Stefan meldet sich wieder zu Wort. Im letzten Artikel hat er über sein bevorstehendes Sabbatical und seine Weltreise geschrieben. Jetzt wird es ernst. Bald geht es los und er beantwortet euch einige Fragen:

Vielen Dank Euch für die positive Resonanz auf meinen ersten Post zur Weltreise. Zugegeben ich war beeindruckt! Es hat mich wahnsinnig gefreut Eure zahlreichen Kommentare zu lesen und dabei festzustellen, dass es vielen sehr, sehr ähnlich geht wie mir. Und ich freue mich, wenn ich den ein oder anderen von Euch bereits so motivieren konnte, dass die Angst vor der großen „Entscheidung“ ein wenig kleiner geworden ist.

Weltreise-Route

Doch da ich natürlich mit meinem ersten Beitrag nicht alle Fragen beantworten, und ich sicher auch viele Fragezeichen in Eure Köpfe gepflanzt habe, versuche ich jetzt hier auf einige eurer Fragen Antworten zu finden.

Wohin will ich eigentlich auf meiner Weltreise? Mein ganz persönlicher Kompass.
Nachdem ich für mich die Entscheidung felsenfest getroffen hatte und die ersten Stolpersteine aus dem Weg geräumt waren, hat mich eine Frage lange gequält. Es war die Frage nach dem WOHIN? Wohin soll die Reise gehen? Natürlich habe ich vorher schon oft darüber nachgedacht und mir in vielen Tagträumereien so einiges ausgemalt. Doch jetzt mit vier Monaten Zeit im Gepäck möchte ich eine unvergessliche Zeit erleben. Ich gebe zu, dass ist ein echtes Luxusproblem. Doch trotzdem hat mir das viele schlaflose Nächte bereitet: Was genau will ich machen? Welche Orte reizen mich wirklich? Wo will ich wie lange bleiben? Was möchte ich auf gar keinen Fall verpassen? Ich habe mich hin und her gewälzt und ein wenig gebraucht bis ich eine Ahnung hatte wohin es mich verschlagen wird. Denn jeder mit dem ich geredet habe, hatte einen anderen Vorschlag für mich. Wie wäre es mit Südamerika – super spannend. Oder China? Nein Kuba! Da muss man jetzt unbedingt hin. Und die nächste Freundin schickt mich nach Afrika. Und dann habe ich mich einfach gefragt: Wohin zieht mich mein Herz?
Mit meiner Freundin, die ich zum Glück davon überzeugen konnte meinem Ruf nach Freiheit zu folgen, habe ich viel darüber philosophiert. Und am Ende haben wir uns gemeinsam dafür entschieden wenige Länder intensiv zu bereisen und zu erleben. Wir hatten beide kein gutes Gefühl viel in kurzer Zeit zu machen. Und wir wollten auch nicht auf der Jagd nach vielen Stempeln im Reisepass sein. Unsere Leidenschaft für Natur & Wildnis hat uns dann den Weg nach Ozeanien gewiesen. Jetzt steht es fest: Wir widmen uns einen Monat Neuseelands Nord- und Südinsel.

Queenstown-Lake-Wakatipu

Fliegen dann weiter nach Australien um dort zwei Monate lang durch die Gegend zu ziehen. Hier wollen wir dann doch in kurzer Zeit viele Facetten kennenlernen und bereisen daher Nord-, Ost- und Westküste. Auch die rote Mitte mit dem Ayers Rock wird dabei sein. Zum Ende hin geht es dann über Bali und Südostasien zurück nach Deutschland. Etwas Exotik muss dann doch auch dabei sein. Und jetzt wo ich das so schreibe ist es doch irgendwie wieder viel für 4 Monate. Doch wenn ich daran denke, dass Australien fast genauso groß ist wie Europa, dann relativiert sich das schon wieder… Ein Inlandsflug in Australien dauert da einfach schon mal vier Stunden und dann sehe ich im Vergleich wie weit ich mit vier Stunden Flug in Europa kommen würde. Wenn ich so darüber nachdenke, fange ich fast an den (kurzen) vier Monate zu zweifeln…
Als Basis für unsere Reise haben wir nur die Eckdaten festgemacht. Das heißt die Route ist ausgetüftelt und die Flüge dazu gebucht. Alles andere werden wir spontan vor Ort entscheiden und organisieren. Wir wollen uns Freiheit erhalten um immer für Alles offen sein zu können. So haben wir quasi einen Rahmen und das Innere füllen wir dann vor Ort.
Wie ihr seht hat mich die Routenwahl lange beschäftigt, weil ich meine Auszeit so sinnvoll wie möglich nutzen möchte. Und auch jetzt bin ich manchmal noch total unsicher, ob ich die richtige Wahl getroffen habe. Und irgendwie habe ich auch Angst mich im Nachhinein zu ärgern, dass ich Dies und Das nicht gemacht habe. Doch dann halte ich mir die große Freiheit der nächsten vier Monate vor Augen und spüre, dass es einfach nur darauf ankommen wird unterwegs zu sein.

Wie erkläre ich die Weltreise?
Der größte Schatten meiner Reise war bei mir lange der Gedanke, wie ich diese Auszeit in meinem Lebenslauf verkaufen soll. Wie wird sich das machen? Werde ich nun lebenslang schief angeschaut und in den Augen der Personaler ein „Faulenzer“ sein? Ich hatte immer Angst, dass diese Monate ein Leben lang auf meiner „Visitenkarte“ stehen werden. Aber mittlererweile habe ich umgedacht. Es gibt doch so viele Leute, die einen klassischen, linearen Lebenslauf haben, dass ich fest davon überzeugt bin, dass ein bisschen „out of the box“ nicht schadet. Irgendwie muss man ja herausstechen und sich aus der Masse hervorheben. Und ich kann mit einer Auszeit und Weltreise viele Eigenschaften unter Beweis stellen, die auch im Berufsalltag gefragt sind. Ohne Organisationstalent landet man im nirgendwo, ohne Risikobereitschaft und Mut wird man solch eine lange Reise nicht antreten und zu guter Letzt erweitert eine Weltreise den Horizont und schafft Raum für neue, kreative Ideen. Alles in allem glaube ich, dass die Auszeit viele, viele Vorteile mit sich bringt, die man auch im Berufsalltag gewinnbringend für sich einsetzen kann.
Die zweite große Frage, die sich mir dann gestellt hat: wie mache ich das mit dem Job? Bin ich wirklich bereit meinen Job zu kündigen um die Weltreise zu starten? Oder versuche ich meinen Arbeitgeber davon zu überzeugen, dass eine Auszeit auch für beide Seiten Vorteile haben kann. Letztendlich habe ich eine Umstrukturierung im Unternehmen dazu genutzt mein Anliegen vorzubringen und glücklicherweise auch durchzusetzen. Jetzt sagt ihr vielleicht: „na dann war es ja einfach, diese Situation gibt es bei mir halt nicht“. Aber am Ende war das auch nur möglich, da ich die Weltreise mit der Überzeugung es unbedingt durchziehen zu wollen angegangen bin. Ich wäre am Ende auch bereit gewesen, meinen Job zu kündigen und zur Not danach auch erstmal an der Kasse im Supermarkt zu arbeiten, bis ich wieder einen neuen Job finden würde. Diese Überzeugung hat mich dann eben auch zu meinem Ziel geführt. Und rückblickend fallen mir im Nachhinein noch mehrere Situationen ein, in denen ich in den letzten Jahren im Job die Chance gesehen hätte diesen Schritt zu gehen. Ich glaube mit der nötigen Einstellung und dem Mut es wirklich zu wollen kann man Einiges erreichen.

Weltreise

Was kostet die Welt?
Die Finanzierung einer Weltreise ist sicherlich mit eine der größten Schwierigkeiten. Entweder man gewinnt im Lotto, erbt von der Großmutter oder schlachtet sein hoffentlich gut genährtes Sparschwein. Der Sechser im Lotto lässt auch heute noch auf sich warten und auch meine Großmutter war nicht reich. Doch ich war gut zu meinem Sparschwein. Ich habe mir diese Reise durch viel Disziplin und Sparsamkeit ermöglicht. Jahrelang habe ich mir immer wieder was zur Seite gelegt und auf das ein oder andere verzichtet und gespart. Mir hat das auch nie etwas ausgemacht, denn zum Glück war ich noch nie jemand der sich viel aus Geld und Besitz gemacht hat.
Auf was ich gespart habe, konnte ich bis vor Kurzem nie genau sagen. Es war ein Ziel, aber bis jetzt immer ein unbestimmtes. Es hätte ein Kleinwagen, ein teures Designerstück oder eben jetzt eine Reise seien können. Ich hatte nie ein klares Ziel vor Augen. Aber immer das Ziel mir irgendwann einmal etwas zu gönnen. Und jetzt kam eben alles zusammen und ich habe mich entschieden, das Sparschwein zu schlachten und mir diese Reise zu finanzieren. Natürlich nicht bedenkenlos, sondern mit viel Skepsis und Sorge. Wenn ich zurück komme ist das schwer erarbeitete, finanzielle Polster weg – der doppelte Boden verschwindet. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass es jeden Euro wert sein wird und dass ich diese Entscheidung nie bereuen werde. Es ist eine Investition in mich, in mein Leben, in eine unvergessliche Zeit – was gibt es Besseres?!
Ab auf die Zielgerade.
Ich hoffe ein paar Fragezeichen haben sich nun bei Euch in Luft aufgelöst. Und vielleicht wagt jemand von Euch bald den gleichen Schritt und wirft all das Zweifeln und die Sorgen über Board.
Bei mir heißt es auf alle Fälle bald Schiff Ahoi. In vier Wochen ist es soweit. Leinen los!

Hier geht es zu seinem ersten Artikel: Ja ich habe mich getraut! 4 Monate Sabbatical

Weltreise-los

7 Kommentare

  1. Hallo Stefan,

    Ein wirklich toller Artikel! Kann das alles gut nachvollziehen, bin nämlich derzeit in der gleichen Situation und habe meinen job für eine Weltreise gekündigt. Es ist ein gewagter Schritt aber seitdem ist eine tolle innere Ruhe eingekehrt.

    viele grüße aus Hamburg

  2. Mutiger Schritt! Davor kann ich nur den Hut ziehen!
    Ich würde auch so gerne die Welt sehen. Aber dafür würde ich persönlich ungerne alles aufgeben. Job, Eigenheim… Dann lieber step by step. ;)
    Ich wünsche ganz viel Spaß auf deiner Weltreise und ich hoffe sehr, dass du uns dran teilhaben lässt. :)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*