Der BUND hat außerdem einen Einkaufsratgeber herausgebracht, der Produkte aufführt, deren Inhaltsstoffe einen oder mehrere der beschriebenen Kunststoffe enthalten. → Hier könnt ihr das PDF einsehen und es herunterladen: BUND Mikroplastik Einkaufsführer

Mikroplastik vermeiden – 4. Plastikmüll sammeln

Inzwischen ein klassisches Lilies Diary Ritual bei jeder Reise – Plastikmüll sammeln am Strand. Alles, was nicht im Meer ist, ist schon ein großer Erfolg. Einfach den morgendlichen Spaziergang nutzen und einen großen Müllsack mitnehmen. Wenn jeder Urlauber das tun würde, wären wir schon so einen großen Schritt weiter. Jede Minute gelangt ein Müllwagen voller Plastik in die Ozeane und schon 2050 soll laut Prognosen mehr Plastik als Fische im Meer schwimmen. (Quelle: ZEIT) Lasst uns etwas gegen diesen Plastikmüll-Wahnsinn tun!

mikroplastik im meer

Mikroplastik vermeiden – 5. Plastikfrei spülen und putzen

Die meisten Spülschwämme und Mikrofasertücher bestehen aus Kunstfasern. Bevorzugt deshalb besser biologisch abbaubare Schwammtücher und auch Spülbürsten aus Naturstoffen. Ihr könnt eure Spülschwämme auch einfach aus alten Handtüchern selbst machen. Kaufen könnt ihr diese z.B. hier: Plastikfrei putzen im Waschbär Shop oder im avocadostore.

Hoffentlich werden euch diese Tipps in Zukunft helfen, Mikroplastik vermeiden zu können. Wenn ihr noch weitere Ideen und Anregungen habt, dann schreibt sie uns gerne in die Kommentare!

Mikroplastik vermeiden – Filmtipps:
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Mikroplastik vermeiden
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3 Kommentare

  1. Ein toller Beitrag, vielen Dank!
    Ich verstehe auch nicht, warum wir damals nie solche wirklich wichtigen Dinge in der Schule gelernt bekommen haben… viele Grüße Simone

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