Es fing einmal mit Aufbewahrungsdosen aus Plastik an, entwickelte sich weiter zu Schmuck, Staubsauger und Dessous und endete schließlich in Dildos. Die Frau liebt es sich mit ihren Freundinnen in einer geselligen Runde sich neue Sachen zeigen zu lassen um dann, wie es sich für eine gute Sammlerin gehört, zuzuschlagen und einzukaufen. Früher beschränkten sich solche Abende auf das Ersteigern von Tuppaware. Heute, im Zeitalter von Shades of Grey, lässt man sich lieber das neue Sortiment von allerlei Sexspielzeug vorführen bei sogenannten Dildo-Abenden.

Sexspielzeug

Das läuft folgendermaßen ab. Eine Frau lädt sich eine Horde Freundinnen nach Hause ein, bestellt eine Dildo-Dame mit Koffer und bereitet ein paar Schnittchen vor. Der Prosecco steht natürlich schon lange kalt und mit einem Gläschen in der Hand setzt man sich ins Wohnzimmer. Hier öffnet die Dildo-Dame ihren magischen Koffer und zum Vorschein kommt ein buntes Sortiment an allerlei Spielzeug.

Aber bevor wir uns mit Dildos und Vibratoren beschäftigen, bekommen wir einige Teile der Dessous-Kollektion gezeigt: Das Moulin Straps Set, das Electric Party Girl Dress, das sexy Netz Set und die XXXL Chubby Line. Mit dabei sind auch die Klassiker wie der Perlenstring und die Schnellfickerhöschen. Weiter geht es mit Corsagen, die den Bauch von unten hoch drücken und Handschellen mit den verschiedenen Plüschfarben. Plötzlich nimmt der Abend eine thematische Wende und wir sind bei medizinischen Themen. Viele haben vielleicht schon von sogenannten Liebeskugeln gehört. Die sind eigentlich nicht dazu da, um zu einem erotischen Höhepunkt zu führen, sondern für das gezielte Beckenbodentraining, das der Gynäkologie vor allem nach einer Schwangerschaft empfiehlt. Bevor wir dann endlich zum richtigen Sexspielzeug kommen, zeigt uns die Dildo-Dame vorab die Putzmittel. Ein Nachteil am Sexspielzeug: Im Gegensatz zum Mann, kann sich das Spielzeug nicht selber reinigen.
Und dann wird auch schon alles aus dem Koffer geholt. Das Vibro-Ei mit Wireless Bedienung, Paul und Paulina in der G4 Generation, der „Pink Rabbit“ aus Sex and the City mit Klitorisreizarm in Hasenform und die „Sex in the Shower“-Kollektion, die mich wirklich am meisten überrascht. Es gibt eine ganze Kollektion für das Badezimmer. Dual-Haltegriffe zur Befestigung an glatten Flächen, Handschellen die man an glatte Oberflächen anbringen kann, Saug-Fußstützen, die das Liebesspiel unter der Dusche zum besonderen Erlebnis machen und der Vibrating Sponge.
Es ist wirklich unglaublich, was die Dildo-Dame alles aus ihrem Koffer holt und irgendwann sitze ich nur noch sprachlos mit offenen Mund da. Zum Glück haben wir alle einen emotiontoy-Katalog mitbekommen, den wir zu Hause in Ruhe noch einmal durchschauen konnten. Ich muss sagen, meine Highlights im Sexspielzeug-Segment aus dem Katalog sind:

1. Massagekerzen dessen Wachs sich in Öl verwandelt mit dem man sich gegenseitig massieren kann.

2. Nippelclips für die Brustwarze mit justierbarer Druckstärke

3. Vanille-Caramel-Sahnelikör in Spermaform

4. Blowjob Gutschein für 10 unvergessliche Blaskonzerte

5. Die Liebesschaukel für 257 Euro

6. Das Sex-Tabu-Spiel

Mit diesem Spiel bei dem man Sexbegriffe erklären muss ohne bestimmte Wörter zu verwenden (z.B. das Wort GEIL ohne Sex, Gefühl Lust und heiß) und dem Ausfüllen der Bestellscheine hat der Abend auch sein Ende gefunden. Zwei Stunden haben wir das geballte Wissen der Dildo-Diva übermittel bekommen. Ich konnte es natürlich nicht lassen und habe ein Video gedreht, in dem ich mein neu erreichtes Wissen noch einmal ganz genau erkläre. Nur bin ich mir nicht ganz sicher, ob ihr wissen wollt was ein Sex-Counter ist und wie der Butterfly funktioniert. Ich möchte euch die Entscheidung überlassen. Wenn ich mehr als 40 Kommentare unter diesen Post stehen haben, die sagen: Ja, ich will, dann veröffentliche ich mein Video über Sexspielzeug. Wenn nicht, hoffe ich trotzdem ich konnte euch ein bisschen neugierig machen.

47 Kommentare

  1. Na, die vierzig Kommentare kriegen wir doch wohl noch zusammen, oder? Und ich hoffe doch mal schwer, dass da am Ende nicht wieder der schwarze Balken kommt (von wegen ungünstiger Kameraführung und so…ungünstige Kameraführung – pah…!).

  2. Wie war das nochmal gewesen, deine Mutter liest regelmäßig deinen Blog? Das ist genau einer dieser Momente, wo das Fremdschämen seinen Lauf nimmt. Nicht auf dich persönlich bezogen, sondern darauf, dass deine Mutter alle unsere Kommentare liest und vor allem ihre Tochter hört und liest, wie sie über Sex redet.

  3. Inspiriert von diesem Blog, musste ich mir mal Zeit und Stift nehmen um dieses absurde Phänomen unserer Zeit unter die Lupe zu nehmen. Vor allem, weil die Thematik Tonnenweise Dildobunte Klischees und Lächerlichkeiten hergibt, die so einen Blog erst erstrahlen lassen. Schade, dass Lilie all jene geschickt gemieden hat. Darum hier mal ein Selbstversuch an dem Thema. Strotzend vor männlichem sexismus und sicherlich hassenswert. Aber was sind musische Erzeugnisse, wenn man sie nicht hassen kann? Aber zurück zum Thema:
    Mitte der 90er Jahre galt es als Gipfel der kleinbürgerlichen Spießigkeit, wenn die Muttis unserer Generation zu der temporären Alphamutti pilgerten um sich dort von einer Oberalphamutti, die ein Wochenende hochprofessionelle Verkaufsschulung bewältigt hat, Tupperware andrehen zu lassen. Mit Gallonen an Rotkäppchen-Sekt wurde nicht nur der gesunde Geschäftssinn getrübt, sondern auch die Verpflegung mit trocknen Schwarzbrotschnittchen und Tomate-Mozzarella erträglich gemacht.
    Aber das war damals. Heute wollen die „um-gottes-willen-nicht-“ Mütter natürlich mehr. Der Gedanke an praktische Haushaltsware stößt auf. Die Butterbrottupperdose ein Unterdrückungsinstrument der chauvinistischen Männerschaft. Statt Schnittchen und Caprese gibt es heute Tiefenveganen Salat, mit Drachenfrucht Essig und Champagner aus der Dose. Frau-von-Welt hat schließlich Stil. Nicht nur das: Um sich selbst zu beweisen, was für ein verruchtes Sexmonster sie ist, trifft sie sich heute natürlich nach wie vor beim Alphatier zum Sextoys Abend. Dabei ist die Prämisse gleich: Begleitet von Ooohs und Ahhhs und jeder Menge gedachter, aber nicht gesprochener „Aha“s! zeigt eine selbsternannte Expertin verschiedene praktische Dinge aus Plastik. Heutzutage selbstverständlich aus Ökologisch abbaubarem Superplastik mit lustigen Tierdesigns, damit sich keine der sexuell natürlich ganz offenen Frauen schämen muss die Dinger vor ihren Freundinnen in die Hand zu nehmen. Überhaupt spielt Scham eine große Rolle. Denn die Irrationalität gebietet es, nicht in einen Sexshop zu gehen. Dort verkauft einem womöglich ein fremder Mann (!!!) die begehrten Spielsachen. Die Tatsache, dass sie möglicherweise die 123 Kundin des Tages ist und sofort wieder von dem gleichgültigen Studenten hinter der Kasse vergessen wird, ignoriert die Besucherin von Dildopartys gerne. Stattdessen erwirbt sie ihre Freudenspender lieber im Kreise mehr oder weniger vertrauter Gesichter. Dabei ist dochauch hier klar, dass der Weg des Würmchen Paulchens unvermeidlich ins Dunkel führt. Doch hier liegt vermutlich der Hase begraben. Es geht nicht um das Geschäft oder die Aufrüstung der Nachttisch-Schublade. Ähnlich wie bei der Tupperware, werden hier Hierarchien ausgefochten und Stellungen bezogen. Aus „Wer ist die beste Mutti?“ wurde dank zunehmendem Sexualfeuer aus der Medienkanone „Wer ist am besten im Bett“. Wer viel kauft, wird als Nachzüglicher belächelt, der scheinbar Nachholbedarf hat. Wer gar nichts kauft, gilt entweder als großkotzig, oder frigide. Die Schlacht um die Vormachtstellung der Gruppe wird unter jenen ausgefochten, die gezielt zugreifen.

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