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Lilies Diary | 30. März 2015

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5 Kommentare

21. Festival – Running of the Bulls in Pamplona

Christine

Das kommt mir hier alles total absurd vor. Ich sitze in einer Arena in Spanien. Genauer gesagt in Pamplona. Es ist sieben Uhr morgens und Schweine, Schweine kalt.

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Noch eine Stunde, dann fĂ€ngt es an. Running of the Bulls. Das Rennen. Das Rennen mit den Bullen. Tausende von Menschen haben sich in den Straßen von Pamplona versammelt, hĂŒpfen geschmeidig hoch und runter, stĂŒtzen sich an HauswĂ€nden ab, um die Waden zu dehnen und atmen mit ordentlich Backenbewegung ein und aus, um sich auf das Rennen vorzubereiten. Am Abend zuvor gab es noch ein BullenpenissĂŒppchen. Ein bisschen viel Aufwand wenn man bedenkt, dass die Strecke nur 840 Meter lang ist. Das renne ich fast wöchentlich in Höchstgeschwindigkeit um irgendein Verkehrsmittel, abwechselnd Bahn, Flugzeug oder Bus zu bekommen und ganz ohne mich stundenlang aufzuwĂ€rmen.

Neben den 1000 LĂ€ufern haben sich weitere 1000 Menschen hinter die ZĂ€une in der Stadt gestellt, um die Menschen und Bullen vorbeirennen zu sehen. Und weitere Hunderte sitzen in der Arena – das Ziel des Rennens. Auf der Leinwand in der Arena wird eine Rakete ĂŒbertragen. Wenn die knallt, heißt es Beine in die Hand nehmen und Rennen, denn die Bullen werden frei gelassen. Dann geht auch alles ganz schnell. Ich starre auf die Leinwand, sehe Menschen rennen, Bullen rennen, Menschen am Boden, Bullen darĂŒber rennen. Hörner, Hufe, Beine… Nach zwei Minuten laufen die ersten in die Arena ein, gefolgt von Tausend weiteren und den Bullen, die einmal quer durch die Arena zum gegenĂŒberliegenden Ausgang gelotst werden. TĂŒr zu, Bullen weg, Rennen vorbei. Running of the Bulls.

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Running-of-the-bull-2012

Running-of-the-bull-Spain

Running-of-the-bull-Pamplona

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Was mit den Verletzten in den Gassen passiert, weiß keiner. Das interessiert auch keinen. Mich auch nicht. Selbst wenn sie gestorben sind, interessiert es mich nicht und ich verspĂŒre keinen Funken Mitleid. Wenn ich mich auf die Autobahn stelle, darf ich mich auch nicht wundern, dass mich ein Auto erwischt. Also darf ich auch nicht verwundert sein, wenn mich ein Bulle beim Running of the Bulls aufspießt oder nieder trampelt. Die Show geht in der Arena weiter. Alle laufen durcheinander. Eine Traube stellt sich vor ein Tor. Ein paar legen sich sogar davor. Die TĂŒr geht auf, ein kleiner schwarzer Bulle rennt ĂŒber und durch die Menschen in die Arena. Dort rennt er circa 10 Minuten rum, hebt ein paar LĂ€ufer zwischen dem Schritt nach oben, wirbelt sie durch die Luft und stĂ¶ĂŸt noch einmal krĂ€ftig mit den Hörnern in den RĂŒcken, wenn sie am Boden liegen. „Ja, gut so“, denk ich mir. Dumme Touristen wedeln mit ihrem roten Kapuzenshirt durch die Luft und hoffen, ja sie hoffen, dass der Bulle auf sie zu rennt. Ich versteh das alles nicht.

Running-of-the-bull-2012-pamplona

Ich fĂŒhle mich auch nicht gut. Ich friere immer mehr. Ein kalter Schauer, lĂ€uft mir den RĂŒcken runter. WĂ€hrend ich mir wĂŒnsche, dass sie dem kleinen Bullen nicht die Hörner stumpf geschnitten hĂ€tten, damit er den ganzen Leuten richtigen der Arsch aufreißen könnte, erschrecke ich mich darĂŒber, dass ich anderen so etwas wĂŒnsche. Aber das macht mich so wĂŒtend. Ja, es macht mich wĂŒtend, dass irgendwelche Irren einen kleinen Bullen brauchen um ein unvergessliches Erlebnis zu haben, sich als Mann zu fĂŒhlen oder was weiß ich was. Das macht mich so wĂŒtend, dass ich ihnen nur das schlechteste wĂŒnsche. Dabei ist das hier nur ein kleines, harmloses Vorspiel. Heute Abend, werden sechs Bullen beim Stierkampf hingerichtet. Brutal und schaulustig werden ihnen StĂ€be in den RĂŒcken gesteckt, damit das Blut spritzt. So lange und so viel, bis sie erschöpft zu Boden sinken. Sechs Bullen in 90 Minuten. FĂŒr jeden Bullen bleiben 15 Minuten um ihn zu töten und anschließend das Fleisch an Restaurants in der Stadt zu verkaufen – „Running of the Bull“-Burger oder BullenpenissĂŒppchen.

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NatĂŒrlich war ich nicht beim Stierkampf. Das macht mich nĂ€mlich nicht nur wĂŒtend, sondern auch noch unfassbar traurig. Das Rennen mit dem Bullen kann ich nur einfach nicht verstehen, aber wenigstens stirbt keiner und Mensch und Tier treffen ohne Waffen aufeinander. Aber der Stierkampf muss abgeschafft werden. Ich bin sprachlos, wenn ich höre, was da passiert und ich kann es nicht fassen, dass es noch so etwas in Europa gibt. Deswegen bitte ich euch alle, tut etwas dagegen. STIERKAMPF NEIN!

Kommentare

  1. Super interessanter Bericht. Das wĂ€re ja nichts fĂŒr mich.
    Danke fĂŒr den ausfĂŒhrlichen Bericht!
    Viele GrĂŒĂŸe
    die Eurydike

    • christineneder

      FĂŒr mich ist das auch nichts…

  2. Holli

    schöner Bericht! Hab hier neulich mal Fotos gesehen. Die machen immer ganz nette
    –> http://bo.st/Ml8slP

    Ich sehe immer nur Berichte im TV ĂŒber Pamplona. Na ja, wer sich in Gefahr begibt… usw. Viel Spaß noch weiterhin bei den Festivals. Die ‘Melt!’ Seite hatte ich mir gerade mal angeguckt. Sah ganz witzig aus.

  3. Dixi

    Wenn die Trotteleros PenissĂŒppchen schlĂŒrfen, sollten die Bullen fĂŒr ordentlich “RĂŒhrei” dazu sorgen !
    Weg mit TierkÀmpfen aller Art !!!
    Auch Reitsport geht ĂŒbrigens zu Lasten der Pferde, da der Erfolg der Equipe wichtiger ist als das Wohl der Tiere. Die werden ja stĂ€ndig nachgezĂŒchtet und inzwischen sogar geklont !!! Tierische Olympiassieger aus dem Reagenzglas – einfach nur abstoßend …

    • christineneder

      Ja Pferderennen sehe ich auch sehr kritisch!

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