Mein Name ist Stefan. Und ich bin, wie ich finde, ein ziemlich normaler Typ. Aber eine Sache ist bei mir gerade nicht ganz so normal… Ich habe einen Entschluss gefasst. Einen wie ich finde eher ungewöhnlichen Entschluss. Ein Entschluss der mein Leben im nächsten halben Jahr so richtig auf den Kopf stellen wird. Denn: ICH habe JA gesagt! Jetzt denkt Ihr vielleicht, ich habe JA zu meiner Traumfrau gesagt. Aber nein, so ist es nicht. Ich habe ja zum Abenteuer gesagt! Ja zum REISEN! JA zu meiner Sehnsucht und einem Traum der mich schon lange begleitet. Und diesen werde ich nun in die Tat umsetzen und mich dem Kredo „Träume sind nur zum Träumen da“ widersetzen. Ich lasse Deutschland für fünf Monate hinter mir und ziehe los auf Weltreise.

Sabbatical

Aber fangen wir mal ganz von vorne an:
Es ist Oktober 2014. Ein lauwarmer, flauschiger Tag im Land der Cowboys. Mir scheint die Sonne ins Gesicht. Ich bin im Urlaub und kurve durch den Westen der USA. Ich fühle mich frei wie seit langem nicht mehr. Ein gutes Gefühl. Das monotone Wummern meines treuen Begleiters, ein Camper erster Klasse, lässt mich ins Träumen geraten. Verschlafen tippe ich auf meinem Smartphone herum und lande bei einem Podcast. Der, wie ich es jetzt noch nicht ahne, mein Leben in neue Bahnen lenken wird. Es geht um einen Traum, den fast jeder einmal in seinem Leben hegt, für einen kurzen Moment oder als ständigen Sehnsuchtswunsch. Und auch bei mir schwirrt seit langem dieser Gedanke in meinem Kopf herum. Wie ein Geist, ein Schatten, hat dieser Traum bis heute meine Gedanken umgarnt um sich jetzt ganz plötzlich und mit großer Wucht Gehör zu verschaffen: Wieso träumst Du ständig nur von Deiner Weltreise? Wieso machst Du sie nicht einfach JETZT? Ich höre einen Podcast von Project Phoenix Podcast, der das Thema Weltreise aufgreift und genau meine Situation beschreit. Der Traum ist da, aber der Wille ihn durchzuziehen scheitert immer wieder. In spannenden 20 Minuten lausche ich dem charmanten, österreichischen Akzent von Sebastian Thalhammer und er motiviert mich den Traum zu leben und alle Barrieren zur Seite zuschieben. Mit jedem Ton und jedem Meter den ich auf amerikanischen Asphalt zurücklege und dieser eindringlichen, motivierenden Stimme lausche, werde ich mir meiner Sache immer sicherer. Ich werde zu Hause ankommen und alles durchziehen. Sofort.

Doch dann kam die Angst. Kaum zu Hause, kamen all die Zweifel: Wie soll ich das mit meinem Job machen? Werde ich das finanziell hinbekommen? Was sagt meine Freundin dazu oder kann ich sie sogar davon überzeugen mitzukommen? Was werden meine Freunde und Familie sagen? Wie sieht das im Lebenslauf aus? Und dazu die Vorstellung was unterwegs nicht alles passieren könnte… Plötzlich war ich mir meiner Sache gar nicht mehr so sicher. Meine Euphorie über das Sabbatical und das unbeschreibliche Gefühl von Freiheit waren nicht mehr spürbar und ich war kurz davor alles zu vergessen! Doch in mir hat eine Stimme geschrien: STOP! – so funktioniert das nicht. Entweder ich nehme das Heft jetzt in die Hand oder ich lasse es bleiben – aber dann wohl für immer.

Und jetzt stehe ich hier. Zurück in der Gegenwart. Sitze schon fast auf gepackten Koffern und bin überwältigt von den letzten Wochen die hinter mir liegen: Ich halte die Flugtickets in der Hand, kopfschüttelnd, aufgewühlt, weil ich es noch nicht begriffen habe, dass ich mich tatsächlich getraut habe. Diesen einen Schritt getan habe, um den viele mich beneiden. Und von dem viele oft nur träumen, statt sich überhaupt nur einen Zentimeter in diese Richtung zu bewegen. Auch für mich war jede Hürde bis hierher höher als ich springen konnte und auch wollte. Immer hatte ich einen Grund, warum das bei mir gerade jetzt nicht passt. Mal war es die Karriere, dann die Familie, Freunde oder auch einfach die Angst vor einem leeren Geldbeutel der sich nie wieder füllen würde. Ich hatte zahlreiche Ängste, die lange wie ein Schutzschild für mich selbst waren. Denn ich habe geahnt: Diesen Entschluss endgültig zu fällen und in die Tat umzusetzen kostet Kraft und braucht einen eisernen Willen. Im ersten Schritt nicht gerade bequem, doch dann Schritt für Schritt immer erfüllender.

Sabbatical-Stefan

Nun habe ich meinen Job on hold gesetzt und werde für mehrere Monate unterwegs sein. Unterwegs zu neuen Kulturen, Ländern, Menschen und schließlich zu mir selbst. Die Flugtickets sind schon da, die Route fest im Kopf – und damit fühlt sich plötzlich alles ganz anders und leicht an. Ich glaube ich habe ein Dauergrinsen im Gesicht. Ich habe alles Fragen und Grübeln hinter mich gelassen. Denn ich habe erkennt: Ich kann nicht ewig auf den Lotto Jackpot warten. Den perfekten Zeitpunkt wird es nie geben. Man muss dafür den richtigen Augenblick erkennen, indem die Sehnsucht so groß ist, dass alle Ängste ganz klein sind und man bereit ist alles hinter sich zu lassen. Und wenn man diesen Moment gefunden und den unverrückbaren Entschluss gefasst hat, kann nichts mehr zwischen einen und die große weite Welt kommen. Und jetzt werde ich fünf Monate durch die Welt ziehen mit dem Ziel vor allem in Down Under durchzustarten. Mit Neuseeland und Australien bereise ich zwei Länder die schon lange auf meiner „Wunschliste“ ganz oben stehen. Ich will diese Länder in all ihren Facetten erkunden und kennenlernen und habe dafür viel Zeit mitgebracht. Bepackt mit Abenteuerlust, Vorfreude, viel Energie und einem großen Rucksack ziehe ich los. Und ich freue mich besonders, dass ich euch Teil lassen kann an meiner Reise. Auf Lilies Diary werde ich immer wieder von meinen aktuellen Erlebnissen und Eindrücken berichten. In ein paar Wochen geht’s endlich los.

Es lebe das Abenteuer!

19 Kommentare

  1. Sehr cool, Respekt, dass du dich traust den Schritt zu gehen! Ich gehöre auch (noch?!?) zu der Sorte der Angsthasen. Ich frage mich auch, ob ich ernsthaft für mehrere Monate unbezahlten Urlaub bekommen würde…wie würde es danach weitergehen? Daher Respekt und ich freue mich auf deine Berichte!

  2. Lieber Stefan,

    sehr schön geschrieben. Mir geht es gerade zu 100% gleich. Bei uns geht es in weniger als einem Monat los und alle diese Phasen von aufgewühlt sein, nervös aber auch Vorfreude sind mit dabei. Vor allem weil bei uns zuerst auch ein halbes Jahr geplant war, jetzt ist es aber Open End. Und das macht mich erst so richtig nervös. Mal sehen wie lange wir unterwegs sein werden. Ich wünsch dir einen guten Start auf deiner Reise und genieß jede einzelne Minute! Freu mich schon auf deine Berichte.

    LG
    Melanie

  3. Danke, Stefan!
    Von ganzem Herzen, einfach nur DANKE!

    Mir geht es ganz genau so wie dir … und was für dich der Podcast war, ist für mich dein Artikel.
    Das War genau DER verbale und finale „Tritt in den Hintern“, den ich so dringend brauchte.

    Ich freue mich schon auf deine Berichte:))!

  4. Lieber Stefan,
    So großartig. Dein Entschluss.. Super schön. Bin sehr gerührt. Da werd ich gleich ganz unruhig.. ☺️
    „Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.“ hat Kurz Tucholsky mal gesagt.
    Ich wünsch Dir (unbekannterweise) eine wahnsinnig aufregende und erlebnisreiche Zeit..
    Liebe Grüße
    Vivian

  5. Super!
    Mich würde natürlich vor allem interessieren: Wie hast du es mit dem Job gemacht? Wie hast du deine Freundin überzeugt? Wie sah deine Planung aus?
    Ich selbst habe auch diesen Traum, aber bislang noch keine passende Gelegenheit gehabt es wirklich durch zuziehen, vor allem begründet durch die Angst: Wie sieht es im Lebenslauf aus? Was mache ich ohne regelmäßiges Einkommen? Was mache ich danach?

  6. Woah ich freue mich schon unglaublich auf die berichte ^_^
    behandelst du dann auch deine schon aufgezählten hindernissen die dich immer davon abgehalten haben? also arbeit, lebenslauf, geld, wohnung usw? weil genau das sind auch die punkte die mir immer wieder einen strich durch die rechnung machen….dieses reale alltags-zeug, fernab von den Träumen.
    uh und bitte noch alles erzählen was so war bevor es dann los ging: also wie die dir deine routen rausgesucht hast, also nach welchen kriterien und ob du viel im vorraus geplant hast oder einfach mal auf gut glück losziehst? (wozu mir eindeutig die eier fehlen würden :D)
    hasch, ich freu mich einfach immer mega wenn ich sehe dass es jemand endlich geschafft hat! <3

  7. Toll!!! Ich bin ein wenig neidisch und hoffe, dass ich das auch mal machen werde…Du hast recht – unglaublich viele Menschen träumen davon. Ich habe mich mit fast 30 und seit über drei Jahren in einem festen Job schon gefragt, ob ich nicht ganz aussteigen und Work & Travel machen soll…:) Und dann irgendwie doch nicht getraut. Aber abgehakt habe ich solche und ähnliche Gedanken noch lange nicht ;)

    Ich wünsche dir viele tolle Begegnungen, das ständige Gefühl der Freiheit, eine Erweiterung des Horizonts und dass das Grinsen bleibt!

  8. Ein Auslandsaufenthalt ist definitiv eine tolle Erfahrung und längst nicht mehr unmöglich. Mittlerweile bieten viele Arbeitgeber ihren Mitarbeitern die Möglichkeit eines Sabbaticals, da man bei sowas nicht selten wertvolle Erfahrungen sammelt.

  9. Irgendwie wäre es schön, wenn jeder Arbeitgeber dies ermöglichen würde. DAS ist wirklich ein sinnvoller Beitrag für die persönliche Weiterentwicklung des Menschen :)

  10. Oh wie toll, ich finde das Thema Sabbatical ebenfalls sehr interessant.
    Würde mich freuen wenn du vielleicht vor den Reiseberichten noch berichtest, wie du alles organisatorische geklärt hast und was das beruflich/finanziell usw. bewirkt hat!
    Wünsche alles Gute und freue mich auf spannende Berichte

  11. Hey Stefan,

    Ich finde cool das du dich getraut hats – ich hoffe du hattest viel Spaß. :) Ixh gehöre bald nicht mehr zu den Angsthase – mein sabbatical steht fest! Nächstes Jahr geht es für 6 Monate weg. Angst habe ich nätürlich immer noch davor und muss auch noch einiges planen – aber das wird schon. Danke für den motivierenden Text!

    Liebe Grüße

    Lydia

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