Es gibt sie, die Digital Natives und die Digital Immigrants und diejenigen, die keine Ahnung haben, was das eigentlich ist. Am letzten Wochenende habe ich mich zum ersten Mal auf den Weg in das Deutsche Museum in München gemacht. Ehrlich gesagt interessieren mich alte Medizininstrumente und Dampfmaschinen recht wenig. Aber eine Ausstellung, die ein @-Zeichen im Titel hat, das ist was für mich.

„@HOME – unsere Gesellschaft im digitalen Zeitalter“. Ein Leben ohne Facebook und Twitter ist für mich nicht mehr vorstellbar. Aber die Digitalisierung wird auch in anderen Gebieten Teil des Alltags. In sechs Filmkabinen wird das Leben von Menschen gezeigt, die viel Zeit ihres täglichen Lebens im digitalen Netz verbringen. Ein Familienvater, der in die Fantasywelt von World of Warcraft eintaucht, eine Web 2.0 Teenagerin oder ein Online-Unternehmer. Danach kann man sich auf Sofas setzen und die Angehörigen anrufen. Was sagt der Sohn dazu, dass sein Vater ein leidenschaftlicher Videospieler ist oder wie nimmt die Mutter den digitalen Konsum ihrer Teenager-Tochter wahr? Am interessantesten fand ich das Statement von der Ex-Freundin des Online-Unternehmers, dessen ständiger Begleiter das iPhone war. Genauso wie ich, hat er damit jede Tätigkeit, sei es das Mittagessen oder den Sonnenuntergang beim Ausflug fotografiert und veröffentlicht. Mir war nie so wirklich bewusst, was mein Handeln bei den anderen erzeugt. Welche Gefühle ich damit vermittele. Die Ex-Freundin berichtete, dass sie sich nicht mehr wichtig gefühlt hat. Sie fühlte sich immer auf den 2. Platz gesetzt. Es gab keine Momente mehr, die nur ihnen gehört haben. Alles wurde nach außen getragen, der Post wichtiger als der Moment. Die Infografiken zu Auswirkungen der digitalen Revolution waren ganz interessant, doch so wirklich einen bleibenden Eindruck der Ausstellung, haben die Kommentare der Menschen hinterlassen, die sich über die digitale Generation geäußert haben. Ich versuche nun etwas sensibler mit anderen umzugehen, denn nicht jeder versteht, was ich da tue und wie ich es meine. Lieber mal auf ein Sonnenuntergangsbild verzichten und dem Gegenüber das Gefühl geben, dass nur er im Moment zählt.

Die Ausstellung @Home– unsere Gesellschaft im digitalen Zeitalter lädt in die Stube der „Generation Internet“ ein. Noch bis 31.07. im Deutschen Museum in München. Gute Alternative für all diejenigen, die nicht auf die re:publica in Berlin können.

4 Kommentare

  1. Oh, schade, dass hab ich wohl beim München Trip verpasst. Vielleicht schaffe ich es nochmal dorthin, es hört sich nämlich sehr interessant an. :-)
    Danke für den Tipp!
    Liebe Grüße
    Christina

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