Noch nie war die Welt so transparent, wie sie heute ist. Geheimnisse sind schon lange nicht mehr sicher. Spätestens seit der globalen Spionage- und Überwachungsaffäre des letzten Jahres wird das Misstrauen gegenüber allem immer größer. Vertrauen in die Zukunft, das politische System und in den Nächsten gehören leider nicht zu den großen Konstanten unserer Zeit. Ich finde diese Situation schrecklich. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“ Dieses Zitat hat bestimmt schon jeder mal gehört. Ich frage mich aber nach wie vor, was ich von Kontrolle halten soll? Denn ist Vertrauen nicht die Grundlage jeglicher, menschlicher Beziehung? Oder ist Vertrauen nicht sogar die unverzichtbare Voraussetzung zwischenmenschlicher Beziehungen?

Vertrauen

Was aber ist eigentlich Vertrauen? Ich versuche es so zu beschreiben: Vertrauen bedeutet soviel wie eine unausgesprochene, gegenseitige Vereinbarung. „Danke für ihr Vertrauen“ heißt es oft. Beim Einkauf im Supermarkt, nach und vor jeglicher politischer Wahl oder beim Gang zum Allgemeinmediziner. Beispiele gibt es zahlreiche. „Vertrauen ist der Anfang von Allem“ war der verheißungsvolle Werbeslogan der Deutschen Bank in den 90er Jahren. In meinen Ohren klingt das heute mehr nach Realsatire. Spätestens seit der Finanzkrise ist auch mein Vertrauen in das Finanzsystem gespalten. Aber wem kann man dann eigentlich heute noch vertrauen? Bis vor kurzem war ich noch der Meinung, dass man grundsätzlich jedem Menschen vertrauen kann. Wieso auch nicht, dachte ich mir? Auf der einen Seite mag das naiv sein. Auf der anderen Seite würde ich es furchtbar finden, wenn man nur noch Dinge machen würde, wo man die völlige Kontrolle darüber hat. Doch ich habe mich innerhalb kürzester Zeit sehr getäuscht. Vor fast einem halben Jahr habe ich über das Internet in einer dieser unzähligen Kleinanzeigen-Seiten bei Facebook einen Fernseher verkauft. Auf einen Teil meines Geldes warte ich bis heute. Eigentlich habe ich bisher nie schlechte Erfahrungen gemacht, wenn ich über das Internet etwas verkauft habe. Doch in diesem Fall war ich zu gutmütig. Der Käufer hatte mir mehrmals versichert, dass er das Geld umgehend bezahlen wird. Da ich sehr oft unterwegs bin und mir dachte, dass ich der Person eine Freude machen kann und für den Fernseher sowieso keine Verwendung habe, kann er ihn sofort abholen. Wäre ja blöd, wenn der Fernseher nur rumsteht und nicht genutzt wird, dachte ich mir. Sogar beim Einladen habe ich der Person noch geholfen und sie versicherte mir das Geld gleich zu bezahlen und wünschte mir einen schönen Tag. Schön blöd im Nachhinein: Denn die Person, die den Fernseher kaufte, hat scheinbar weder ein Gewissen noch Geld auf seinem Konto. Zumindest nicht so viel Geld, um sich einen Fernseher zu leisten.

Aber es geht noch schlimmer: Natürlich bin ich sehr skeptisch geworden, nachdem diese Sache mit dem Fernseher passiert ist. Aber ich kann wegen eines Einzelfalls doch nicht alles verallgemeinern, fragte ich mich? Also habe ich nochmal über eine weitere Kleinanzeigen-Seite mein altes Handy inklusive Vertrag verkauft. Und drei mal dürft ihr raten, was passiert ist? Der Käufer weigert sich das vereinbarte Geld zu überweisen, weil er der Meinung ist, das Handy entspricht nicht seinen Vorstellungen. Wie bitte? Und das, obwohl alles im Vorhinein geklärt wurde. Der Käufer hat meinen Vertrag übernommen und ich wollte natürlich, dass er auch das Handy sofort nutzen kann und mir dann das Geld überweist. Ob ich das Geld jemals sehen werde. Ich glaube nicht. Schön blöd soviel Vertrauen zu haben, oder? Es ist ein Kreuz mit dem Vertrauen! Seid ihr auch schon mal in die Vertrauensfalle getappt und habt Euch danach über eure Dummheit geärgert? Ich hoffe nicht.

In Zukunft werde ich mir wohl besser überlegen müssen, wem ich mein Vertrauen schenke. Denn hin und wieder ist Kontrolle tatsächlich besser…

4 Kommentare

  1. Dein Vertrauen in allen Ehren, aber in den beiden genannten Fällen hat das nicht mal viel damit zu tun. Beim Kaufvertrag steht das Recht ja auf Deiner Seite. Also entweder erst den zu verkaufenden Gegenstand abgeben, wenn bezahlt wurde. Oder den Gegenstand zurück fordern, wenn nicht bezahlt wurde.

  2. Wie recht du hast, leider ist es so nur man sieht es den Leuten nicht an
    und das vertrauen wird oft schamlos ausgenutzt
    womit ich auch sagen möchte es sind nicht alle so.

  3. Ja das mit dem Vertrauen ist so eine Sache. Habe ähnliches erlebt. Ich rate dir immer „Vorkasse“! Und solange du Menschen um dich hast, denen du wirklich vertrauen kannst, kann so ein Schlag nicht mehr viel ausmachen ;)

  4. Beim Geld kann man eigentlich niemanden vertrauen. Ausnahmen gibt es natürlich. Aber selbst unter Freunden und Familie wird man manchmal um sein Geld betrogen. Fremden sollte man generell kein Kredit geben. Bei Freunden und Familie ist dann abhängig „Wer“ die Erfahrung zeigt es.

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