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Lilies Diary | 19. August 2017

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26 Kommentare

Ein Südschweden Roadtrip

Gesa
  • am 10. November 2014

(DE) Wenn ich mich heute an unseren Südschweden Roadtrip erinnern will, kommt mir alles schon wieder so weit weg vor. Dann schaue ich mir meine Bilder von der Reise an – und fühle mich in eine andere Zeit versetzt. Keine paar Wochen ist es her, dass ich von dieser befreienden, entspannten Reise nach Hause kam. Ich war gleichzeitig glücklich und total niedergeschlagen. Weil ich jetzt lieber im Camper leben würde. Immer on the road. Ständig umgeben von dieser atemberaubenden Landschaft Schwedens. Daraus ist bis auf Weiteres natürlich nichts geworden. Ich lebe immer noch in einer Wohnung in München. Mein Hymercar, den ich mir für den Südschwesten Roadtrip geliehen habe, musste ich wieder abgeben. Ja, es ist wahr. Glücklicherweise schreibe ich aber immer noch für diesen Blog. Sodass ich euch mit diesem Beitrag auf meine Reise mitnehmen möchte: meinen Südschweden Roadtrip im August.

I Love my Camper

Zuvor hatten wir schon eine tolle entschleunigende Woche im dänischen Ferienhaus mit Freunden verbracht. Acht Tage waren mein Freund und ich danach mit unserem gemieteten Camper, einem Hymercar, in Südschweden unterwegs. Dabei erwies sich unser Camper, den wir nach dem Hersteller liebevoll „Hümer“ nannten, nicht nur als trautes Heim, sondern auch als bester Freund und Reisebegleiter. Kommt mit:

  • Südschweden Roadtrip: Tag 1, Samstag

Unser Südschweden Roadtrip beginnt in Göteborg. Von Dänemark, Frederikshaven, haben wir mit der Fähre rübergemacht. Noch vor dem Anlegen werden wir mit den ersten roten Holzhütten auf steiniger Feldinsel begrüßt. Auf dem Festland kommt unser Navi gar nicht mehr klar und wir lotsen uns dürftig mit der Karte aus unserem Reiseführer aus der Stadt. Wohin? Das wissen wir selbst noch nicht so genau. Hauptsache erst mal raus aus der Stadt, rein ins Astrid-Lindgren-Land. Und dann dorthin, wo man der Westküste Richtung Norden folgen kann. Ich will Landschaft sehn.

Südschweden-Roadtrip_Landschaft

  • Südschweden Roadtrip: Tag 2, Sonntag

Gut, dass wir uns einen Tag vor Abreise doch noch einen Reiseführer besorgt haben. Aber auch so ist unsere Reise eher spontan. Alles was wir wissen, ist, dass wir in neun Tagen wieder Zuhause sein sollten. Bis dahin wäre es mir wichtig, Schweden zu sehen. Unsere erste Nacht verbringen wir auf dem nächstbesten Campingplatz unter der Tjörnbro Brücke. Ein mächtiges Ding, welches es schafft, die Worte schön und hässlich charaktervoll zu vereinen.

Bei der ersten Anlaufstelle decken wir uns mit Lebensmitteln ein: „Almö Livs“, ein mega fancy schwedischer Supermarkt, haut mich gleich völlig aus den Socken. Trotz Frühstücks-Hunger schlendern wir eine gute Stunde umher und sind von dem offenen Konzept begeistert. Eigentlich ist gar nicht so viel anders als bei uns. Es ist einfach nur alles stilvoller und schöner!

Gefrühstückt wird an diesem ersten Roadtrip-Tag natürlich in der Natur, mit Blick auf die Schärenküste… Bei der Platzsuche bilden mein wachsames Auge, mein giraffenlanger Hals und der bremsschnelle Fuß des Fahrers in dieser Woche ein Dreamteam.

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Nach dem Frühstück wollen wir weiterfahren, kommen aber die nächste Zeit keinen Kilometer weit, ohne mein: „Haaalt! Stoop! Anhalten! Ich will ein Foto machen“. Meine Panik, etwas derart einmalig schönes nochmal zu sehen, ist berechtigt. Schweden ist wunderschön, in Schweden sieht sich vieles auch mal ähnlich,  aber in Schweden ist doch alles einzigartig! Also Zeit lassen. Das Fischerdörpfchen Orust bin ich zum Beispiel übergangen: „Sowas kommt auf der Strecke noch 10 Mal!“, kam nüchtern es vom Fahrerplatz. Und doch bin ich mir sicher: damit habe ich etwas verpasst.

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Schon am ersten Tag merken wir eine goldene Regel für einen Südschweden Roadtrip. Vor einer Brücke, vor allem wenn darunter ein Ort angesiedelt ist, findet sich eigentlich immer ein tolles Fotomotiv. Bevor es also wieder „Haalt! Stopp! Umdrehen! Ich will ein Foto machen.“, heißt, lieber gleich davor anhalten und kurz genießen.

Noch eine goldene Regel sei beim Südschweden Roadtrip bedacht: So wenig Autobahn wie nur möglich fahren, und so viele Schlenker auf abgelegene Umwege, wie man möchte. Nur so konnten wir spontan diesen idyllischen Badeplatz finden.

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Im bunten Fischerort Smögen verbringe ich schon wieder so viel Zeit mit gucken und knipsen, dass der nicht-vorhandene aber wohl-bedachte Zeitplan völlig ins Wanken gerät.

Auf der Suche nach einem Platz zum Wildcampen landen wir am Abend nur zwischen Wohnhäusern. Die sind dafür so schön und bilderbuchhaft, dass ich am liebsten in ihrem Vorgarten campen würde. Weil das nicht geht, quartieren wir uns im Rörviks Camping in Hamburgsund ein.

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  • Südschweden Roadtrip: Tag 3, Montag

Nach unserer ersten richtigen Entdeckertour gestern, haben wir uns schon absolut in Schweden verliebt. Heute geht es an die Nordspitze von einem Schärenküsten-Ausläufer. Wir fahren in die tiefste Pampa hinein. Und werden belohnt. Wir finden tolle Hüttenmotive! Eines davon fotografiere ich besonders lang und aus jedem Winkel… Dabei stehe ich meist mitten auf der Straße. Plötzlich kommt einer der Bewohner mit seinem Hund zu mir spaziert, und hält mitten vor mir an. ANGST! Ich habe damit gerechnet, dass irgendwann jemand aus seinem Haus rauskommt, und sich beschwert, ich solle aufhören zu stalken. Soll ich wegrennen? Soll ich mich erklären? Muss ich jetzt die Bilder löschen? Aber der Mann schaut nur freundlich, wartet, bis ich mein Bild im Kasten habe, und geht dann weiter. Ich bin baff.

Südschweden_Roadtrip_häuser

Wir schauen uns die Schleuse bei Trollhättan an. Die ist leider geschlossen, aber ich erahne, was für ein gigantisches Schaubild sich hier abspielen kann. Weil ich nicht umdrehen kann, muss ich immer weiter auf einen Berg hinauffahren. Irgendwann, als es dann wieder runtergeht, bange ich hinter dem Lenkrad wie eine Katze um ihre sieben Achterbahnleben.  Es ist steil, sehr schmal und sehr kurvig. Und mein Auto groß, eher breit, und erstaunlicherweise auch sehr wendig. Wir kommen heil unten an.

Jetzt aber schnell ein paar Kilometer hinter uns legen. Wir kehren Westschweden den Rücken und begeben über die Autobahn quer durchs Innenland. Auf dem Weg nach Småland, dem Astrid-Lindgren-Land, begegnen wir den ersten Elch-Warnschildern. Und dem schönsten Haus am See.

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In Vimmerby, Astrid Lindgrens Heimat, habe ich das Gefühl endlich dort anzukommen, wonach ich immer gesucht habe. Ich habe das Gefühl, in die Welt meiner Kindheitshelden einzutauchen. Hier ein Hinweis zu Nils Hogersson, dort eine Villa, wie man sie aus dem Bilderbuch kennt, und da ein Wald in dem nur Ronja Räubertochter wohnen kann. Unser Campingplatz liegt ein bisschen außerhalb vom Touristen-überströmten Vimmerby. Ganz friedlich, mitten an einem See. Überall rennen Kinder in Astrid-Lindgren-Kostümen umher. Ich bin entzückt.

  • Südschweden Roadtrip: Tag 4, Dienstag

Trotz Wespenplage versuchen wir am See zu frühstücken. Das Licht ist wunderschön und die Sonne kitzelt die Nase. Glaube ich zumindest. Die meiste Zeit bin ich vom Tisch weggerannt…

Unser heutiger Tag steht im Zeichen meiner Kindheit. Also Ronja Räubertochter, Pipi Langstrumpf, Michel aus Lönneberga, Lotta aus der Krachmacherstraße, Bullerbü und und und… In der Astrid Lindgren Värld findet man alles davon nachgebaut. Und noch mehr Kinderwägen. Mittendrin spiele ich ausgelassen meinen eigenen Film und fühle mich pudelwohl.

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Gestärkt mit einer Portion Köttbullar geht es danach auf die wahren Spuren der Kindergeschichten. 20 Minuten von hier soll das einzig wahre Katthult liegen: Gybberid –  der Inspirationsort für Michel aus Lönneberga. Hin da! Dort angekommen komme ich mir verarscht vor und bin enttäuscht. Keine echten Bewohner. Wieder alles für das zur Schau stellen leergeräumt und sterilisiert. Ich spare mir den Eintritt und fahre stattdessen einfach weiter, tiefer ins grün hinein, wo die Straße schon nicht mehr geteert ist. Unser Camper macht das gut mit. Ich entdecke ein paar nette Häuser und noch mehr tolle Waldlichtungen. Hier könnte Ronja Räubertochter gelebt haben! Hier bleibe ich!

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Weil ich meine Kamera aufladen muss, wird es diese Nacht wieder nichts mit wildcampen. Stattdessen fahren wir zu einem Campingplatz bei dem wir unseren Platz selbst aussuchen sollen. Offenbar sind wir wieder an einer Art Dauercampingplatz gelandet. Weil es unter der Woche ist, sind alle ausgeflogen, dafür stehen die kitschigsten und aufwändigsten Wohnwagen-Installationen zwischen schnuckelig bemoosten Felsböden. Am Wasser – wo sonst – sehen wir dem Sonnenuntergang zu.

  • Südschweden Roadtrip: Tag 5, Mittwoch

Auch Loftahammer wurde im Reiseführer groß angepriesen. Entweder habe ich einfach schon viel schönere Orte auf meinem Südschweden Roadtrip entdeckt, oder ich habe nur nicht richtig geschaut. Aber eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, nichts übersehen zu haben. Loftahammer ist nicht schön. Aber, und jetzt kommt das große aber, für das man doch dorthin fahren sollte: Loftahammer hat den besten und niedlichsten Bäcker, den ich auf meinem ganzen Südschweden-Roadtrip gekostet und gesehen habe. Erst bin ich zur Hintertür bei den Heinzelmännchen rein… Das war falsch. Dann bin ich nochmal vorne rein. Das war richtig. Wie bei Alice im Wunderland gibt es hier die Süßigkeiten, die ich schon von Ikea kenne: nur 3 mal größer! Wir geben eine Bestellung auf, als würden wir für den nächsten Monat hamstern. Und trotzdem ist alles in den nächsten Stunden verputzt.

Bei strömendem Regen kommen wir in Västervik an. Und steigen trotzdem nach einer warm-anzieh-Aktion gleich aus dem Camper aus. Ich möchte behaupten in der allerschönsten Straße der Stadt gelandet  zu sein. Dass ich das nicht sicher belegen kann, weil ich ja nur in dieser einen Straße war, sollen diese Bilder entschuldigen. Im strömenden Regen, unter der Regenjacken meiner Begleitung versteckt um mein Sony-Baby zu schützen, knipste ich diese Bilder. Einsatz pur. Das schönste: Genau so eine Straße hatte ich mir vorgestellt!! Zurück im Auto folgt die abtrocknen-und-umzieh-Aktion. In unserem Camper ist ein bisschen, wie bei Oma in der warmen Stube. Man fühlt sich immer willkommen und am richtigen Platz. Heimelig.

Südschweden-Roadtrip_Regen

Es bleibt der Tag der Lieblingsbilder – trotz Regen. Bei Misterhuld leuchtet der Wald in den wunderschönsten Farben. Ich stelle mich auf eine Lichtung und lasse mich wie der Vampir aus Twilight anfunkeln. Bei jedem Schritt federt das silber-grau-glitzrige Moos unter meinen Füßen samtig weich. Dabei knackt es zart wie das Kamin in einem Holzofen. Ich würde mich am liebsten hier herlegen, einkuscheln und die ganze Zeit den Wald erleben. Vielleicht kann ich mir den nach Hause importieren lassen?

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Wir fahren jetzt die Ostküste Richtung Süden entlang. Småland adé. Die „Blaue Küste“ soll besonders schön sein. Es regnet immer noch – und wir erhaschen keinen Blick auf die Küste. Überall Wald oder Campingplatz dazwischen. Nach einer Vollbremsung haben wir kurz Glück und erahnen doch die Schönheit der Ost-Schärenküste.

Für Karlskrona haben wir auf unserem Südschweden Roadtrip 30 Minuten Zeit. Der riesen Camper findet gleich in der Innenstadt einen freien Parkplatz. Hier soll es den schönsten Platz Nord-Europas geben, sagt unser Reiseführer. Ich sehe dort nur Parkplätze, Autos und einen ansehnlich bepflanzten Kreisel. Viel toller finde ich das Bild, das die Stadt bei der Ein- und Ausfahrt präsentiert. Sie ist auf 33 winzigen Inseln gebaut!

In Sölvesborg gelangen wir über die längste Fußgängerbrücke Europas auf eine in wärmstes untergehende-Sonne-rot getauchte Insel.  Hier ist es friedlich. Ein idealer Ausklang für einen tollen, verregneten Tag. Um 20 Uhr werden wir gerade noch so mit zugedrücktem Auge auf den Campingplatz in Bromölla gelassen. Der Campingplatz ist zwar nicht sonderlich schön, dafür aber der See dort und seine Aussicht.

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  • Südschweden Roadtrip: Tag 6, Donnerstag

Am Strand von Sandviken der uns im Reiseführer empfohlen wurde, ist die Hölle los. Schweden hat wohl gerade Urlaub. Aber auch ohne die Besucher fände ich den Strand eher semi-gut. Sand ist doof. Umgebung ist doof. Alles ist doof. Weg hier. In unserem Camper daheim fahren wir einfach der Nase nach. Autobahnen meiden wir auf unserem Südschweden Roadtrip immer noch. Irgendwie verfahren wir uns bei unserer Abseitsfahrt etwas zu sehr und landen am Meer. Weißer, pulverzarter, kilometerlanger und menschenleerer Sandstrand. Ich erinnere mich an die Strände auf Sansibar. Im Meer tosen die Wellen. Ich reiße mir das nötigste vom Leib, renne ins Wasser und spiele mit den Wellen als hätte ich die Welt um mich vergessen. Ach nein, stopp. Das hatte ich gemacht um den Sand aus der Buxe zu kriegen. Erst ließ ich mich einbuddeln. Als Kind hat man sowas doch oft gemacht. Neulich habe ich mir so gewünscht, das mal wieder zu machen. Und so schnell war es dann so weit. Danach auf jedenfall Delphinspiele im Wasser.

Südschweden-Roadtrip_Sand

Mit einem Camper unterwegs_Strand

Wir sind jetzt in der Region Skåne, die für ihr gutes Essen bekannt ist. Im Brösarp Gästgiveri, einem Gasthof in Brösarp, gehen wir das erste und einzige Mal in Schweden essen. Die perfekte Wahl! Für diese Empfehlung hat sich unser Reiseführer zum ersten Mal gelohnt! Noch nie hatte ich so guten Lachs auf dem Teller. Und auch die Spare-Rippe auf dem Nachbarteller ist vorzüglich. Besser hätte es nicht kommen können. Als wir zum Nachtisch einen Kaffe bestellen, bekommen wir eine ganze Kanne. Als wir einmal Vanilleeis mit Erdbeeren bestellen (und es uns teilen wollen), bekommen wir jeder unseren eigenen Teller mit 3 Kugeln. Die Rechnung? Günstiger als in deutschen High-Class-Restaurants.

Die letzte Nacht wollen wir Wildcampen. Das ist dank dem Allemansrätten in Schweden erlaubt. Dieses Jedermannsrecht erlaubt es, dass man überall hingehen und sein Zelt aufschlagen darf. Im Dunkeln verfahren wir uns dramatisch. Als wir gerade wieder feste Straße unter den Rädern haben, landen wir vor lauter Schildern mit Warnungen vor Schüssen. Angst! Wir fahren über das Gitter am Boden und befinden uns auf einer weiten flachen Wiese. Vom Weg dürfen wir nicht abkommen, sonst schießt es, so die Schilder. Irgendwas stillgelegtes Militärisches wohl, sagt meine Begleitung zur Beruhigung. Am Horizont sehen wir Lagerfeuer. Das beruhigt schon eher! Mit dem Camper parken wir uns einfach irgendwo ins Leere. Als wir den Motor abschalten und unsere Dachluke öffnen, hören wir das Meer rauschen! Durchatmen.

  • Südschweden Roadtrip: Tag 7, Freitag

Am nächsten Morgen werden wir von Ziegen geweckt. Wir befinden uns auf einem menschenleeren Plateau, direkt am Meer. Wir stehen mitten auf diesem Plateau, einfach so. Kein Zaun und keine Grenze sind zu sehen. Dafür die Ziegen in der Ferne und… PONYS! Zum Frühstück sehe ich Ponys vor meinem Camper grasen.

Südschweden_Roadtrip_WhiteHorse

In Südschweden ging ein Traum in Erfüllung.

Südschweden-Roadtrip18

Wir müssen weiter. Heute ist Abreisetag. Wir sind nun so weit im Süden, dass dieser Teil früher Dänemark war. Die Landschaft ist für mich als Norddeutsche und verglichen mit den letzten Tagen beinahe unspektakulär. Wir nehmen uns die Zeit und schauen endlich mal „Loppis“ an. Das heißt „Trödel“ und begegnet und auf dem Südschweden Roadtrip regelmäßig.

Auch in Kåseberga werden wir wieder von unserem Reiseführer enttäuscht, bringen dafür aber eine lustige Geschichte mit. Uninformiert wie wir unseren Schweden Roadtrip angegangen sind, wollten wir uns diese tolle „Steilküste bei Kåseberga“ anschauen. Mitten im Dorf werden die Touristen-Autos schon aufgehalten und auf einen Parkplatz vor der Stadt gelotst. Mh…ein besonderes Event in der Stadt? Wir vermuten, dass diese Aufruhr ein Sonderfall ist. Ist es nicht. Wir pilgern also, von einer schönen Menschentraube umhüllt, durchs Dorf auf eine grüne Wiese hinauf. Der Weg ist eingezäunt, wie sich das für das Regeln von Besuchermassen gehört. Es ist warm. Und ich frage mich ein bisschen, wo das hinführen soll. Die Klippen sind erahnbar, bleiben aber leider weit weg vom Zaun. Immer wieder denke ich an unser Frühstück mit den Ponys am Plateau, und wie ich nachts das Meer rauschen gehört habe. Als ich gerade an diesen tollen Vormittag zurück denke, entdecke ich auf meinem Weg eine Tafel. Der eingezäunte Weg führt mich zu „Ales Stenar“, Megalithbauten, für die ich mich in meiner aktuellen Lage überhaupt nicht begeistern kann. Ich drehe auf dem Absatz um und kehre dieser Touristenattraktion den Rücken. Ich will schnell wieder in meinen Camper: mit ihm die Welt entdecken. An Orte fahren, die nur ich selbst gefunden habe. Immer der Nase nach.

  •  Südschweden Roadtrip: Tag 8, Samstag

Heimreise. Mit der Fähre fahren wir über Nacht von Trelleborg nach Rostock. Aber wohin fährt man, wenn das Heim die letzten zwei Wochen der Camper war, und das auch gerne so bleiben dürfte? Wir fahren an München vorbei. Weiter an einen Bergsee, mitten in den Alpen. Der krönender Abschluss unserer Reise, gemeinsam mit unserem treuen Begleiter: dem „Hümer“. Dass ich „unseren Hümer“, wie wir ihn nach dem Hersteller nannten, nur ungern wieder hergab, lässt sich in diesem Liebesbrief deutlich herauslesen. Schaut mal, wie sehr mir das Leben mit ihm Spaß gemacht hat.

Gesa-Bild

Hier noch mein Hinweis an euch, wenn ihr mal einen Südschweden Roadtrip plant: Haltet euch nicht an jede Empfehlung im Reiseführer und traut euch selbst zu entdecken (wir hatten so ein „Tourenbuch mobiles Reisen“ vom Rau Verlag dabei, in dem auch Campingplätze empfohlen werden). Die Empfehlungen haben mich meist total enttäuscht. Umso mehr freute ich mich jedes Mal über unsere kleinen paradiesischen Funde Marke „Hals ausstrecken und Augen auf.“

Hier seht ihr noch mal unsere gesamte Route: mit der Fähre aus Dänemark kommend von Göteborg nördlich die Westküste entlang, über Orust, Smögen und Hamburgsund nach Havstenssund, dann durchs Binnenland über Trollhättan nach Vimmerby und Umgebung, weiter an die Ostküste nach Loftahammer, südlich die blaue Küste entlang Richtung Västervik, Kalmar und Karlskrona nach Sölvesborg, mit einem Abstecher nach Brösarp und einem Besuch in Lund in der Region Skåne, bis nach Trelleborg, wo die Fähre nach Rostock abfährt.

 

Roadtrip_Route

Habt ihr auch schon mal einen Roadtrip durch Südschweden gemacht? Welche Station würdet ihr unbedingt empfehlen? Was habe ich eurer Meinung nach verpasst?

DSC01942_Snapseed-w700Vielen Dank an Hymer für die Unterstützung.

Kommentare

  1. Sandra

    Ein toller Artikel, der mein Schweden-Herz höher schlägen lässt. Eine ähnliche Tour habe ich 2011 auch mit Freunden gemacht und durch deine Beschreibungen kommt es mir so vor, als wäre ich wieder dort: das traumhafte Smögen, der Campingplatz in Hamburgsund, die netten Schweden und nicht zu vergessen Vimmerby, wo ein Traum in Erfüllung geht.
    Vielen Dank dafür <3

    Wir sind damals an der Westküste von Trelleborg aus über Göteborg, Smögen und Hamburgsund bis nach Oslo gefahren, von dort über Karlstad, Örebro und Uppsala nach Stockholm. Dann nach Söderköping, Vimmerby und Mariannelund bis nach Trelleborg. Dort sind wir dann leider wieder in die Fähre gestiegen.
    Absolutes Highlight war allerdings ein total abgelegener See (Lelangsee) in der Nähe von Blomma (in der Nähe von Arjäng). Wir haben dort allein gecampt, von weitem konnte man ein einsames rotes Häuschen an einem Steg erkennen. Und morgens wurde man mit einem tollen Sonnenaufgang plus Entenfamilie geweckt. Etwas Schöneres habe ich bisher noch nicht gesehen!
    Sandra

    • Gesa Temmen

      Oh das klingt toll! Die große Tour mit Oslo und Uppsala haben wir leider nicht geschafft =( Freut mich, dass ich dich mit auf (d)eine Reise nehmen konnte ;)

  2. Ich

    Klingt ganz wunderbar! Zwei Dinge nur: Es heißt Schären und nicht Scheren und die Route am Ende des Textes könnte nochmal überarbeitet werden. Da stimmen einige Angaben gar nicht. Trelleborg liegt nicht im Binnenland und Loftahammar nicht an der Westküste. Der Text macht aber trotzdem Lust auf eine Südschweden-Reise! :-)

    • Gesa Temmen

      UIuiui, danke für den Hinweis. Du hast meine Links-Rechts-Schwäche erkannt. Und dann noch Trollhättan mit Trelleborg verwechselt. rll rll rll. Danke, freut mich dass es sonst gefällt ;)

  3. Das ist ein solch schöner Artikel mit noch tolleren Fotos. Vor allem bin ich ganz verliebt in dieses Pony-Bild. Danke Gesa für diese schöne Route, die ich mir in jedem Fall merken werde :)

    • Gesa Temmen

      jaa, ich auch xD

  4. Kassandra

    Ich vermisse Malmö und vor allem aber Smygehuk, Schwedens südlichster Punkt :-)

  5. Ein toller Bericht! Und die Fotos!! <3
    Ich war vor Jahren einmal in Schweden, möchte da aber unbedingt nochmal wieder hin. Dank deines Berichts hab ich jetzt totales Fernweh. ;)

    • Gesa Temmen

      so soll es sein, hihihi ;) auf auf mit dir! =)

  6. carmen

    Ich war im August auf Tjörn und es hat mir soooo gut gefallen. – Vor allem Skärhamn :-) Aber auch von Malmö war ich total begeistert

    • Gesa Temmen

      ich hätte auch wirklich ewig viel zeit allein für die Westküste gebrauchen können. hihi. Malmö muss ich dann noch nachholen!

  7. Vivien Andres

    Hallo!
    Ich habe gerade mit großer Begeisterung deinen Reisebericht gelesen. Ich habe für diesen Sommer das gleiche geplant. Darf ich fragen wieviel der Camper gekostet hat?
    Das würde mir beim planen helfen! Vielen dank schonmal…
    Lg, vivien

  8. Tessa

    Ein klasse Reisebericht, der total Lust macht selber los zu fahren! Kannst du mir sagen, bei wem man sich ein Hymercar mieten kann und wie viel das kostet?

    Viele Grüße
    Tessa

    • Gesa

      Liebe Tessa,

      ich habe das Hymercar direkt bei Hymer in Bad Waldsee abgeholt. Unten in der Leiste kannst du auch Händler raussuchen: http://www.hymercar.com/de/modelle/.
      Viel Spaß dir :D Und berichte gern :)

  9. Ellen

    Hi Christine,
    ein schöner Reisebericht! Vor allem habe ich lange nach einer Route gesucht, die ca. 1 Woche geht; die meisten fahren ja doch 2 Wochen.

    Kurze Frage: Hattet ihr ein Bad in eurem Camper? Geht ja ohne Zeltplatz eigentlich nicht ohne, oder? (war noch nie mit einem Camper unterwegs)

    Danke & viele Grüße,
    Ellen

    • Gesa

      Liebe Ellen,

      das war auch meine erste größere Reise mit dem Camper, und wie du, dachte ich auch zuerst an ein Bad im Gefährt ;) Aber nein, das hatten wir nicht. Wir hatten aber eine kleine Spüle mit Wasserhahn drin! Die kann man auch zur Dusche umfunktionieren und dann hinten zwischen den geöffneten Türen duschen (man könnte einen Vorhang zwischen die Türen hängen, dann hat man einen perfekten Sichtschutz. Wir sind etwa alle zwei Tage in einen Zeltplatz eingekehrt (vor allem wegen Strom für die Kamera). Es gibt überall auf dem Weg auch einfach nur „Parkplätze“, Raststätten und Aussichtspunkte, an denen man öffentliche Toiletten findet. Hier und da musste die Natur auch mal herhalten.
      Ich würde mich in der Hinsicht schon als pingelig bezeichnen, und ich fand es im Nachhinein gar nicht schlimm und würde es sofort wieder tun! Alles bestens also :)

      Ich wünsche dir viel Spaß und hoffe, du fährst ganz bald los :)
      Gesa

  10. Christian

    Hi, ein toller Bericht! Du, eine Frage: So eine Tour möchte ich auch mal machen … woher habts Ihr Euer Wohnmobil bekommen bzw. was hats gekostet (Miete, Benzin)?

  11. Toller Bericht :) Schweden ist einfach ❤ Wo hast du denn das Wohnmobil geliehen?

  12. Andres

    Schöner Bericht, vielen Dank! Wir planen für den kommenden Frühsommer ebenfalls eine Südschweden-Tour mit dem Wohnmobil. Wir mieten unser Fahrzeug bei http://www.spann-an.de (nähe Rendsburg). Ist für uns (aus der Schweiz) ideal: Flug nach Hamburg, Fahrzeugübernahme, dann Fähre ab Kiel nach Göteborg. Wir freuen uns – nach diesem Bericht und den schönen Bildern noch viel mehr.

  13. Wow, das steht bei mir ganz oben auf der Liste. Letztes Jahr sind wir mit dem VW Bus durch ganz Dänemark gefahren, einfach nur toll. Als nächstes folgt definitiv Schweden.

    • Christine

      Sehr schön :)

  14. Hej!
    Was für ein Tempo und was für eine Strecke! Da hast Du ja in 9 Tagen fast mehr gesehen als ein Schwede in 9 Jahren!
    Ich glaube, dass das ein Fehler ist, den die meisten Menschen machen: „Mal eben Südschweden“ und dabei vergessen, dass die Fläche fast mit der der gesamten BRD vergleichbar ist… Nächstes Mal einfach mehr Zeit oder weniger Strecke planen! Aber auf alle Fälle ein traumhafter Bericht! Vielen Dank dafür!

  15. Richtig cooler Reisebericht! Wir waren vorletzten Sommer auch in Schweden unterwegs und haben einiges in deinem Reisebericht wiedererkannt.

  16. Anna

    Hach ist das schön, die Vorfreude steigt mal wieder.
    Ich habe mit meiner Familie bereits die West und Ostküste Südschwedens in 6 Wochen gemacht und nun wollen mein Freund und ich etwas höher, da er jedoch noch nie dort war darf man den Süden nicht ganz auslassen.. :) In 2 Wochen gehts los,und deine Fotos verschaffen unheimlich Lust auf Schweden.

  17. Toller Reisebericht! Wir planen gerade eine ähnliche Tour.
    Zu welcher Jahreszeit habt Ihr den Trip unternommen?

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