„Du willst mit deiner Freundin nach Tansania? Und dort mit einem Miet-Auto rumfahren? Ist das nicht gefährlich?“
Ich höre sie noch, die aufgeregten Bedenkenträger vor meiner Reise fragen: „Hast du dir das wirklich gut überlegt?“ Ja! Hab ich! Um es vorwegzunehmen: Ich lebe noch – und ich zehre immer noch von den traumhaften Erlebnissen, die ich in dem ostafrikanischen Land gespeichert habe. Wo soll ich anfangen? Am besten bei der faszinierenden Tierwelt.

Arusha Nationalpark Tansania

Tansania Roadtrip: 1. Tierwelt erleben im Ngorongoro Nationalpark

Ich glaube, nirgendwo auf der Welt ist die Tierpopulation so dicht wie in diesem Ngorongoro Nationalpark. In diesem Krater keine Tiere zu sehen – das ist schlicht weg nicht möglich! Afrika im Miniformat. Afrikas Tierwelt ganz groß!

Eigentlich habe ich mit meiner Freundin Jutta ein Mietauto gebucht, um das Land individuell erkunden zu können. Aber für unsere Safari-Tour Ngorongoro Nationalpark buchen wir einen Jeep mit Fahrer – schließlich wollen wir nicht steuern, sondern schauen, schauen, schauen …

Und natürlich auch fotografieren: Gnus und Zebras, die in großen Herden vorbeiziehen. Hyänen, die zum kleinen See trotten, um dort Wasser zu trinken. Elefanten, die unseren Weg kreuzen. Und vor allem die Löwen, die ihren Auftritt inmitten der (fast zu) zahlreichen Jeeps königlich zu genießen scheinen. Fotogen präsentieren sie sich dicht an den Autos und dann wider in der klassisch afrikanischer Kulisse: Grasland – durchzogen von einigen staubigen Wegen, Seen und Sümpfen.

Wie aufregend! Und ja, es gibt tatsächlich auch eine gefährliche Situation. Als ich mir bei der Picknickstelle mitten im Nationalpark ein gefülltes Blätterteig-Teilchen auf den Teller lege und damit drei Schritte zu meinem Stuhl gehen will, passiert es plötzlich … Pfeilschnell und bis dahin völlig unentdeckt, stürzt ein Raubvogel vom Himmel und schnappt mir die Leckerei vom Teller.

Ich gebe zu, der Schreck sitzt mir eine Weile in den Gliedern … aber unverschämt finde ich es auch: Dieser dreiste Mundraub!

Tansania Roadtrip: 2. Ngorongoro Crater Lodge

So schnell wollen wir diese faszinierende Region nicht verlassen. Für eine Nacht gönnen wir uns das Logieren in der Ngorongoro Crater Lodge, die direkt am Kraterrand liegt. Traumhafter Ausblick in das landschaftliche Becken inklusive – und der warmherzige Servicemann Peter, der uns verrät, dass es auch an der Lodge zu aufregenden Tierbegegnungen kommen kann.

Oh-oh, schnell die Teller sichern … Oder? Peter lacht. Ab und zu würde sich nur mal ein Elefant zwischen den exklusiven Suiten verirren. Ein Elefant? Peter lacht wieder, als er meinen irritierten Blick sieht. Dann winkt er ab und versichert, dass alles völlig easy sei. Er will lieber wissen, ob er schon mal Wasser in die Badewanne lassen soll, während wir unseren Sundowner-Cocktail schlürfen.

Danke Peter, vielleicht später! Wir staunen lieber noch ein wenig mit dem Glas in der Hand über die Kulisse: diese elegante Anlage und diese Panoramaaussicht … Unglaublich! Prost!

Tansania Roadtrip: 3. Self-drive!

Pole-pole, ruft uns Peter am nächsten Morgen zum Abschied zu. Pole-pole heißt soviel wie langsam-langsam. Und gemeint ist in diesem Fall unser Tempo, das wir mit unserem TATA – ein Allrad Geländewagen Pickup – auf die Straße bringen.

Klar, Peter, das passt. Wir wollen uns sowieso Zeit nehmen und Tansania gemächlich „erobern“.
Zum Glück hatten wir zu Beginn unserer Reise eine professionelle Einweisung von Temba. Der 32-Jährige hat uns ausführlich alles erklärt: vom Dieseltanken bis zum Allradantrieb, von Notfallhandy, wenn’s plötzlich mal mehr Auto-Fragen als Antworten gibt, bis zum Emergency-Knopf – falls mal nix mehr geht. Außerdem gibt uns Temba, der auch als Fahrer und Guide gebucht werden kann, noch ein paar Suaheli-Vokabeln mit auf die Reise. Okay, starten wir sofort mit Danke und auf Wiedersehen: Asante und Kwa heri!

Unsere Reise führt von Moshi über Arusha in den Ngorongoro Nationalpark, dann zurück und in die Usambara-Berge und schließlich an die Kijongo Bay – die Stationen unserer Tour haben wir im Vorfeld festgelegt, das Auto und die Unterkünfte bei Akwaba Afrika gebucht. „Als Selbstfahrer lernt man Land und Leute erst richtig kennen“, hatte uns Geschäftsführer Johannes Soeder, den wir vor der Reise kontaktiert haben, versprochen. Okay, mal sehen … Aber erst mal müssen wir uns voll auf die Straße konzentrieren: Denn das Linksfahren ist schon ziemlich gewöhnungsbedürftig …

Tansania Roadtrip: 4. Massai-Kultur

Ausgerüstet mit einer ausführlichen Routenbeschreibung und gutem Kartenmaterial geht es mit Tempo 80 zu unserem nächsten Ziel – einem Massai-Dorf. Wir sind nicht die ersten, die das Nomadenvolk in der Nähe des Ngorongoro Nationalparks besuchen – das wird schnell klar.

„Unsere“ Massai scheinen schon ziemlich sesshaft geworden zu sein – und geschäftstüchtig. Aber Traditionen lebendig zu halten – das können wir deutschen Schlaumeier nun wirklich nicht bringen. Spannend ist ihre Lebensweise ja trotzdem. Auch, wenn das Handy natürlich schon in die Lehmhütten eingezogen ist …

Die hochgewachsenen Männer springen um die Wette, die Frauen preisen Ketten und Schnitzereien und die Kinder stauen oder lächeln verschämt. Irgendwas an uns scheint ihnen doch suspekt zu sein.

Nicht weit vom Dorf entfernt ist ein Ziegenmarkt. Hier spielt das wirkliche Leben – ohne touristische Ausrichtung. Die meisten Tiere gehören den Massai. Locker auf ihren Stab gestützt stehen die Männer bei ihrer Herde. „Eine Ziege kostet 100.000 Schilling“, preist einer der Männer auf Englisch an – rund 40 Euro. Ein gutes Geschäft, versichert er und zeigt uns eines seiner schwarzweißen Exemplare. „Oh, no“, wehren wir schnell ab, steigen in unseren Geländewagen und kichern, weil der geschäftstüchtige Massai uns ein wenig fassungslos hinterherschaut, als ich mächtig Gas gebe.

Tansania Roadtrip: 5. Arusha-Nationalpark

Wir düsen in Richtung Arusha-Nationalpark – pole-pole natürlich, also mit Tempo 80. Beim Blinken meldet sich noch ab und zu der Scheibenwischer … aber ansonsten: Haraka, haraka haina baraka – was soviel heißt, wie Eile bringt keinen Segen.

Im Arusha-Nationalpark wartet die nächste Safari auf uns! Wer mag, kann hier übrigens auch mit dem Fahrrad auf Tierbeobachtung gehen – mit einem bewaffneten Ranger, der vor der Gruppe radelt und einem Begleitfahrzeug, das von hinten sichert. Fahrrad? Och nööö! Wir wollen diesmal lieber mit unserem TATA auf Pirsch gehen.

Wir wechseln uns am Steuer ab – so kann jeder von uns mal in Ruhe Ausschau halten. Die Plätze tauschen wir vorsichtshalber aber bei geschlossenen Autotüren … Hier herrscht natürlich Vorfahrt für die wilden Tiere – schon nach ein paar hundert Metern schaukelt eine Herde Giraffen mit majestätischen Schritten über die Schotterpiste ins weite Grasland. Kamera im Volleinsatz! Auch später bei den Büffeln, Elefanten und Affen.

Arusha Nationalpark

Tansania Roadtrip: 6. Usambara-Berge

Nächster Höhepunkt für uns sind – im wahrsten Sinne des Wortes – die Usambara-Berge. Auf dem matschigen Weg ins Gebirge kann der TATA mal zeigen, was in ihm steckt. Der Wagen schleudert zwar mächtig viel Schlamm durch die Luft, bringt uns aber schließlich sicher zum Mambo View Point.

Was für ein friedliches Fleckchen Erde: Frauen in farbenprächtigen Khangas balancieren Feuerholz auf ihren Köpfen, Männer basteln an ihren Zweirädern oder treiben ihre Ziegen zur nächsten Wiese. Eine grüne und fruchtbare Landschaft – hier wird jeder Platz zum Anbau genutzt: Bananen und Avocados, Mais und Bohnen.

Wir schauen bei einer Schule vorbei – und können uns kaum vor den aufgeweckten Kindern retten – und bummeln über den turbulenten Markt. Dann besuchen wir die Heilerin Hadja Rashidi, die regelmäßig in ihrer Lehmhütte einen Geist befragt, den sie von ihrem Großvater „geerbt“ hat und den sie natürlich in einem magischen Kürbisgefäß aufbewahrt. Meine Freundin Jutta schickt mich vor („Eine muss ja schließlich fotografieren …“) und ich frage die 70-Jährige mal, wie es so um mich und meine Gesundheit steht.

„Die Medizin kannst du lernen, das Heilen kommt zu dir“, übersetzt ein Dolmetscher ihre anfängliche Erklärung. Aha! „Manchmal sammele ich Schneckenhäuser und beschwöre das Horn einer Antilope“, erklärt sie weiter.

Und dann legt sie los. Geheimnisvoller Rauch kommt aus dem magischen Gefäß, Hadja Rashidi murmelt und lauscht, träumt und erfährt über mich … Was genau? Dass ich zu viel denken würde und dass mich das schlecht schlafen lasse. Außerdem bekäme ich dadurch Kopfschmerzen. Aha! Ein weißes Pulver soll Abhilfe schaffen.

Die Diagnose für umgerechnet rund zwei Euro bringt es also auf den Punkt: Das viele Denken bringt nur Probleme. Dachte ich mir schon …

Tansania Roadtrip: 7. Kijongo Bay am Indischen Ozean

Die Menschen in Tansania sind ausgesprochen freundlich. Mit einem „Jambo!“ entlockt man hier eigentlich jedem sofort ein Lächeln. Außer dem Polizisten, der uns auf unserem Weg an die Nordostküste an die Seite winkt. Ups, war ich etwa zu schnell? Wie war noch mal das Zauberwort? „Shikamoo“, ich liege dir zu Füßen. So könnten wir ein Gespräch respektvoll beginnen, hatte Temba uns geraten. Und es klappt: Der Polizist grinst zufrieden – und winkt uns dann lässig weiter und wir erreichen endlich unsere letzte Station Kijongo Bay am Indischen Ozean.

Dieses Beach Resort ist ein wahres Paradies! Gut, dass wir den Bungalow hier gleich für zwei Nächte gebucht haben. Hier ist relaxen angesagt: mit einem Cocktail im Liegestuhl oder unterm Palmenwedel am Strand. Die meisten Gäste buchen gleich morgens eine Schnorchel- oder Tauchtour, aber wir genießen das gepflegte süße Nichtstun.

Entspannung pur in traumhafter Kulisse – und Zeit, auf unsere Tour zurückzublicken: Jaaaa, es war toll. Tansania ist spannend, die meisten Menschen sind aufgeschlossen und Self drive funktioniert hier super. Aber: Man muss schon ein wenig abenteuerlustig sein – der All-inklusive-Typ bucht sich besser einen Fahrer.

Was wir mit nach Hause nehmen? Ein bisschen pole-pole. Mal sehen, wie lange es reicht …

Tansania Roadtrip: Reiseplanung

Selbstfahrerreisen durch Tansania sind bei Akwaba Afrika im Programm. Der Afrika-Spezialist legt höchsten Wert auf den individuellen Charakter seiner Reisepakete. Individualreise bedeutet bei Akwaba Afrika allerdings nicht, dass die Reisenden auf sich allein gestellt sind. Der Veranstalter unterstützt sowohl bei der Planung, trifft Vorkehrungen vor Ort und ist auch während der Tour im Land bei wichtigen Fragen immer erreichbar. Auch Flüge, Auto, Hotels und Ausflüge werden organisiert.

Tansania Roadtrip: Reiseroute und Reisepreis

Der Veranstalter Akwaba Afrika bietet zum Beispiel folgende Selbstfahrerreise in Tansania an: 16 Tage mit Übernachtungen in gehobenen Lodges ab 2850 Euro pro Person.
Kontakt: Tel: +49 (0)341 – 223871 60, info@akwaba-afrika.de

  • Tansania Klima: Es gibt große regionale Unterschiede. Küstenzone: tropisch-heiß mit hoher Luftfeuchtigkeit (vor allem Dezember-März). Norden: große Regenzeit März-Mai, kleine Regenzeit im November/Dezember. Beste Reisezeit: Juni bis Oktober (Trockenzeit) sowie Dezember bis Februar.
  • Tansania Impfungen & Gesundheit: Malaria-Prophylaxe wird ganzjährig empfohlen. Gelbfieberimpfung wird empfohlen, bei Einreise aus Europa ist sie aber keine Pflicht. Bei Einreise aus Nachbarstaaten (Kenia, Uganda) oder bei Weiterreise nach Sansibar ist die Gelbfieberimpfung Pflicht. Weiterhin wird zu Impfungen gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten, Hepatitis A und Typhus geraten.
  • Tansania Einreise: Ein Visum ist erforderlich (zurzeit 50 US-Dollar bei der Einreise). Der Reisepass muss noch mindestens sechs Monate über den Aufenthalt hinaus gültig sein.
  • Buchtipp Tansania: Tansania, Sansibar und Kilimanjaro, Verlag Reise Know-How, 24,90 Euro und KulturSchock Tansania, Verlag Reise Know-How, 14,90 Euro
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Die Gastautorin:
Autorenfoto-Katrin

Katrin Schreiter ist umtriebige Autorin und leidenschaftliche Fotografin. Die Leipzigerin leidet an chronischem Fernweh. Therapie regelmäßig weltweit – am liebsten in Neuseeland und Kanada, Indien und China. Manchmal aber auch gleich nebenan.

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