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Lilies Diary | 23. August 2017

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21 Kommentare

Minimalismus – Wenig haben und glücklich sein?

Gastautoren

Manchmal – sogar meistens – ist weniger mehr. Minimalismus ist gut. Minimalismus schafft Freiräume. Diese allseits bekannte Redewendung geht mir schon seit langer Zeit durch den Kopf. In den letzten Monaten immer mehr. Und das aus einem ganz einfachen Grund: Ich bin in den letzten zwölf Monaten gefühlte zehn mal umgezogen und war jedes Mal komplett überfordert alle meine Dinge, die ich so besitze in Umzugkartons zu packen. Nahezu mit jedem Gegenstand verbinde ich eine kleine Geschichte oder einen besonderen Moment. Doch ich besitze wirklich viel zu viel. Eine riesige Plattensammlung, die ich in den letzten zehn Jahren liebevoll aufgebaut habe. Doch um alle Platten anzuhören, müsste ich mich vermutlich die nächsten zehn Jahre einsperren. Eine unüberschaubare Anzahl an Kunstbüchern, Zeitschriften, Bildbänden und Romanen, die vor allem eine Sache besonders gut können: Staub auffangen und gut aussehen. Unzählige Sneakers, Schuhe für jeden möglichen Anlass und ein überfüllter Kleiderschrank, sowie Kleiderstangen die unter der Last von unzähligen Hemden und Jacken traurig durchhängen. Und eben so der übliche Kleinkram. In wenigen Wochen steht schon wieder aufgrund meines Studiums ein Umzug an. Was so viel heißt, wie wieder Kisten packen. Doch dieses Mal habe ich mich dazu entschlossen mich von allem zu trennen, was unnötigen Ballast darstellt.

Minimalismus

Möbel, die ich nicht mehr umziehen möchte, habe ich bereits gespendet oder im Internet und in der Zeitung inseriert. Einen Berg an Klamotten werde ich unter meinen Freunden verschenken, die mehr davon haben als ich.  Auch wenn es schwer fällt sich zu trennen. Aber wieso eigentlich? In meiner Umgebung beobachte ich immer wieder, wie sich Menschen aufarbeiten, um ihr Leben durch Besitztümer und Statussymbole schöner zu machen. Nahezu jeder klagt über Symptome der Erschöpfung durch Stress und Job. Das darf doch nicht wahr sein! Der Ökonom Niko Paech umschreibt das Phänomen mit dem Begriff der „Konsumverstopfung“. Treffend formuliert. Schlimm dabei finde ich, dass – auch ich – immer weniger Zeit für meine Freunde habe. Denn es gehört eben dazu, dass man viel arbeiten muss, um etwas zu erreichen. Doch nicht um jeden Preis. Oft genug stelle ich mir die Frage, wieso das eigentlich alles? Um später mal Porsche fahren zu können? Diese Vorstellung frustriert mich. Doch nicht nur mich, sondern immer mehr Menschen beschäftigen sich mit der Frage des Verzichtes. Ein Lebensstil des Minimalismus sozusagen. Und das nicht nur in der Fastenzeit, sondern als Lebenskonzept. Mir ist klar, dass es nicht selbstverständlich ist sich Fragen des Verzichtes zu stellen. Denn, um verzichten zu können, muss man erst Mal besitzen. Für viele scheint Minimalismus ein zwangsläufiger Bestandteil des Lebens zu sein. Zudem liegt es auf der Hand, dass viele Menschen zwangsläufig verzichten müssen, um überhaupt über die Runden zu kommen. Andere wiederum sich in der privilegierten Situation befinden, sich überhaupt Gedanken über ihr Konsumverhalten zu machen. Sozusagen ein dauerhaftes Fasten, wenn es um Konsum geht. Immer mehr entdecken diese Haltung – den sogenannten Minimalismus für sich. Denn Besitz stellt in gewisser Art und Weise auch immer eine Belastung dar. Nicht nur bei Gütern, sondern auch bei Geld. Eine neuste Studie hat gezeigt, dass Menschen, die mehr als 50.000 Euro im Jahr verdienen unglücklicher sind. Ich persönlich musste feststellen, dass es wesentlich einfacher fällt, sich auf das Wesentliche im Leben zu konzentrieren, wenn man nicht ständig versucht den neuesten Trends, Technikneuheiten und Luxussymbolen hinterherzurennen. Mir geht es in erster Linie nicht darum die Welt zu retten, sondern einfach einen Lebensstil – vielleicht eben jenen Minimalismus –  zu finden, der glücklich macht. Dass man mit Hilfe eines bewussteren Lebensstils zusätzlich dazu beitragen kann, die Welt ein klein wenig besser zu machen ist eine tolle Randerscheinung. Carsharing anstatt Leasing – Vertrag. Foodsharing anstatt Lebensmittel in die Tonne zu treten. Second Hand Kleidung anstatt billige Discounter Klamotten um wenige Beispiele zu nennen. Der absolute Verzicht jeglichen Konsums scheint nicht möglich zu sein und würde vermutlich auch nur auf Kosten von anderen funktionieren. Doch sicherlich macht es Sinn sein Konsumverhalten zu hinterfragen. Denn „Less is more“. Lieber ein Leben, das von tollen Momenten und guten Gesprächen lebt. Und nicht ein Leben, das sich durch eine Luxuswohnung, Designerklamotten und ein teures Auto auszeichnet. Und auch nicht durch eine steile Karriere. Ich bin gespannt, wie viele Umzugskartons ich dieses Mal für meinen Umzug packen muss. Und was denkt ihr? Habt ihr auch schon Mal darüber nachgedacht euch von Dingen zu trennen, die ihr eigentlich gar nicht braucht? Was ist eurer Meinung nach wichtig zu besitzen? Und wovon könntet ihr euch problemlos trennen, wenn es denn notwendig sei?

Kommentare

  1. Heinz inge

    Wie ich sehe hast du dich auch schon von deinem Gplus Profil getrennt. Oder der Link ist einfach Falsch ;)

    Aber mal im Ernst, du hast Recht, viele Sachen zu besitzen heisst leider auch viel Verantwortung zu haben. Und wer will schon Verantwortung? ^^

  2. Ich bin ein großer Fan von Minimalismus! Habe vor Jahren mal meine Wohnung aufgelöst und alles verkauft/verschenkt, als ich nach Argentinien gezogen bin für unbestimmte Zeit. Übrig blieben 2 Kisten mit Erinnerungen und ein Backpack voll Klamotten. Das war ein tolles Gefühl, keinen „Ballast“ mehr zu haben.
    Ich überlege vor jedem Kauf, ob ich das wirklich brauche. Bücher kaufe ich nur noch in digitaler Form, Klamotten nur noch wenn nötig.
    Und eine wichtige Regel: Wenn ich etwas neu kaufen will, muss ich etwas altes dafür verkaufen/verschenken. Simpel und sehr hilfreich. :)

  3. Ulli

    Der wichtigste Satz: Um verzichten zu können, muss man erstmal etwas haben. Ich persönlich unterscheide zwischen dem Geld, das ich brauche, um satt zu werden und angstfrei schlafen zu können einerseits und dem „Drecksgeld“ andererseits, das übrig bleibt. Geld zu haben für Essen, vor dem man sich nicht ekelt, und einen privaten, sicheren Raum, das ist Lebensqualität. Das Drecksgeld zeichnet sich dadurch aus, dass es Sorgen macht und zum Nachdenken über Blödsinn führt. Was das Behalten von Erinnerungsstücken angeht: Die Gefühle, für die sie stehen, sind nicht darin und daran. Ausnahme: persönliche Gegenstände verstorbener Freunde/Partner. Und bei fast allen anderen Sachen ist es einfach: Ein Jahr nicht benutzt – weg damit. Seit ich Dinge, die noch einen tatsächlichen Wert haben, nicht mehr bei verkaufe, sondern verschenke, geht es mir übrigens besser. Diese ganzen politischen Implikationen (Welt verbessern) lenken aber nur davon ab, dass Konsumgüter, die man nicht benutzt, Ballast für die eigene Seele sind. Sorry, etwas länglich, aber wollte ich mal loswerden.

  4. Ein wirklich schöhöner Text, da sind gleich einige zitierenswerte Sätze drin, z.B:
    „Der absolute Verzicht jeglichen Konsums scheint nicht möglich zu sein und würde vermutlich auch nur auf Kosten von anderen funktionieren. Doch sicherlich macht es Sinn sein Konsumverhalten zu hinterfragen.“
    Jajaja, genau! Wunderbar undogmatisch, dennoch kritisch.
    Ich bin dabei, meine Wohnung zu minimalisieren. Das wäre praktisch, denn dann hätte ich, wenn ich im Haus des Mannes bin, nicht immer das Gefühl, dass all meine Sachen in meiner Wohnung sind. ;) Fällt aber schwer. Ich habe z.B. alleine 2 Kleider-/Kramschränke und ein Sideboard, alle drei Dinge von meinem Vater, an denen ich sehr hänge. Gar nicht so einfach. Meine Klamotten zu verschenken fällt mir da schon einfacher.
    Und ja, was zum Teufel macht man denn mit den tollen Platten? Ich höre sie nicht mehr, aber wegschmeißen? Geht doch irgendwie nicht… oder? Was ist denn Deine Lösung?
    LG /inka

    • Wegschmeißen macht meiner Meinung nach überhaupt keinen Sinn.
      Wegen der Schallplatten. Vorerst dürfen sie in einem Zimmer in meinem Elternhaus bleiben.

  5. Besitz ist die Grundvoraussetzung und der Motor einer jeden Gesellschaft. Gedanken zum Thema, und wieso Frau Nederer hier einen schwachen Text geliefert hat gibt es ausführlicher unter

  6. Kindderachtziger

    Vielen Dank für diesen Beitrag, den der aufmerksame Leser als Michaels Werk identifizieren kann.

    Ich überlege aktuell auch, den nächsten freien Nachmittag dafür zu nutzen, alle meine Klamotten anzuprobieren und was nicht mehr passt oder gefällt, abzugeben. Größtenteils trägt man die gleichen Teile, was nützt da ein voller Kleiderschrank?! Habe bei solchen Aktionen immer wieder die Erfahrung gemacht, wie befreiend es ist, wieder Platz zu haben und nichts mehr irgendwo hinstopfen zu müssen. Bei anderen Dingen versuche ich mir genau zu überlegen, ob ich es brauche oder nicht. Lieber gebe ich etwas mehr Geld für einen netten Nachmittag mit Freunden im Biergarten oder bei gemeinsamen Aktivitäten aus, als für den neuesten Schrei bei Handy, Tablet, Klamotten und Co. Sicher kann ich mich nicht davon freisprechen, zu viel zu konsumieren, aber ich versuche es zu begrenzen. Bisher fahre ich damit ganz gut.

  7. Hallo! Du sprichst mir hier aus der Seele – das ist ein Thema mit dem ich mich auch schon ganz lange beschäftige. Wie viel ist genug, um glücklich zu sein und wieviel ist zu viel? Und vor allem: Was (und wieviel kostbare Zeit??) ist man bereit zu opfern um zu dem ganzen Kram zu kommen… Ein total interessantes Buch, das auch gut zu dem Thema passt, ist meiner Meinung nach „No Shopping“ von Judith Levine, in dem sie ihren Selbstversuch mitbegleitet ein ganzes Jahr lang nichts zu kaufen (außer natürlich unverzichtbare Lebensmittel). Das ist natürlich die Extremversion (wobei auch nur auf Zeit), aber ich denke es würde vielleicht schon helfen, wenn sich vielleicht jeder nur einem „Produktlaster“ verschreibt… Also wenn man verrückt nach Musik ist, dann kann man ruhig mal Platten kaufen, aber dann bitte nicht auch noch Bücher, Schuhe und Klamotten… ;)
    Liebe Grüße,
    Steffi

  8. Herr Ziege hat sich wohl verlesen. Der Verfasser des Textes heißt Michael Ankermüller .

  9. Da hab ich mich in der Tat verlesen. Da werde ich meinen Text ein wenig anpassen müssen. Meine Kritikpunkte bleiben jedoch bestehen.

  10. Kim Peter

    allo zusammen,

    meine Meinung ist, dass man Minimalismus nicht über den Inhalt von Kleiderschränken definieren kann. Für mich ist Minimalismus eine innere Einstellung, die man Grundsätzlich auch mit 10 Ferraris vor der Tür leben kann. Die Frage ist einfach wie stark hängt meine Persönlichkeit von meinem Besitz ab. Fühle ich mich noch als wer, wenn morgen meine 10 Ferraris zwangsversteigert werden?

    Viele Grüße
    Kim

    P.S. Ich habe garkein Auto! ;-)

  11. Aha, hm, ja, Zimmer des Elternhauses habe ich nicht, da bin ich schon rausgewachsen. :D Insofern: Weiter nach einer Lösung für die Schallplatten suchen… :)

  12. Sylke Hemme

    Durch meinen Search in Netz,nach Möglichkeiten mir ein online business aufzubauen, bin ich an diversen Blogs und Artikeln zum Minimalismus hängenbeblieben.

    Beim Lesen ist mir aufgefallen, das ich diesen Minimalismus schon in frührern Jahren sehr gelebt habe – immer vom Reisefieber besessen, mit dem Gedanken flexibel zu Leben, war es ganz normal für mich.

    Die absolute Freiheit habe ich empfunden wenn ich nur mit meinem Backpack los bin. So bin ich auch vor 10 Jahren mit meinem Rucksack hier auf Zypern gelandet. …..und habe viele, viele Dinge angehäuft. Flexibel bin ich mit meinem Hausstand nicht mehr :-(.

    So beginne ich mal wieder mich zu ‚minimieren‘ – nicht nur deshalb weil ich gerne wieder auf Reisen gehen möchte, sondern weil ich festgestellt habe, wieviel Zeit ich damit verbringe meine Wohnung bzw. all die Sachen die ich habe, von einem Platz an den anderen zu räumen.

    Verkaufen ist keine Option – habe gar nicht viele Sachen von Wert – aber der regelmässige Besuch im Charity Shop um meine Sachen dort abzugeben, mich zu ‚erleichtern’und jemand anders bekommt etwas für wenig Geld – das wiederum einer Guten Sache hilft.

    Bin gespannt wo es mich hinbringt! Da ist noch vieles was weg kann.

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